Mindesthaltbarkeitsdatum auf Milchtüte
Das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur ein Richtwert Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln überschritten, wandern viele Produkte in den Müll. Doch das muss nicht sein. Wir räumen auf mit den Haltbarkeitsmythen - von Lebensmitteln, Medikamenten und Kosmetik.

Yvonne Willicks
Yvonne Willicks Bild © WDR Herby Sachs

Yvonne Willicks, bekannte TV Moderatorin und Hauswirtschaftsexpertin, serviert auf die Frage, ob man Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essen kann, folgenden Rat: "Im Grunde ja! Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sagt immer nur aus: das ist das beste Ergebnis und der beste Geschmack bis zu diesem Datum. Die schmecken dann einfach nicht mehr so richtig gut, die verlieren an Aroma!" Angeschimmelt sollte das Produkt natürlich nicht sein, leicht gräuliche Verfärbungen machen bei Schokolade z.B. aber überhaupt nichts aus, so Yvonne Willicks. Sie würde diese Schokolade eher für einen Kuchen verwenden, statt sie zu essen.

Milchprodukte

Bei Milchprodukten kommt schnell Skepsis auf, wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Aber Yvonne Willicks gibt Entwarnung: "Bei Vollmilch, Joghurt usw. kann man davon ausgehen, dass diese 5 - 10 Tage nachher auf jeden Fall noch haltbar sind, Naturjoghurt noch viel länger." Die Expertin erinnert an unsere Sinne und empfiehlt, am Produkt zu riechen und genau hinzuschauen.

Fleisch- und Wurst

Was für Milchprodukte gilt, das sieht bei Fleisch- und Wurstwaren schon anders aus. Da sollte man besser aufpassen, denn das sind Lebensmittel, die sehr anfällig sind! "Geöffnete Ware sollte man nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr essen." Wurst kann schlierig werden, die Oberfläche verändert sich. Yvonne Willicks mahnt hier zur Vorsicht, wenn man es nicht riskieren will, krank zu werden. Eine ungeöffnete Packung Wurst aus dem Kühlregal, deren MHD abgelaufen ist, muss man nicht grußlos in die Tonne befördern. Wenn die Packung unbeschädigt und ungeöffnet bei der richtigen Temperatur im Kühlschrank gelagert worden ist, dann kann die Wurst auch gut 5 - 7 Tage nach Ablauf des MHD noch gegessen werden. "Erst mal aufmachen und schauen, wie die aussieht, daran riechen, kurz schmecken. Wenn einem dann etwas komisch vorkommt, dann lieber weg." Das gilt vor allem auch für Fleisch- und Fischsalate.

Eier

Bei Eiern achtet man besonders auf das MHD und sie sollen kühl gelagert werden. Nach dem Legedatum sind sie gut 28 Tage haltbar, weiß Yvonne Willicks. "Man kann sie oft nach Ablauf des MHD noch 2 - 4 Wochen essen, sie müssen aber auf jeden Fall erhitzt werden." Der Rat von der Hauswirtschaftsexpertin: "Man kann sie noch zum Backen verwenden für einen Kuchen." Bei Pfannkuchen oder Waffeln winkt sie jedoch ab, weil man hier nie die Gewähr hat, dass die Eier gut durch gebacken sind. Hart gekocht hingegen ist kein Problem.

Tiefkühlkost

Beim Aufräumen des Kühlfachs holt man nicht selten eine frostige Packung heraus, die über dem MHD und vielleicht sogar schon geöffnet ist. Fettreiche Lebensmittel sind empfindlich, z.B. Lachs. Fett verändert am schnellsten seinen Geschmack und wird ranzig. "Die meisten anderen Sachen, vom Brot bis zum Gemüse sind auf jeden Fall noch genießbar, nur nicht mehr so lecker." Bei geöffneten Packungen bilden sich schnell Eiskristalle, z.B. bei Gemüse. Ein gesundheitliches Problem sieht Yvonne Willicks bei der Zubereitung nicht, eher ein geschmackliches. "Die schmecken dann so muffig, so pappig."

Konserven

Bei Konserven ist man in der Regel auf der sicheren Seite, die Haltbarkeit kann über Jahre gehen. Erwischt man da eine Konserve, die ihr MHD hinter sich gelassen hat, sollte man vorsichtig sein. "Die Dosen müssen unbeschädigt sein. Da darf keine Delle sein, da könnten kleine Risse entstehen und doch Luft eindringen." Wenn das der Fall ist, wölbt sich der Deckel nach oben. Man spricht dann von einer Bombage. "So eine Dose sofort entsorgen, auch nicht aufmachen. Da kann man eine richtig schwere Erkrankung bekommen", warnt Yvonne Willicks.

Haltbarkeit von Medikamenten und Kosmetik

Wimperntusche
Muss nicht gleich in den Müll, wenn sie ausgetrocknet ist: Wimperntusche Bild © Colourbox.de

"Bei Medikamenten zählt das Verfallsdatum, nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum", sagt Apothekerin Miriam Oster aus Oberursel. Deshalb auf keinen Fall nutzen, wenn sie verfallen sind. Aspirin ist ein gutes Beispiel: das verfällt u.a. zu Essigsäure. Das riecht man dann auch. In Hessen kann man alte Medikamente in gut verschlossenen Tüte in den Hausmüll werfen. Man kann sie aber auch in die Apotheke bringen (allerdings sind Apotheken nicht verpflichtet, Altmedikamente entgegenzunehmen).

Globuli: Sie wirken nicht mehr, wenn sie verfallen sind. Im Durchschnitt halten die homöopathischen Kügelchen etwa fünf Jahre, so Miriam Oster. Bei angebrochenem Nasenspray sollte man aufpassen: es gibt durch das Einführen in die Nase eine Verkeimung von außen und innen. Besser zwei Fläschchen besorgen, damit man immer ein Frisches hat, wenn die Nase mal wieder verstopft ist.

Sonnenmilch: Einmal geöffnet, aber gut gelagert ist sie ein Jahr haltbar. Bitte nicht wiederverwenden, wenn die Sonnenmilch im Urlaub dabei war und sie der Wärme ausgesetzt war.

Kosmetik: Gesichtscreme hält 6 - 12 Monate nach Öffnung, aber wenn sie noch gut riecht, geht es auch länger.

Wimperntusche: Bevor sie bröckelt, sollte man sie austauschen. Das ist nach ca. 3 Monaten der Fall. Wenn man eine Augeninfektion hatte, sollte Wimperntusche sowieso in den Müll.

Gemischte Cremes: Immer draufschreiben, wann man die Creme öffnet. Dann kühl und dunkel lagern. Fette Salben halten ein Jahr, Cremes ein halbes Jahr und Gele halten ein viertel Jahr.

Abgeben statt wegwerfen - Foodsharing

Korb mit Gemüse
Gemüse übrig? Versuchts doch mal mit Foodsharing! Bild © Colourbox.de

Wenn es Zuhause im Kühlschrank zu viel wird und man übers Wochenende vielleicht gar nicht da ist, kann man über Foodsharing nachdenken. Denn über Essen, das noch nicht ungenießbar ist, freuen sich andere mehr als die Mülltonne. Dafür gibt man in einer Foodsharing-Community an, was man wo abzugeben hat. Die findet Ihr zum Beispiel auf foodsharing.de oder in Facebookgruppen wie Foodsharing Frankfurt, Kassel oder Wiesbaden. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, kann sich auf foodsharing.de als Foodsaver registrieren. Dann kann man aussortierte Lebensmittel von Supermärkten abholen.

Auch hessische Universitäten haben das Thema Foodsharing aufgegriffen. Über öffentlich-zugängliche Kühlschränke teilen sie aussortiertes Essen. Jeder, der will, kann dort seine Lebensmittel reinlegen und sie damit indirekt weiterverschenken. "Gerade Studenten verreisen oft am Wochenende und wissen nicht, wohin mit dem übrigen Essen. Wir wollen die Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren und das Bewusstsein für Essen wieder stärken", sagt Friedrich-Karl Lücke, Professor an der Universität Fulda. Auch in Darmstadt gibt es mittlerweile einen sogenannten Fairteiler. In Holzregalen finden hier zusätzlich ausrangiertes Obst und Gemüse Platz. Wichtig ist nur, dass die Lebensmittel keine Gesundheitsgefahr darstellen. Tiramisu, Mayonnaise oder Rindergehacktes sind zum Beispiel tabu. Auch Produkte, deren Verbrauchsdatum bereits abgelaufen ist. Anders ist das beim Mindesthaltbarkeitsdatum. Hier entscheidet der Zustand des Produktes.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
voting voting

Herz verschenken und
eine Traumkreuzfahrt
auf der AIDA gewinnen.

Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit