Eine Schwebfliege hat sich auf einer Blüte niedergelassen.
Das Insektensterben hat schwerwiegende Folgen für das Ökosystem Bild © picture-alliance/dpa

Einige werden sich freuen: Weniger Wespen und Mücken plagen uns in den Sommermonaten. Doch das Insektensterben ist ein echtes Problem mit fatalen Folgen für das Ökosystem.

Das Insektensterben ist real

Es fällt schon auf: weniger Insekten kleben auf der Windschutzscheibe, man sieht kaum noch Bienen im Garten und auch Schmetterlinge sind selten geworden. Seit 1989 ist die Masse der Insekten im Schnitt um erschreckende 76 Prozent geschrumpft. Vielen ist das Problem des Insektensterbens nicht bewusst. Der Naturschutzbund Nabu vergleicht im Gespräch mit hr3-Reporter Martin Honecker das Insektensterben sogar mit dem Klimawandel: "Da haben auch einige Skeptiker erst überzeugt werden müssen, dass der Klimawandel ein ernsthaftes Problem ist." Und auch das Insektensterben ist ein großes Problem mit schwerwiegenden Folgen für unser Ökosystem.

Darum sind Insekten so wichtig

"Insgesamt Dreiviertel aller Pflanzen brauchen Insekten, um sich fortpflanzen zu können", erklärt hr3-Reporter Martin Honecker. Es geht hier nicht nur um Obstpflanzen, sondern um eine Vielzahl von Pflanzen, die auf Insekten angewiesen sind. Je weniger Insekten die Pflanzen bestäuben, desto größer werden die Probleme für den Menschen, auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten: "Ein Ökosystem hat einen Wert, nicht nur für Leute, die die Natur lieben. Sondern auch einen Wert, den man in Euro ausrechnen kann. Und das muss in die Landwirtschaftspolitik eingearbeitet werden", sagt Bernd Grünewald, Bienenforscher an der Goethe-Uni Frankfurt im Gespräch mit hr-info.

Sterben Insekten, dann kommt auch das ganze Ökosystem durcheinander. Vögeln, Fledermäusen oder Amphibien fehlt damit ihre Grundnahrungsquelle. Ein Verschwinden der Insekten bedeutet auch ein Verschwinden der Tiere, die sie fressen. Außerdem sind Insekten eine natürliche Putzkolonne, so sorgen Ameise oder Fliegenlarven zum Beispiel dafür, dass Tierkadaver verwesen.

Warum gibt es weniger Insekten?

Tagpfauenauge
Bild © picture-alliance/dpa

"Ganz sicher sind sich die Experten nicht, woran das liegt. Aber es gibt viele Hinweise darauf, dass die Gründe für den Insektenschwund in der Landwirtschaft liegen", so hr3-Reporter Martin Honecker. Auf den Feldern hat die Artenvielfalt abgenommen, auf einem Rapsfeld gibt es Raps und sonst nichts. Für Insekten ist aber genau diese Artenvielfalt entscheidend. Außerdem sind die Insektizide, die auf die Feder gesprüht werden Gift für die Insekten. Darüber hinaus hat sich der Lebensraum über die letzten Jahre durch Bebauung verkleinert und auch der Klimawandel trägt seinen Teil zum Insektensterben bei.

Was können wir gegen das Insektensterben tun?

Wenn Ihr einen Garten habt, dann pflanzt möglichst unterschiedliche Pflanzen, damit sich die Insekten wohlfühlen. Insektengift solltet ihr nicht versprühen. "Aber das Ganze ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn sich nicht auch etwas in der Landwirtschaft verändert. Schließlich wird mehr als die Hälfte der Fläche in Deutschland für Landwirtschaft genutzt", erklärt Martin Honecker.

Weitere Informationen

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Vor allem Bienen sind massiv von dem Insektensterben betroffen. Wer sich für das Thema interessiert, der sollte sich in der ARD-Mediathek die preisgekrönte Fernseh-Doku „More than honey“ anschauen. Der Film macht sich auf die Suche nach den Ursachen des globalen Bienensterbens.

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Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 18.10.2017, 09:30 Uhr

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