Die Loveparade-Katastrophe am 24.07.2010
Heute befindet sich eine Gedenkplatte am Unglücksort Bild © picture-alliance/dpa

Am Freitag startet der Prozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010. Kate Menzyk hat sich mit einer Nebenklägerin unterhalten, die damals dabei war und Kate ihre Erlebnisse geschildert hat.

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Die Loveparade-Katastrophe am 24.07.2010

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nadine berichtet Kate Menzyk in hr3 von den Ereignissen bei der Loveparade 2010

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Am 24. Juli 2010 fand in Duisburg die 19. Ausgabe der Loveparade statt. Hatte die Parade von ihrer Gründung im Jahr 1989 bis 2006 ausschließlich in Berlin stattgefunden, so war man 2007 zum ersten Mal durch das Ruhrgebiet gezogen. Nachdem die Loveparade 2009 in Bochum aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht stattfinden konnte, sollte die Loveparade in Duisburg 2010 ihr großes Comeback feiern.

Als Veranstaltungsgelände hatte man sich das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ausgesucht. Der Zugang zum Gelände führte dabei durch einen Tunnel mit zwei Eingängen. Durch diese zwei Eingänge strömten gleichzeitig tausende Besucher in den Tunnel, der dann über eine Rampe auf das Veranstaltungsgelände führte. Hier stauten sich während der Veranstaltung die Besucher, während von hinten immer mehr Besucher dazu kamen, was zu einer Verdichtung der Menschenmenge und letztlich zur Katastrophe führte. In einem Prozess soll nun geklärt werden, wie es dazu kommen konnte.

Erst war alles noch ganz normal

Die Loveparade-Katastrophe am 24.07.2010
Besucher der Loveparade versuchen am 24.07.2010 über eine Treppe aus der Menschenmenge heraus zu kommen Bild © picture-alliance/dpa

Mit dabei war damals Nadine aus Hamburg. Die heute 34jährige war damals 27 Jahre alt und war mit ihrem Mann und ihrem Bruder nach Duisburg gereist. Es war gegen 16 Uhr, als sie das Veranstaltungsgelände verlassen wollten. Auf der Rampe, die zum Veranstaltungsgelände hinauf führte, wurde es zu dem Zeitpunkt zwar immer voller, doch alles fühlte sich noch normal an. Dass um sie herum bereits Menschen Masten hinaufkletterten und über eine Treppe versuchten, die Rampe zu verlassen, kam ihnen erstmal nicht ungewöhnlich vor. Erst als sie im Tunnel waren und Nadine ihr linkes Bein nicht mehr bewegen konnte, weil jemand auf ihrer Hose stand, bekam sie Angst: "In dem Moment war mir aber auch klar, dass hier irgendwas nicht stimmt und wenn ich hier jetzt nicht weg komm, also wenn ich nicht zuseh, dass ich das Bein da irgendwie los bekomm, dann ist es vorbei."

Zitat
„Ich weiß nur, dass ich nach meinem Bruder geschrien habe, weil ich ja nicht wusste, ob er da ist.“
Zitat Ende

Ab da wurde es immer enger und dunkler im Tunnel. Irgendwann konnte Nadine sich nicht mehr nach ihrem Mann umdrehen, der hinter ihr war, weil ihre Schultern so hochgedrückt wurden, dass sie ihren Kopf nicht mehr bewegen konnte. Aus dem Augenwinkel sah sie irgendwann ein Mädchen an der Tunnelwand umkippen, doch weder sie noch ihre Begleiter konnten dem Mädchen helfen. Es war einfach zu voll.

Niemand wollte ihre Warnungen hören

Die Loveparade-Katastrophe am 24.07.2010
Blick in den völlig überfüllten Tunnel Bild © picture-alliance/dpa

Am Ende wurden sie durch eine Welle aus dem Tunnel herausgedrückt und schafften es so am Eingang ins Freie. Dort mussten sie entsetzt feststellen, dass weiterhin Menschen in den Tunnel strömten und niemand sie aufgrund der Situation dort davon abhielt. Ihr Versuch, Sicherheitspersonal oder die Polizei auf die Gefahr aufmerksam zu machen, scheiterte. Ihr Mann versuchte zwei Polizisten davon zu überzeugen, dass ein Betreten des Tunnels zu gefährlich sei und wurde von den Beamten ausgelacht. Auch die Versuche, ankommende Besucher davon abzuhalten, den Tunnel zu betreten, waren ohne Erfolg: "Na ja. Wer hört denn schon drauf? Wir konnten nichts machen."

Die Zeit danach

Die Loveparade-Katastrophe am 24.07.2010
Hat das Loveparade-Unglück überlegt: Nadine aus Hamburg Bild © Privat

Nach dem Unglück hatte Nadine starke Schlafstörungen und war später 1,5 Jahre in Therapie. Durch Hypnose konnte sie erst 2011 wieder richtig schlafen, doch Schlafstörungen hat sie auch heute noch. Erst Anfang 2017 konnte sie wieder mit der Enge in öffentlichen Verkehrsmitteln umgehen.

Endlich gehört werden

Gegen die beiden Polizisten, die sie vor dem Tunnel ausgelacht hatten, hatte Nadine damals Anzeige erstattet. Ohne Erfolg. Nun tritt sie im Prozess, der am 7. Dezember 2017 in Düsseldorf beginnt, als Nebenklägerin auf. Davon erhofft sie sich hauptsächlich Aufklärung und Antworten auf die Frage, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Es solle endlich gesagt werden, was passiert ist und warum. Denn bis heute fühlt sie sich nicht gehört.

Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 07.12.2017, 13 Uhr

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