Fahrzeuge auf einer Autobahn bilden eine Rettungsgasse
Fahrzeuge auf einer Autobahn bilden eine Rettungsgasse Bild © picture-alliance/dpa

Eine verstopfte Rettungsgasse hat am Wochenende die Arbeit der Feuerwehr bei einem Unfall auf der A3 bei Limburg behindert, die Feuerwehrleute wurden sogar angepöbelt. Dabei ist es so einfach! Wir erklären noch einmal, wie die Rettungsgasse funktioniert.

Die Rettungsgasse auf der Autobahn oder auf der Schnellstraße – klingt sehr vernünftig (und ist Pflicht), ist aber in der Praxis oft schwer umzusetzen, weil einige Autofahrer nicht wissen, wo sie genau Platz machen müssen. Am Wochenende wurde die Arbeit der Feuerwehr nach einem Unfall auf der A3 bei Limburg wieder durch eine verstopfte Rettungsgasse behindert. In diesem Fall ging das vergleichsweise glimpflich aus: Ein Motorradfahrer und ein Beifahrer aus einem Auto kamen leicht verletzt ins Krankenhaus. Wenn Feuerwehrautos, Polizei und RTW nicht rechtzeitig zum Unfallort kommen, könnte das aber im schlimmsten Fall ziemlich krasse Folgen für die Unfallopfer haben.

3 Regeln: So einfach bildet Ihr eine Rettungsgasse

Grafik: So bildet Ihr eine Rettungsgasse
Grafik: So bildet Ihr eine Rettungsgasse Bild © hr
  1. Wenn’s langsamer wird auf der Straße und der Verkehr zum Stocken kommt, schon mal darauf einstellen, dass gleich eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Besonders wichtig ist das auf der Autobahn, aber auch auf Bundes- oder Landstraßen. Heißt: Nicht unnötig die Spur wechseln oder überholen.
  2. Kommt es dann tatsächlich zum Stau, muss eine Rettungsgasse gebildet werden – so steht’s in der StVO (§ 11, Abs. 2). Der Standstreifen ist keine Rettungsgasse – oft gibt es den gar nicht oder er wird durch stehengebliebene Autos blockiert. Dabei ist die Rettungsgasse immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden. Fahrt Ihr also auf dem linken Fahrstreifen, so weicht Ihr nach links aus. Seid Ihr auf einem der übrigen Fahrstreifen unterwegs, so fahrt Ihr nach rechts.
  3. Nachdem ein Feuerwehrauto, die Polizei oder der Rettungswagen durch die Rettungsgasse gefahren sind, nicht die Spur gleich wieder dicht machen – in aller Regel folgen weitere Fahrzeuge.

Warum bereitet uns die Rettungsgasse solche Schwierigkeiten?

Claus-Christian Carbon von der Uni Bamberg beschäftigt sich mit dem Verhalten von Menschen in Gruppensituationen. Er sieht zwei große Probleme, die es uns erschweren, eine Rettungsgasse richtig zu bilden: "Die eine Sache ist, dass wir prinzipiell heute nicht mehr so richtig gehorchen wollen", weiß er. Das sei eigentlich eine positive Sache, Autoritäten in Frage zu stellen. Das Problem ist aber: Wenn es darum geht, eine Rettungsgasse zu bilden oder den Rettungsdienst oder Feuerwehr vorbeizulassen, muss man sich einfach daran halten. "Das haben wir nicht mehr so gut drauf, weil wir die ganze Zeit in so einem Modus sind, dass wir alles hinterfragen oder nicht das machen wollen, was uns gesagt wird. Hier macht es aber keinen Sinn, es nicht so zu machen. Es ist wichtig, es genau so zu befolgen", sagt der Psychologe.

Feuerwehrauto in der Rettungsgasse
Vorbildliche Rettuzngsgasse. Scheren jetzt Autofahrer aus, wird es für nachfolgende Einsatzfahrzeuge wieder schwer. Bild © picture-alliance/dpa

Dazu kommt, dass eine Rettungsgasse für uns eine Ausnahmesituation darstellt - glücklicherweise. "Wir haben davon häufig gehört und das Gefühl, wir können das eigentlich. Aber wirklich konkret in der Situation sind wir nicht so häufig, das heißt, es ist nicht richtig eingeübt und geht nicht in unser Reizreaktionsmuster über", erklärt Carbon. Wir müssten daher jedes Mal aufs Neue darüber nachdenken. "Und dann ist es so, dass die Leute sich schlichtweg unsicher sind, wie sie sich verhalten müssen. Diese ganze infache Regel: Die linke Spur geht ganz nach links, und alle anderen nach rechts, das wissen die meisten einfach nicht. Das ist nicht eingeübt und wenn überhaupt, dann ist es eine theoretische Sache und keine praktische", begründet er.

Laut Claus-Christian Carbon sollte hier angesetzt werden. Eine ganz einfache Übung sei zum Beispiel, die Rettungsgasse immer und immer wieder nachzustellen. "Im Prinzip muss man solche Dinge schon in der Kindheit oder Jugend anfangen, bevor man den Führerschein lernt." So könnten auch Kinder und Jugendliche ihre Eltern darauf hinweisen, wenn sie falsch eingefädelt sind. "Ich muss ja vorausschauend diese Rettungsgasse bilden und da ist es nicht schlecht, wenn man das frühzeitig praktisch übt." Und das könne man schon mit Spielzeugautos üben. Das sei immer noch besser, als wenn man es nur theoretisch wisse, es aber praktisch nicht anwenden könne. Von einer Erhöhung des aktuellen Bußgeldes von nur 20 Euro hält der Psychologe dagegen nicht viel: "Die haben nur eine kurzfristige Symbolwirkung", sagt er.

Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 24.07.2017, 13:30 Uhr

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