Ein Bewässerungssystem kann im Sommer eine echte Hilfe sein
Ein Bewässerungssystem kann im Sommer eine echte Hilfe sein Bild © picture-alliance/dpa

Gießen mit der schweren Gießkanne oder mit einem cleveren Bewässerungssystem? Und wann sollte man am besten gießen? Unser Garten-Checker Rainer Schecker hat es Tanja und Tobi in der hr3 Morningshow verraten.

Die Basics

Unter sommerlicher Hitze leiden nicht nur irgendwann die Menschen und Tiere, sondern natürlich auch die Pflanzen. Ein Mensch kann sich unter einem Baum in den Schatten legen - der Baum selber hat allerdings Pech gehabt.

Deswegen brauchen die Pflanzen in Eurem Garten oder auf Eurem Balkon ordentlich Wasser. Viel Wasser! Dabei gibt es aber ein paar Dinge, die Ihr beachten solltet. Bekannt ist, dass man seine Pflanzen nicht morgens oder in der prallen Nachmittagshitze gießen sollte, sondern dann, wenn die Sonne nicht mehr knallt - also abends. Über Nacht hat die Pflanze auch mehr Zeit, das Wasser aufzunehmen.

Desweiteren solltet Ihr Eure Pflanzen ruhig kräftig gießen. Alles was blüht, oder irgendwann mal Früchte tragen soll, braucht jetzt ordentlich Wasser.

Und natürlich sollte man Pflanzen wenn möglich auch nicht direkt in der prallen Sonne stehen lassen. Einfach mal in den Schatten rücken, schon braucht sie deutlich weniger Wasser.  

Die unterschiedlichen Bewässerungssysteme

Wer einen großen Garten zu bewässern hat, kann entweder viele Kannen Wasser schleppen oder auf den Regen hoffen. Doch wenn der Regen nicht ausreicht und man keine Lust auf Gießkannen hat, muss ein Bewässerungssystem nachhelfen. Die Form des Gartens und die Pflanzen entscheiden, welches das richtige ist.

  • Der Viereckregner


ist der Klassiker unter den Rasensprengern. Er beregnet viereckige Flächen mit einem Sprühstrahl, der durch mehrere Düsen austritt. Achtet beim Kauf darauf, dass sich die Sprühbreite und auch Wurfrichtung sowie Wasserdruck einstellen lassen! Der Nachteil eines Viereckregners ist, dass nicht alle Pflanzen eine Beregnung von oben mögen, zum Beispiel Rosen und Tomaten. Durch die Feuchtigkeit können sich Pilzkrankheiten leichter entwickeln. Auch für Büsche und Bäume mit dichter Krone ist er schlecht geeignet, gelangt doch der Hauptteil des Wassers nutzlos auf die Blätter und verdunstet, während an den Pflanzenwurzeln nur wenig ankommt.

  • Der Multifunktionsregner


hat mehrere Sprühfunktionen (bis zu acht verschiedene), die sich über einen Drehring einstellen lassen. Die Beregnungsmuster reichen vom Kreis über das Quadrat bis hin zum breiten Streifen. Die Vielfalt der Einstellungen ist hilfreich bei verwinkelten Gärten und kleinteiligen Beeten. Auch beim Multifunktionsregner solltet Ihr darauf achten, dass sich der Wasserdruck regulieren lässt. Auch bei diesen Geräten gilt, dass die Pflanzen von oben beregnet werden, die Wasserverdunstung also vergleichsweise hoch ist.

  • Der Perlschlauch


wird am besten fest in einem Beet verlegt. Durch die poröse Schlauchstruktur dringt Wasser tröpfchenförmig aus und benetzt so den Boden. Die Verdunstung ist gering, da das Wasser direkt am Boden freigesetzt wird. Besonders gut geeignet ist dieses System beispielsweise für Gemüsepflanzungen. Für Großgehölze ist nach Einschätzung unseres Experten die austretende Wassermenge zu gering. Der Nachteil ist, dass der Perlschlauch wenig flexibel ist. Umlegen ist mühsam und meist nicht sinnvoll. Auch die Lage am Boden hat Nachteile: Die Verdunstung ist zwar gering, doch dadurch, dass er direkt auf der blanken Erde liegt, kann der Schlauch beispielsweise bei Regen leicht verschlammen.  

Bewässerungshelfer für Balkon und Terrasse

Wenn die Terrasse in voller Blüte steht und die Sonne lacht, ist in der Regel auch Urlaubszeit. Damit die Pflanzen diese Zeit überstehen, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Alle Pflanzen zusammenstellen und vorsorglich ertränken, ist keine gute Idee. Denn Dauernässe führt bei den Pflanzen zum Faulen und Absterben der Feinwurzeln. Doch es gibt einige auch kostengünstige Bewässerungshelfer für Balkon und Terrasse.

  • Wasserspeicher-Granulat:


Das Granulat besteht aus Gesteinsmehlen und einem Polymer, das, wenn es nass wird, aufquillt und große Mengen Feuchtigkeit speichert. Diese gibt es dann nach und nach wieder ab. Das Granulat möglichst schon beim Einpflanzen trocken untermischen. Oder Sie stechen nachträglich tiefe Löcher, die Ihr etwa zur Hälfte mit Granulat auffüllt, mit Erde verschließen und anschließend ordentlich wässern.

Das Wasserspeicher-Granulat ist ein günstiger Bewässerungshelfer: 500 Gramm kosten rund vier Euro. Ein Esslöffel reicht für einen Liter Erde. So versorgt, können Pflanzen eine Woche ohne zusätzliches Gießen aushalten.

  • Wasserspeicher-Töpfe:


Diese "intelligenten Töpfe" verfügen über einen Speicher, aus dem sich die Pflanzen selbst versorgen. Der Umzug in einen solchen Topf sollte allerdings drei bis vier Wochen vor dem Urlaub erfolgen, damit die Pflanzen Zeit haben, um im neuen Zuhause richtig anzukommen und einzuwurzeln. Nach dem Einpflanzen wird noch direkt auf die Erde gegossen, später dann nur noch über den Speicher.

Ein großer Wasserspeicher-Topf kostet etwa 69 Euro. In einem solchen Topf bleiben die Pflanzen problemlos eine Woche alleine zu Hause.

  • Ton-Bewässerungs-Kegel:


Je nach Topfgröße werden mehrere davon in die Erde gesteckt. Sie funktionieren durch das Unterdruckprinzip. Das Wasser geht vom feuchten Tonkegel in die Erde, dort entsteht ein Unterdruck, der dafür sorgt, dass Feuchtigkeit aus dem Wasserreservoir nachgezogen wird.

Für einen mittelgroßen Topf reichen drei Bewässerungskegel aus, um ihn eine Woche lang mit Wasser zu versorgen (das Reservoir muss allerdings entsprechend groß sein). Ein Dreier-Set Ton-Bewässerungs-Kegel könnt Ihr ab 10 Euro kaufen.

  • Das Tropfsystem:


Das Tropfsystem ist eine Verfeinerung des bekannten "Flaschentricks". Die Flasche wird hierbei allerdings nicht direkt in die Erde gesteckt, sondern mit einem Aufsatz versehen, durch den das Wasser in den Blumentopf tropft. Der Tropfer ist auf den Wasserbedarf der Pflanze einstellbar. Er kostet circa drei Euro und ist geeignet für Töpfe mit einem Durchmesser bis 24 Zentimetern. Je nach Wasserbedarf (und Flaschengröße), versorgt der Tropfer die Pflanze eine Woche lang.

  • Der Bewässerungscomputer:


Er ist der Alleskönner unter den Bewässerungssystemen. Er übernimmt dort, wo ein Wasseranschluss vorhanden ist, die Gießbetreuung – im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon. Er ist batteriebetrieben, braucht also keine Steckdose und kann so eingestellt werden, dass die Pflanzen die jeweils optimale Menge an Wasser bekommen. Das Schlauchsystem mit Zuleitungsschläuchen zu jeder Pflanze ist einzeln regulierbar. Der Bewässerungscomputer ist im Handel ab 42 Euro erhältlich. Das Schlauchsystem kostet allerdings extra. Einstellbar sind Bewässerungszeit und Intervalle. So können Pflanzen dauerhaft versorgt werden.  

Nach der Urlaubszeit: Expertentipps von Garten-Checker Rainer Schecker

Pflanzen, die schon etwas angewelkt sind, können am besten durch ein Tauchbad wiederbelebt werden. Dafür die Pflanze samt Topf in einen Eimer mit Wasser versenken, sodass der Topf komplett von Wasser bedeckt ist. Die Pflanze so lange drin lassen, bis keine Blasen mehr aufsteigen. Dann abtropfen lassen.

Ist der Wassergehalt der Pflanzenzellen allerdings unter ein Mindestmaß gefallen, hilft auch ein Tauchbad nicht mehr und die Pflanze ist nicht mehr zu retten.

Dass ein Tropfen Spülmittel im Tauchwasser die Benetzbarkeit der Erde verbessert, stimmt sicher, dennoch rät unser Experte ab. Beim Tauchen wird auch schwer benetzbare Blumenerde vollständig durchfeuchtet und Spülmittel hat an Pflanzenwurzeln nichts zu suchen.

Fast häufiger als unter zu wenig Wasser, leiden Pflanzen unter zu viel davon. Die Auswirkungen sind tückisch: Die Feinwurzeln faulen, sterben ab und können kein Wasser mehr aufnehmen. Die Pflanze beginnt zu welken. Nun gießen besorgte Pflanzenfreunde noch mehr, was das Problem verschärft. Rettung verspricht Austopfen – verfaulte Wurzeln abkratzen und die Pflanze in neue Erde eintopfen. Dann angießen, aber auf keinen Fall düngen!

Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 21.06.2017, 05:40 Uhr

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