US-Präsident Donald Trump (l) hält eine Proklamation, in der er Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkennt, neben ihm steht Vizepräsident Mike Pence
Trump erkennt Jerusalem als Israels Hauptstadt an Bild © picture-alliance/dpa

Mit seiner Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, sorgt US-Präsident Donald Trump derzeit für Unruhe im Nahen Osten. Was bedeutet dieser Schritt für die Region?

Die Reaktion der Palästinenser auf die Ankündigung von US-Präsident Trump, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, ließ nicht lange auf sich warten. Hamas-Anführer Hanijeh rief in einer Rede zu Intifada auf. hr3 hat mit den ARD-Korrespondenten in den USA und in Tel Aviv über die Auswirkung von Trumps Entscheidung gesprochen.

Warum macht Trump das?

Audiobeitrag
Martina Buttler ist Korrespondentin in Washington

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Martina Buttler: ARD-Korrespondentin in Washington

Ende des Audiobeitrags

1995 hat der Kongress beschlossen, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, außer der Präsident halte das aus Gründen der nationalen Sicherheit für zu gefährlich. Alle sechs Monate wird seitdem eine Ausnahmeregelung unterschrieben - im Juni hat Trump diese übrigens auch noch unterzeichnet. Jetzt hat er sich gegen diese Ausnahmeregelung entschieden. Martina Buttler, US-Korrespondentin in Washington erklärt diesen Schritt so: „Das war eines von Trumps zentralen Wahlversprechen. Es freut seine Pro-Israelische Lobby in den USA, er macht Großspendern damit eine Freude und auch seine konservative Basis der Evangelikalen freuen sich darüber. Er sammelt damit Pluspunkte bei seinen Anhängern in den USA.“

Kalkuliert Trump den Konflikt mit ein?

Die Antwort von Martina Buttler ist ein klares „ja“! Gleichzeitig sei die Haltung des  Weißen Hauses auch diese: „In den letzten Jahrzehnten hat sich im Nahost-Konflikt nicht viel bewegt. Wir machen etwas anderes und können damit den Friedensprozess voranbringen“, erklärt die US-Korrespondentin. Mit dieser Meinung stehe die US-Regierung allerdings ziemlich alleine da. Viele Beobachter halten diese Entscheidung für fatal und die USA verspiele damit ihre Glaubwürdigkeit in der Region, so Martina Buttler.

Die US-Flagge weht an der amerikanischen Botschaft in Tel Aviv
Noch weht die US-Flagge an der amerikanischen Botschaft in Tel Aviv Bild © picture-alliance/dpa

Was sagen die Palästinenser zu diesem Argument?

Audiobeitrag
Tim Aßmann ist Korrespondent in Tel Aviv

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tim Assmann: ARD-Korrespondet in Tel Aviv

Ende des Audiobeitrags

Die Palästinenser glauben nicht daran, dass die Region mit diesem Schritt dem Frieden näher kommt, ganz im Gegenteil. „Die Palästinenser wollen weiterhin ihren eigenen Staat und Ost-Jerusalem – der arabische Teil der Stadt, den Israel besetzt und annektiert hat – zu ihrer Hauptstadt ernennen. Wenn Trump allerdings gesamt Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt, gehen die Palästinenser, vereinfach gesagt, leer aus, “ erklärt Tim Aßmann, Korrespondent im ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv. Sie würden sich dann aus dem Friedensprozess zurückziehen und Donald Trump nicht mehr als Vermittler anerkennen.

Könnte man die US-Botschaft einfach in den Westen der Stadt bauen?

Israel bezeichnet gesamt Jerusalem als ihre Hauptstadt. Für die Palästinenser würde sich nichts ändern, egal wohin man die Botschaft bauen würde, so der ARD-Korrespondent. „Das war bisher auch immer Konsens in der internationalen Staatengemeinschaft. Keine einzige Botschaft ist in Jerusalem, alle sind in Tel Aviv. Denn Botschaften sind dort, wo Hauptstädte sind und da Jerusalem nur aus israelischer Sicht Hauptstadt ist, sind die Botschaften dort nicht hingezogen - bis jetzt“ erklärt Tim Aßmann.

Wie gefährlich ist die aktuelle Situation?

„Jerusalem hat in der arabischen Welt immer Flächenbrand-Potential und Donald Trump könnte jetzt etwas sehr Gefährliches lostreten“, so Tim Aßmann. Aus Sicht des Nahost-Experten kommt Trump mit seinem Vorgehen einer Lösung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser auf keinen Fall näher.

Weitere Informationen

Warum ist der Jerusalem-Streit so heikel? Wichtige Fragen und Antworten findet Ihr auch bei den Kollegen auf tagesschau.de.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr3, "hr3 am Vorabend", 06.12.2017, 17:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
voting voting

Herz verschenken und
In-Ear-Kopfhörer MOVE PRO
von Teufel gewinnen

Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit