Roter Ordner mit der Aufschrift "Versicherungen"
Bild © picture-alliance/dpa

Im Dresdner Tatort am Sonntag hieß es, 60 Prozent der Berufsunfähigkeitsversicherungen in Deutschland würden nicht ausgezahlt. Was ist dran?

Im Tatort aus Dresden ging es am Sonntag um eine Versicherungsgesellschaft, die ihren Versicherten die Berufsunfähigkeitsrente nicht ausgezahlt hat. 60 Prozent der Berufsunfähigkeitsversicherungen in Deutschland würden nicht ausgezahlt, hieß es da. Was ist dran?

Unsere Recherchen haben ergeben: Diese Zahl stimmt tatsächlich. Aber wie kann ich sicherstellen, dass meine Versicherung zahlt? Und wer braucht überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert

Wer durch Krankheit oder Unfall lange Zeit nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, ist durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung finanziell abgesichert. In einem solchen Vertrag wird die Zahlung festgelegt, die im Fall der Fälle ausgeschüttet wird - idealerweise bis zum Renteneintritt von aktuell 67 Jahren.

Beate-Kathrin Bextermöller von der Stiftung Warentest rät: "Zuerst auf die guten Bedingungen achten, erst dann auf den Preis." Wichtig ist, dass eine ausreichende Rentenhöhe vereinbart wird und in den Bedingungen geregelt ist, dass die Rente bereits gezahlt wird, wenn der Betroffene seinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann.

Braucht jeder Arbeitnehmer eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

"Laut Deutscher Rentenversicherung scheidet statistisch gesehen jeder vierte Arbeitnehmer vorzeitig wegen Krankheit oder Unfall aus em Berufsleben aus", weiß Beate-Kathrin Bextermöller. "Wenn das so ist, gibt es nur eine sehr, sehr kleine staatliche Erwerbsminderungsrente - wenn man sie denn erhält", so die Expertin für Berufsunfähigkeitsversicherungen. Wer also nicht von sonstigen finanziellen Einkünften leben kann, steht vor einem großen Problem. In so einem Fall würde eine Berufsunfähigkeitsrente sich auszahlen.

Szenenbild Tatort Dresden "Auge um Auge"
Szenenbild aus dem Dresdner Tatort. Bild © MDR/Wiedemann & Berg/Gordon Muehle

"Der Schutz ist nicht ganz billig", gibt Bextermöller zu. Man müsse mit mehreren 100 Euro Jahresbeitrag rechnen. "Das liegt auch daran, dass der Versicherer unter Umständen 30 Jahre und länger eine bestimtme Rentenhöhung zu zahlen hat", erklärt die Expertin. Der Preis kann aber von Anbieter zu Anbieter variieren. Vergleichen zahlt sich also aus!

Je risikoreicher der Beruf ist, desto teurer ist die Absicherung. Auch risikoreiche Hobbies können den Preis nach oben treiben. Experten raten dazu, eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst in jungen Jahren abzuschließen. Da ist der Schutz in den meisten Fällen nämlich deutlich günstiger und die Kunden oft noch gesund. Versicherer können chronisch Kranke oder Menschen, die innerhalb der letzten fünf Jahre in psychologischer Behandlung waren, nämlich ablehnen.

Wie kann ich denn beim Abschluss sicherstellen, dass die Versicherung tatsächlich zahlt?

Die Stiftung Warentest rät dazu, als Versicherter "mitzuarbeiten". Wenn der Nachweis einer schweren Krankheit beispielsweise nicht ausreicht, um die Berufsunfähigkeit anzuerkennen, kann eine Tätigkeitsbeschreibung helfen: Hier wird ausformuliert, wieso der zuvor ausgeübte Beruf nicht mehr bewältigt werden kann.

Lehnt ein Versicherer es ab, die Berufsunfähigkeitsrente auszuzahlen, kann dagegen gerichtlich vorgegangen werden. In der Regel können die Kosten dafür von Eurem Rechtsschutz getragen werden. Die Chance, so einen Prozess zu gewinnen, liegt laut einen Rechtsgutachten von Finanztest bei 50:50.

Kann man seine Berufsunfähigkeitsversicherung nachjustieren?

Bei den meisten Versicherern kann die vertraglich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente nachtrgälich aufgestockt werden. Bei einem Vertragsabschluss sollte deshalb darauf geachtet werden, dass die sogenannte Nachversicherungsgarantie enthalten ist. Bei manchen Versicherern kann man allerdings nur bis zum 35. Geburtstag ohne Grund aufstocken, sonst müssen bestimmte Gründe vorliegen - zum Beispiel die Geburt von Kindern, ein Immobilienkauf oder eine hauptberufliche Selbstständigkeit.

In solchen Fällen erlauben die meisten Versicherer die Aufstockung bis zum Alter von 45 oder 50 Jahren. Danach erlischt das Recht auf Nachversicherung. Klar ist aber: Die Rentenerhöhung gibt es nur gegen einen höheren Jahresbeitrag. Meist wird dafür ein neuer Vertrag geschlossen.

Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 13.11.2017, 11:45 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
voting voting

Herz verschenken und
In-Ear-Kopfhörer MOVE PRO
von Teufel gewinnen

Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit