Einsturz des Kölner Stadtarchivs
Ein Trümmerfeld: Das Kölner Stadtarchiv stürzt in sich zusammen und reißt zwei Wohnhäuser mit. Bild © picture-alliance/dpa

Vor fast genau neun Jahren sackte das Kölner Stadtarchiv plötzlich in sich zusammen und riss benachbarte Wohnhäuser mit. Zwei Anwohner starben damals, viele verloren ihr Zuhause. Jetzt beginnt der Prozess in Köln.

Das Unglück

Einsturz des Kölner Stadtarchivs
Die Restauration der geretteten Dokumente wird noch viele Jahre dauern. Bild © picture-alliance/dpa

Am 3. März 2009 um 13:58 Uhr sackt das siebengeschossige Archivgebäude an der Severinstraße in Köln in sich zusammen und reißt zwei benachbarte Wohnhäuser mit. Dabei sterben zwei Anwohner. 36 Menschen verlieren ihre Wohnungen.

30 Regalkilometer eines der bedeutendsten kommunalen Archive Europas gehen in Trümmern und Grundwasser verschüttet. Rund 90 Prozent des Archivmaterials sind verloren, darunter Schriftstücke ab dem Jahr 922.

Der Gesamtschaden liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Die Restaurierung der geretteten Dokumente dauert noch mindestens 30 Jahre.

Die mögliche Ursache

Für den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn-Linie der Kölner Verkehrsbetriebe war unmittelbar vor dem Gebäude eine 25 Meter tiefe Baugrube ausgehoben. Aus dieser wurde ständig eindringendes Grundwasser gepumpt. Das abfließende Wasser trug den Boden unterhalb des Stadtarchivs ab. So entstand ein Hohlraum, in den das Gebäude dann absackte.

Verursacher sollen zwei Bauarbeiter sein, die einen Fehler beim Ausschachten gemacht haben. So sei eine "Erdplombe" entstanden, die sich plötzlich gelöst hat und so den Hohlraum unter dem Archiv erzeugte.

Der Prozess

Am Mittwoch beginnt nun der Strafprozess am Landgericht Köln - fast neun Jahre nach dem Einsturz.

Einsturz des Kölner Stadtarchivs
Hier stand bis vor neun Jahren das Stadtarchiv. Auch heute ist die Severinstraße in Köln nicht zur Normalität zurückgekehrt. Bild © picture-alliance/dpa

Dass der Prozess erst jetzt beginnt, liegt an der Unglücksstelle. Es sei äußerst schwierig gwesen, in der unter Wasser liegenden Unglücksstelle die Beweise zu sichern. 116 Verhandlungstage sind bis 2019 geplant.

Die Anklageschrift hat 196 Seiten. Während der Verhandlungen sollen „mehrere Dutzend Sachverständige“ gehört werden. Der Prozess sorgt für großes Aufsehen - rund 40 Medien haben sich angemeldet.

Die Angeklagten

Aber die Zeit drängt: Bis 2. März 2019 sollte der Prozess abgeschlossen sein, denn nach zehn Jahren verjähren die angeklagten Taten „Fahrlässige Tötung“ und „Baugefährdung“.

Insgesamt wurden sieben Personen angeklagt. Ein Polier und ein Baggerführer werden beschuldigt, beim Bau gepfuscht und so den Einsturz verursacht zu haben. Außerdem sind noch Verantwortliche der Baufirmen sowie der Kölner Verkehrs-Betriebe angeklagt. Sie sollen den Pfusch nicht verhindert oder ausgeglichen haben. Auf der Anklagebank werden aber nur fünf Personen sitzen. Ein Angeklagter ist mittlerweile verstorben, ein anderer zu krank für eine Verhandlung.

Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 17.01.2018, 05:00 Uhr

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