Stellt Euch vor, wie es ist, mit bloßen Händen richtig tief in einen Ameisenhaufen zu fassen… Das kribbelt ja schon beim Drüber-Nachdenken! Christina Grätz hat da keine Hemmungen. Die Biologin aus der Nieder-Lausitz ist zertifizierte Ameisenhegerin und siedelt Ameisennester - so heißen die "Haufen" nämlich richtig – um.

Die Schützlinge von Christina Grätz sind die Roten Waldameisen. Die sind größer und auch röter als die kleinen Gesellen, die wir manchmal im Garten haben, oder, wenn es blöd läuft, in der Küche.

Die Roten Waldameisen stehen unter besonderem Schutz, und weil es öfter vorkommt, dass eines ihrer Nester dort liegt, wo demnächst eine Straße, ein Industriepark, Neubaugebiet oder Tagebau hin soll, werden die Nester von sogenannten "Ameisenumsiedlern" umgezogen.

Wie sich Ameisen umsiedeln lassen

Christina Grätz ist eine davon - und hat in ihrer Umsiedlerinnenkarriere bisher etwa 1.500 Nester mit Sack und Pack, also mit Puppen und Königin, umgezogen. Praktisch funktioniert das so: Ameisennest vorsichtig Schicht für Schicht abtragen, mit bloßen Händen in nummerierte Tüten packen, den Stubben, das Herzstück des Nestes, freilegen – meist ist das ein Baumstumpf, Ameisenkönigin in ein Glas bugsieren. Alles zum neuen Standort fahren, Stubben platzieren und das eingepackte Ameisen-Sand-Tannennadel-Gemisch vorsichtig um den verpflanzten Nestkern ausbreiten. Eine Ameise absichtlich zerdrücken oder zertreten? "Kann ich nicht," sagt Christina Grätz. Nicht mal die Tiere, die sie unabsichtlich von einer Umsiedlung mit nachhause bringt, kann sie töten. "Obwohl ich weiß, dass sie alleine keine Chance haben," erzählt sie bei Bärbel Schäfer im hr3-Sonntagstalk.

Ameisen helfen beim Umzug mit

Das ist das Faszinierendste an den kleinen Tierchen: Dass sie gemeinsam einen perfekten Organismus bilden. Jeder erfüllt seine Aufgabe, alle stehen füreinander ein. Eine Geschichte geht Christina Grätz dabei nicht mehr aus dem Kopf: Als sie nach einer Umsiedlung zurückkam, um die verbliebenen Ameisen an den neuen Standort nachzuholen, sah sie, dass die Ameisenaußendienstlerinnen schon damit begonnen hatten: Kleine Außendienstlerinnen trugen ihre zurückgelassenen Innendienst-Schwestern aus dem vom alten Nest zum neuen - 700 Meter weit, über mehrere Tage. 700 Meter sind für Ameisen eine beachtliche Distanz. Auf diesem Weg hatten wieder andere kleine Verpflegungsstationen zum Essen und Ausruhen für die Trägerinnen eingerichtet. Ein Zusammenhalt, der Christina Grätz sehr gerührt hat.

Nützliche Tipps von Christina Grätz bei einer Ameisenplage

Wenn Ihr eine Ameisenstraße in Eurer Wohnung findet, hat die Ameisenhegerin einen umweltfreundlichen Tipp: Stark riechende Substanzen wie Zimt oder auch Nelkenöl können Ameisen nicht leiden. Einfach einen Wattebausch mit Nelkenöl tränken und an der Stelle deponieren, an der die Krabbelgruppe ins Haus gelangt. Das vertreibt sie.

Stört Euch ein Nest im Garten, stehen die Chancen eher schlecht. Sie lassen sich durch Nelkenöl dann vielleicht vertreiben. "Aber wenn der Standort passt, werden sie spätestens im darauffolgenden Jahr wieder da sein", sagt Christina Grätz. Das gilt übrigens auch, wenn man sie mit Gift bekämpft.

Ein Nest neben dem Sandkasten oder der Wippe der Kinder lässt sich aber vielleicht nicht so einfach tolerieren, dann lohnt sich der Kontakt zu einem ehrenamtlichen Ameisenheger. Euren richtigen Ansprechpartner findet ihr auf https://www.ameisenschutzwarte.de/

Vom Hausmittel Backpulver rät Christina Grätz dringend ab – das Pulver bläht die Tiere auf und sie platzen – eine sehr qualvolle Art, sie zu töten.

Weitere Informationen

Die fabelhafte Welt der Ameisen

von Christina Grätz und Manuela Kupfer
ISBN 978-3-579-08728-3
288 Seiten: 20 Euro

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