Am Sonntag ist Muttertag – in ganz Hessen wird gebastelt und Mama kriegt besonders schön den Frühstückstisch gedeckt. Kerstin Held wird von ihren vier Kindern ziemlich sicher nix Selbstgebasteltes kriegen – und den Tisch wird sie auch selbst decken. Sie ist Pflegemama unter besonderen Bedingungen: Jedes ihrer Pflegekinder hat schwere Behinderungen – Cora, Richard, Erik und Jonathan brauchen rund um die Uhr Betreuung – von ihrer Pflegemama Kerstin Held oder ihrem "Heldenteam".

Und doch hat sie sich genau dieses Leben ausgesucht. Die Kinder schenken ihr eine tiefe Zufriedenheit, erzählt die gelernte Ergotherapeutin bei Bärbel Schäfer im hr3 Sonntagstalk. Kerstin Held ist mit der Selbstverständlichkeit von Behinderung und Pflegebedürftigkeit aufgewachsen. Ihre Schwester saß wegen der Diagnose Muskelschwund jahrelang im Rollstuhl. Über ihren Alltag und ihre persönliche Geschichte hat sie ein Buch geschrieben: "Mama Held – Jedes Kind hat ein recht".

Ein kommunaler Flickenteppich

Als 16-Jährige hat Kerstin Held während ihres Freiwilligen Sozialen Jahrs den schwerbehinderten Sascha kennengelernt, der war damals fünf. Zehn Jahre später holte sie ihn als ihr erstes Pflegekind zu sich nach Hause. Das war damals noch eine rechtliche Grauzone. Denn Kinder mit Behinderung sind, leider bis heute, meistens in Heimen untergebracht, wenn sie fremdbetreut werden, obwohl es ihnen in einem Familienverbund meistens besser geht.

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Mama Held: Jedes Kind hat ein Recht

Autorin: Kerstin Held
erschienen im Kösel-Verlag
Hardcover: 240 Seiten, 20 Euro
ISBN: 978-3-466-37260-7

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Die Vorgehensweise in den verschiedenen Kommunen mit behinderten Pflegekindern ist bis heute so unterschiedlich, dass es nicht einmal gesicherte Zahlen darüber gibt, wie viele behinderte Kinder in Deutschland insgesamt in Pflegefamilien leben, berichtet Held.

"In den Ämtern wird immer noch nach IQ sortiert"

Heute ist es mit der rechtlichen Lage und den Zuständigkeiten in den Behörden nicht viel besser als damals vor 20 Jahren. "In den Ämtern wird immer noch nach IQ sortiert", sagt sie im hr3 Sonntagstalk. Wer bei 70 IQ-Punkten liegt oder darunter, gilt als geistig behindert, fällt nicht in die Zuständigkeit des Jugendamtes, sondern des Sozialamtes – und das zahlt keine Maßnahmen zur Förderung und Erziehung. Eine Katastrophe für die Kinder.

Ein Kind, das nur "Corajanisch"spricht

Held kämpft als Vorsitzende des Bundesverbands behinderter Pflegekinder für die Eingliederung der Pflegefamilien Behinderter in die Jugendhilfe. Es ist ein mühsamer Kampf, von dem sie im hr3 Sonntagstalk erzählt. Aber sie berichtet auch von den schönen Momenten mit ihren Kids – von Cora, die wegen ihres Autismus und dem Fetalen Alkoholsyndrom (FES) nur "Corajanisch" spricht.

Von ausgelassenen Ausflügen ans Meer (zumindest vor Corona) – und dem seltsamen Gefühl, wenn permanent jemand im Haus ist, der nicht zur Familie gehört. Da werden dann halt abends auf der Couch die Chips mit den Jungs vom Pflegedienst geteilt.

Kerstin Held – eine ganz besondere Mama am Muttertag im hr3-Sonntagstalk!

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