Kind schläft auf Kissen
So fühlen sich im Moment viele Bild © Imago Images

Der Herbst ist da - und auf einmal sind alle müde. Woran liegt das? Wir haben Schlafmediziner Werner Cassel gefragt. Und er hat auch einen Tipp, wie man wieder wach wird...

Warum sind wir im Herbst so müde?

Man kann es im Grunde auf einen Satz herunter brechen und der lautet: Wir sind zu wenig draußen. Die Langfassung der Antwort sieht so aus: Wenn nach dem Sommer das Wetter schlechter wird, verbringen wir weniger Zeit im Freien. Dadurch produziert der Körper weniger Serotonin (unser "Glückshormon"). Sinkt der Serotonin-Spiegel im Körper, steigt der Melatonin-Spiegel (das "Schlafhormon") und unsere innere Uhr stellt sich nicht mehr richtig auf "Tag" ein. Man könnte also sagen, dass wir nicht mehr richtig ticken.

Da dieser Sommer ziemlich extrem war, sind auch die "Entzugserscheinungen", also die Müdigkeit, deutlich intensiver als nach einem nicht ganz so intensiven Sommer: Es war sehr lange sehr warm und wir waren alle viel im Freien. Dass wir jetzt wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, macht unserem Körper zu schaffen.

Wie viel Licht brauch der Mensch?

Bei Herbstmüdigkeit hilft auch kein Kaffee mehr
Bei Herbstmüdigkeit hilft auch kein Kaffee mehr Bild © Imago Images

Licht wird in Lux gemessen und damit unser Körper im Gleichgewicht ist, brauchen wir über den Tag verteilt immer wieder etwa 2.000 Lux. Ein Lux entspricht etwa der Helligkeit einer Kerze in einem schwarzen Raum auf einen Meter Entfernung. Ein durchschnittlicher Arbeitsplatz hat 200 bis 600 Lux und selbst bei schlechtem Wetter bekommen wir im Freien noch rund 5.000 Lux ab. Bei gutem Wetter sind es im Schatten 10.000 bis 30.000 Lux, in der Sonne sogar beeindruckende 100.000 Lux. Verbringen wir nach lauter 100.000-Lux-Tagen jetzt also viel Zeit in 200 bis 600 Lux Räumen, ist das für unseren Körper eine ganz schöne Umstellung.

Wie werde ich die Müdigkeit wieder los?

An diesem Punkt sind wieder am Anfang dieses Artikels: Wer etwas gegen seine Müdigkeit tun will, sollte mehr an die frische Luft gehen. Alle 90 Minuten eine "Raucherpause" einlegen ist auch für Nichtraucher sinnvoll: Einfach ein paar Minuten raus gehen, auch bei schlechtem Wetter. Das hilft!

Was nicht hilft: Walnüsse, verschiedene Pilze und eiweißhaltige Lebensmittel. Die enthalten zwar auch Serotonin, aber auf dem Nahrungsweg gelangt es nicht in unser Gehirn. Damit das Serotonin unsere Stimmung aufhellen kann, muss unser Körper es selbst produzieren - und dabei hilft Licht!

Sendung: hr3, "hr3 Morningshow", 10.09.2018, 7 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit