Homosexuelle Pflegeeltern Papapis
Kevin (Mitte) und Rene (rechts) begeistern Zehntausende mit ihrer außergewöhnlichen Familie. Bild © Yaw Awuku (hr3)

Kevin und Rene sind Papi und Papa für einen siebenjährigen Jungen und ein 15 Monate altes Mädchen. In der hr3 Morningshow lösen sie spontane Schockliebe aus. Im Interview mit Tanja und Tobi reden die Väter über Liebe, Rückschläge und ihre Motivation, zwei Pflegekindern eine Familie zu sein.

Als homosexuelles Ehepaar sind Kevin und Rene erzkonservativen Gegenwind gewohnt. Sie halten dagegen: mit Offenheit, Herzlichlichkeit und klaren Worten. Das jüngste Familienmitglied macht es gleich vor und und marschiert mit einem vernarrten Tobi im Schlepptau auf das Studio-Klavier zu. Auf Instagram und auf papapi.de zeigen die Väter ihren mehr als 40.000 Fans, wie natürlich sich eine so ungewöhnliche Familie anfühlen kann. Ihren unverfälschten Charme lassen die Südhessen auch uns spüren.

Pflegeltern müssen wirklich wollen

Papapi Rene und Tobi am Klavier
Tobi ist ganz vernarrt in die Papapi-Tochter und spielt ihr etwas auf dem Klavier vor. Bild © hr3

Viele der Dramen, die vor allem Kevin auf seinem Blog behandelt, spielen sich ebenso in Familien mit Mama und Papa ab – wie zum Beispiel der Kampf beim Zähneputzen eines Grundschülers. Mit anderen Problemen haben ganz speziell Pflegefamilien zu kämpfen: "Häufig haben diese Kinder eine Bindungsstörung", erklärt Kevin in der hr3 Morningshow. Auf seinem Blog schreibt er über den Tag, an dem die leibliche Mutter seines Sohnes ein lang ersehntes Treffen absagte. Da gelte es trotz allem "mit einem positiven Gefühl den leiblichen Eltern gegenüber eine tragbare und wohltuende Atmosphäre zu schaffen. Für unsere Kinder."

Das muss man schon wirklich wollen. "Wir haben uns ganz extrem mit dem Thema auseinandergesetzt", erklärt Kevin. In ihren Augen fällten sie die Entscheidung zum Kind daher sehr viel bewusster als die meisten Paare. "Das ist noch mal etwas anderes, als wenn man eben mal die Pille absetzt oder sagt: 'Wir versuchen es mal'."

Herkunftsfamilie macht Rückzieher

Audiobeitrag
Tanja zusammen mit Kevin und seiner Pflegetochter

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Papapis: Zwei Väter sind doppelt cool

Ende des Audiobeitrags

Während die Papapis Tanja und Tobi ihre Geschichte erzählen, brabbelt ihre kleine Tochter fröhlich dazwischen. Bevor sie die Kleine in der Familie begrüßen durften, mussten sie eine langwierige Tortur durchstehen. Wie üblich mussten sie vor den Behörden die Hosen runterlassen: "Es gibt Seminare, man muss die Finanzen offen legen, es gibt einen Hausbesuch", erklärt Rene. Zunächst sollten sie eigentlich einen zweiten Jungen bekommen, aber die Herkunftsfamilie machte kurz vor dem Ziel einen Rückzieher. Sie wollten ihr Kind doch nicht in die Obhut eines schwulen Paares geben.

Für Kevin, Rene und ihren älteren Sohn war das ein herber Rückschlag. Sie hatten sich Hals über Kopf in den Jungen verliebt. So sehr, dass sie echte Trauerarbeit leisten mussten, um die Absage zu verarbeiten. Sie wendeten sich an ein anderes Jugendamt und ihre Geduld wurde erneut auf eine harte Probe gestellt.

Papapis bekommen öfter Besuch vom Jugendamt

Papapis Rene und Kevin und ihr Sohn
Kevin, Rene und ihr siebenjähriger Pflegesohn mussten Einiges aushalten, bevor der Nachwuchs anrückte. Bild © papapi.de

Während andere Paare nur einen Hausbesuch aushalten mussten, kam das Jugendamt bei den Papapis dreimal zur Visite. "Wir waren schon fast an dem Punkt, dass wir uns sagten, wenn die noch einmal fragen, lassen wir es. Wir waren beide sehr genervt", gesteht Kevin im Gespräch mit Tanja und Tobi. In dem Moment, als sie der Jugendamt-Mitarbeiterin die Pistole auf die Brust setzten, rückte diese mit der guten Nachricht raus: "Wir haben da jemanden für sie."

"Dann war sie auf einmal da, die kleine Maus, und ist eingeschlagen wie eine Granate! Sie stellt unseren Männerhaushalt komplett auf den Kopf", sagt Rene mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Dann muss er die Finger der Kleinen wieder vom Studio-Mikrophon trennen. Tanja und Tobi können die herzerweichende Wirkung des Mädchens nur zu gut verstehen.

Nur ein bisschen Angst vor der Rückführung

Zitat
„Die Kinder haben es einfach verdient, ein liebevolles Zuhause zu haben.“
Zitat Ende

Die beiden Väter und der 15-monatige Wirbelwind strahlen tiefgehende Zufriedenheit aus. Dennoch schwebt immer ein Schatten über dem Familienglück, wie Tobi richtig vermutet. "Die grausame Wahrheit ist: Pflegekinder können wieder in ihre Herkunftsfamilien zurückgeführt werden", erklärt ihm Rene. Das kann verschiedene Ursachen haben. Vielleicht sucht das Kind als Teenager selbst den Kontakt zu seiner leiblichen Familie. Oder die Herkunftsfamilie ist zu einem späteren Zeitpunkt so weit gefestigt, dass sie die Erziehung wieder übernehmen kann. Auch das müssen die Pflegeeltern aushalten.

"Natürlich hat man Angst davor, die Kinder zu verlieren", führt Rene weiter aus. Aber mit den Jahren lerne man, damit umzugehen. Schließlich denken andere Eltern auch nicht jeden Tag panisch daran, dass ihre Kinder in einen Verkehrsunfall geraten könnten. Außerdem sei die Rückführungsquote von Pfelgekindern mit rund fünf Prozent recht gering, meint Kevin.  

Trotz aller Schwierigkeiten wirken weder Kevin oder Rene noch ihre kleine Tochter im geringsten bekümmert. Ganz im Gegenteil zeigen sie, dass gerade eine Regenbogenfamilie ein Zuhause sein kann, auf das andere Kinder neidisch sind. Denn zwei Papas müssen das Familienglück nicht nur sehr viel bewusster verfolgen, sondern sind auch schon ganz schön cool. "Die Kinder haben es einfach verdient, ein liebevolles Zuhause zu haben", bringt es Rene ganz bescheiden auf den Punkt.

Die Papapis in der hr3 Morningshow
Bild © Yaw Awuku (hr3)

Sendung: hr3, "hr3 Morningshow", 25.03.2019, 05:00 Uhr

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