Restaurant
Reservierungen, die nicht wahrgenommen, aber auch nicht abgesagt werden – diese sogenannten "No Shows" sind für Gastronomen existenzgefährdend. Bild © Imago Images

Wahrscheinlich ist es uns allen schon mal passiert: Man verabredet sich, reserviert einen Tisch in einem Restaurant – und dann kommt etwas dazwischen und man lässt den Tisch verfallen. Was für uns ganz nebenbei passiert, ist für Gastronomen immer häufiger existenzgefährdend. Deswegen wird nun über eine Stornierungsgebühr diskutiert. Was haltet Ihr davon? Stimmt ab in unserem Voting!

Die sogenannten "No Shows" – also dass man Reservierungen nicht absagt, sondern einfach nicht auftaucht – bedeuten für die Restaurants hohe finanzielle Einbußen, die sie irgendwann nicht mehr stemmen können. Die Initiative Gastronomie Frankfurt e.V., in der sich Gastronomen aus Frankfurt und Offenbach organisieren, macht sich deshalb stark für die Einführung einer Stornierungsgebühr. In anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien und USA ist die längst Usus. Teilweise setzen auch deutsche Restaurants in der Sterne-Gastronomie darauf: Wer reservieren möchte, muss seine Kreditkartennummer hinterlassen. Wird die Reservierung nicht wahrgenommen, ohne die Plätze abzusagen, wird eine Stornogebühr abgebucht.

Nach internationalem Vorbild

5 Vertreter der Initiative Gastronomie Frankfurt e.V.
Das sind die fünf Vertreter der Initiative Gastronomie Frankfurt e.V., die die Stornierungsgebühr auf den Weg bringen wollen (von links nach rechts): Madjid Djamegari, Gunnar Ohlenschläger, Caroline Vater, James Ardinast, Özcan Kara. Bild © Sarah-Lisa Angress (hr3)

"Ich habe es überall auf der Welt erlebt, dass nicht wahrgenommene Reservierungen Stornierungsgebühr kosten. Für mich ist es selbstverständlich, dass man absagt – und dass man zahlt, wenn man es nicht tut", sagt Caroline Vater. Die Inhaberin der "Chinaski Tagesbar" in Frankfurt kennt das Problem mit "No Shows" und ist eine der in der Initiative organisierten Gastronomen aus Frankfurt und Offenbach, die eine Stornogebühr einführen wollen. Im hr3 Interview erklärt sie: "Wir sind ein kleines Restaurant und haben nur 24 Plätze. Jetzt am Wochenende kam es sogar zweimal vor, dass Gruppen von acht Leuten reserviert hatten und dann nicht kamen. Das ist natürlich ärgerlich."

Auch Özcan Kara betreibt verschiedene Restaurants in Frankfurt, darunter das "Mola" und die "Zou Zou Bar", und hat mit No Shows zu kämpfen: "Unter der Woche gibt es häufiger 'No Shows' als am Wochenende. Aber auch da haben wir das Problem. Wenn für den Brunch ein Tisch für 15 Personen reserviert wird und die Gäste einfach nicht kommen und nicht absagen, dann sind das finanzielle Einbußen von 300-400 Euro. In einem Restaurant mit nur 35 Plätzen ist das schwer wieder reinzuholen." Das Problem: Die Betriebe bereiten sich auf Reservierungen vor. Sie halten entsprechend Personal und Lebensmittel vor und lehnen gegebenenfalls weitere Reservierungsanfragen und Laufkundschaft ab. Die reservierten Plätze können sie oftmals nicht nachbesetzen.

Was denkt Ihr?

Wir haben Euch nach Eurer Meinung gefragt. Bei unserer Umfrage war das Stimmungsbild geteilt: Einige verstehen den Weg, den die Gastronomen einschlagen wollen. Andere wiederum fühlen sich in ihrer Spontaneität eingeschränkt. Wie geht es Euch? Stimmt ab!

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No show – no money

Eine Reservierung in einem Restaurant nicht abzusagen, sei vergleichbar damit, zu einer Essens-Einladung bei Freunden nicht aufzutauchen, findet Karan. Den Restaurant-Betreibern, die sich für eine Stornogebühr stark machen, gehe es deshalb darum, ihre Kundschaft zu sensibilisieren. "Es kann ja passieren, dass etwas dazwischen kommt. Es geht uns nur darum, dass sie absagen", so der Gastronom.

Madjid Djamegari musste am eigenen Leib erfahren, wie bitter die "No Shows" sein können: Er ist Vorsitzender der Initiative Gastronomomie Frankfurt e.V. und führt das "Gibson". Bis vor einigen Jahren gehörte ihm auch das berühmte Frankfurter "King Kameha". "Das Restaurant hatte 40 Plätze, teilweise sind 30 Personen nicht gekommen. Das waren mehrere Tausend Euro Verlust am Abend." Das konnte er über kurz oder lang nicht auffangen.

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Leere Tische im Restaurant: der Albtraum eines Gastronoms. Bild © Pexels License

Das kennt auch Gunnar Ohlenschläger aus Offenbach. In seinem Schiffsrestaurant "Backschaft" setzt er auf gehobene, regionale Bio-Küche. "Wir haben nur 36 Sitzplätze und müssen Tische eigentlich mehrfach besetzen." Das hat er zuletzt nicht mehr geschafft – und das, obwohl die "Backschaft" an den Wochenenden in der Regel zwei bis drei Monate im Voraus ausgebucht war. Ohlenschläger erklärt: "Wir haben teilweise 20 Anrufer am Tag, die reservieren wollen, können ihnen aber keinen Tisch anbieten, weil wir ausgebucht sind. Und dann kommen diese Leute nicht." Am Ende eines solchen Wochenendes steht nicht selten ein Verlust von 1.500 Euro.

Die Gastronomen wollen sensibilisieren

James Ardinast führt unter anderem das "Maxie Eisen" und das "BarShuka" im Frankfurter Bahnhofsviertel und stellt klar: "Viele glauben, dass wir dadurch zusätzlichen Umsatz generieren wollen. Das passiert aber nicht, denn die Sitzplätze bleiben ja leer und selbst wenn wir 40 Euro nehmen würden, würde das nicht den Umsatzausfall ersetzen." Es gehe vielmehr darum, auf das Problem aufmerksam zu machen und einen Ansporn zu schaffen, Reservierungen abzusagen. "Wir können es uns nicht erlauben, dass Tische frei bleiben. Wenn wir unsere Restaurants nicht mindestens zu 100 Prozent belegen, dann schreiben wir keine schwarzen Zahlen. Und wenn wir in ein paar Jahren in dieser Stadt noch Individualgastronomen haben wollen, dann muss man diesen Weg gehen", sagt er.

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Gastronome freuen sich für gewöhnlich über große Gruppen – sofern sie ihre Reservierung auch wahrnehmen. Bild © Helena Lopes on Pexels

Ein großes Problem sieht er bei Business- und Messekunden in der Stadt, erläutert der Gastronom: "Wir hatten schon mal eine Reservierung von einer großen Bank mit 15 Mann für 21 Uhr. Als um 22:30 Uhr immer noch niemand da war, haben wir angerufen und sie meinten, es sei etwas dazwischen gekommen. Als wir gefragt haben, warum sie nicht abgesagt haben, meinten sie: 'Na, bei euch läuft's doch, ihr belegt die Tische doch eh.' Jetzt ist es aber nicht so, dass wir in Deutschland um diese Uhrzeit noch einen Tisch für 15 Mann belegen und sind auf den Kosten sitzengeblieben."

Auch "Gibson"-Betreiber Djamegari kennt das Problem: "Das Frankfurter Publikum ist eigentlich sehr fair und loyal, aber wir haben viel Messen- und Business-Publikum, sodass teilweise Sekretärinnen in drei Restaurants gleichzeitig reservieren. Und wir stehen dann da mit der bereitgestellten Ware und können die Plätze nicht füllen." Die Stornogebühr soll deshalb auch nur für größere Gruppen gelten.

Noch ist nichts entschieden

Die Stornogebühr soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Über die Eckdaten diskutieren die knapp 70 Gastronomen der Initiative Frankfurter Gastronomie e.V. aktuell aber noch: Gilt sie ab vier Personen oder erst ab acht? Wie viel Geld wird für eine nicht abgesagte Reservierung fällig? Und wie wird diese Gebühr abgewickelt? Orientiert man sich am internationalen Beispiel und setzt auf die Kreditkarte? Fest steht allerdings schon jetzt: Es geht um höchstens 20 Euro Stornierungsgebühr. Wer kurzfristig absagt – zum Beispiel nur eine Stunde vorher – muss allerdings nichts zahlen.

Eines wollen die Gastronomen noch deutlich machen: Reservierungen seien ein Service, den sie anbieten. "Wer die Verpflichtung und damit das Risiko einer Stornierungsgebühr nicht eingehen möchte, kann auch immer noch spontan vorbeikommen und wird platziert, wenn es passt", so "Maxie Eisen"-Chef Ardinast.

Sendung: hr3, "hr3 am Nachmittag", 21.03.2019, 13:30 Uhr

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