Seitdem es auch in Hessen Fälle des neuartigen Virus gibt, wächst die Unsicherheit: Wie gefährlich ist das Virus? Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen? Sollten wir uns Lebensmittel-Vorräte anschaffen? Dr. Kaschlin Butt, Leiterin des Gesundheitsamtes in Wiesbaden, hat eine Stunde lang Eure Fragen beantwortet. Die wichtigsten Erkenntnisse fassen wir hier zusammen.

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zum Video Dr. Kaschlin Butt beantwortet Eure Fragen zum Coronavirus

Corona FAQ mit Dr. Kaschlin Butt
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  1. Desinfektionsmittel bringen keine absolute Sicherheit. Gründliches Händewaschen ist wichtiger. Es geht dabei um die Mechanik, die hilft, die Viren von den Händen abzuspülen. Man sollte die Hände befeuchten, mit Seife einreiben und gründlich waschen. Dabei ist es entscheidend, die Hände eine ganze Zeit abzuspülen.
  2. Die Grippeimpfung hilft nicht gegen Corona, sondern nur gegen die Grippe. Gegen die Grippeerkrankung wirkt die Imfpung auch nicht immer zu 100 Prozent, sie sorgt aber dafür, dass die Infektion einen milderen Verlauf nimmt.
  3. Ihr seid nicht in der Meldepflicht, wenn Ihr bei einem Bekannten Corona vermutet. Ihr könnt höchstens Überzeugungsarbeit leisten, dass er sich mit seinem Hausarzt in Verbindung setzt oder über die Hotline des Gesundheitsamtes informiert unter der Rufnummer 0611 / 31-8080 (täglich von 6 bis 22 Uhr).
  4. Es gibt keinen Grund, geplante Reisen abzusagen. "Wir gehen davon aus, dass sich das Virus hier und auch anderswo verbreiten wird. Von daher gibt es für mich keinen Grund, nicht zu fahren", sagt Dr. Butt. Wer unsicher ist, kann sich beim Robert-Koch-Institut über die Lage im Urlaubsort informieren.
  5. Wer sich einmal mit dem Coronavirus infiziert hat, erkrankt kein zweites Mal daran. Zumindest ist das der aktuelle Stand der Forschung. Der Körper bildet Antikörper und ist dann immun.
  6. Es ist aktuell nicht nötig, Lebensmittel auf Vorrat anzuschaffen. Dr. Kaschlin Butt sagt dazu: "Wir sind nicht China, wir würden hier nicht alles abriegeln." Sie rät stattdessen, das Immunsystem mit gesunder Ernährung und frischen, vitaminhaltigen Lebensmitteln zu stärken. Falls in Quarantäne versetzte Personen nicht auf Nachbarschaftshilfe vertrauen können, kommt das Gesundheitsamt zur Hilfe, um die Versorgung sicherzustellen. Polizei und Feuerwehr greifen im Katastrophenfall ein – also wenn ganze Landkreise abgeriegelt werden müssten.
  7. Haustiere sind bislang nicht als Überträger bekannt. Auch von einer Infektion eines Haustieres wisse man laut Dr. Butt nichts.
  8. Die Infektion mit Corona nimmt nur dann einen schwereren Verlauf, wenn Organe vorgeschädigt sind. Das kann zum Beispiel duch Lungenerkrankungen wie schweres Asthma auftreten. Auch Raucher haben laut Dr. Butt eine vorgeschädigte Lunge. Mit Eurem Hausarzt könnt Ihr Maßnahmen besprechen. Das Alter allein ist kein Indiz dafür, schwer zu erkranken: "Ein gesunder, fitter Mensch mit 60 Jahren hat genauso wenig zu erwarten wie ein gesunder Mensch mit 30 Jahren", so Dr. Butt.
  9. Wärmeres Wetter kann helfen, das Virus loszuwerden. Bei kalten Temperaturen überlebt ein Virus länger als bei Wärme.
  10. Wer nicht arbeiten gehen kann, weil er in Quarantäne versetzt wird, muss sich keine Sorgen ums Geld machen. In diesem Fall greift rechtlich gesehen ein Berufsverbot. Die Kosten dafür trägt der Staat, nicht die Krankenkasse.
Weitere Informationen

Zur Person

Kaschlin Butt ist Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen. Sie promovierte in der Kinder- und Jugendpsychatrie. Seit Mai 2016 leitet sie das Gesundheitsamt in Wiesbaden.

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Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 02.03.2020, 09:40 Uhr

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