5G: Was bringt das neue Mobilfunk-Netz?
Mit mehreren Auflagen will die Bundesnetzagentur die Mobilfunkanbieter zu schnellem Handeln verpflichten. Bild © picture-alliance/dpa

Alle reden über 5G – den neuen superschnellen Mobilfunkstandard. Schnellere Downloads, stabilere Videostreams und vernetztes Autofahren sollen damit möglich sein. Aber gerade auf dem Land haben viele Menschen nicht mal ein ausreichendes Handynetz zum Telefonieren. Auch bei uns in Hessen. Wird durch 5G alles besser?

Übersicht

Was ist 5G?

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5G: Der neue superschnelle Mobilfunkstandard soll schnellere Downloads, stabilere Videostreams und vernetztes Autofahren versprechen. Bild © Unsplash.com

Wie der Name schon vermuten lässt, ist 5G der Mobilfunkstandard der fünften Generation. Er ist deutlich schneller als der aktuelle Standard 4G (LTE). Außerdem wird die Reaktionszeit des Netzes (die sogenannte Latenz) stark verbessert. Das freut die Industrie, die in 5G das Rückgrat ihrer Zukunftstechnologien sieht, Stichwort: "vernetzte Roboter" oder "autonomes Fahren".

Für den privaten Gebrauch ist das bisherige 4G-Netz längst nicht ausgereizt. In den allermeisten Fällen surfen wir nicht annähernd mit den Geschwindigkeiten, die möglich sind. Das liegt vor allem am schlechten Netzausbau in Deutschland. Mit welchem Tempo Ihr auf dem Smartphone surft, könnt Ihr mithilfe kostenloser Apps herausfinden.

Wann kommt 5G?

Voraussichtlich ab 2020. Vier Mobilfunkunternehmen bieten seit dem 19. März in einer Auktion um die 5G-Frequenzen: die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica/O2 und 1&1/Drillisch. Es wird damit gerechnet, dass sich die Versteigerung über mehrere Wochen zieht.

Mit dem Ersteigern der Frequenzen sind Auflagen verbunden, die bisherigen Netze auszubauen. Hier könnte für viele Kunden der große Vorteil liegen.

Gefährdet 5G die Gesundheit?

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Einige fragen sich, ob durch die Mobilfunkstrahlung ein Gesundheitsrisiko besteht. Bild © Unsplash.com

Bisher wurden noch keine gesundheitsschädlichen Wirkungen wie zum Beispiel ein erhöhtes Krebsrisiko durch Mobilfunkstrahlung nachgewiesen. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) lassen sich die Erkenntnisse über frühere Mobilfunkgenerationen weitestgehend auf 5G übertragen: Solange die Grenzwerte eingehalten werden, besteht keine Gesundheitsgefahr. Allerdings nutze der neue 5G-Standard mittelfristig auch höhere Frequenzen, gab die BFS-Präsidentin Inge Paulini zu bedenken. "Hier haben wir noch wenige Erkenntnisse und werden mittelfristig weitere Forschung betreiben", kündigte die Wissenschaftlerin an. 

Wie nah ist zu gefährlich?

Da stellt sich natürlich die Frage nach den Sicherheitsabständen – insbesondere, wenn in der direkten Nachbarschaft der Bau eines neuen Funkmastes geplant ist. Die Sicherheitsabstände hängen aber grundsätzlich von der Stärke der elektromagnetischen Felder ab, die von Mast zu Mast verschieden sein können. In der Regel sorgt aber bereits die Höhe des Mastes für die Einhaltung der Grenzwerte.

Funkmast
In der Regel sorgt die Höhe eines Mastes für die Einhaltung der Grenzwerte für den Sicherheitsabstand. Bild © Pexels.com

Die Bundesnetzagentur rechnet dies am Beispiel eines Sendemasten vor, der in der Nähe einer Schule steht: Die Sendeantennen sind in einer Höhe von 20 Metern installiert. Der Sicherheitsabstand beträgt 2 Meter nach unten und 6 Meter in der Horizontalen. Um in den Sicherheitsabstand zu geraten, müsstet Ihr also an dem Sendemasten auf 18 Meter hochklettern. Ohne technische Hilfsmittel ist das nicht möglich.

Bringt 5G besseres Netz in ländliche Regionen?

Die Versteigerung könnte durch die Auflagen tatsächlich dafür sorgen, dass bisher unterversorgte Regionen endlich vernünftiges Netz bekommen. Das zumindest verspricht sich die Bundesnetzagentur von der Auktion. Sicherstellen sollen das unter anderem diese Auflagen, die die Anbieter bis Ende 2022 erfüllen sollen:

  • Mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen mobiles Internet mit mindestens 100 Mbit pro Sekunde haben (Mbit/s). Das entspricht einer ordentlichen 4G-Geschwindigkeit, mit der man bequem Filme oder Serien auf dem Handy streamen könnte.
  • Auch alle Autobahnen und Bahnstrecken mit mehr als 2000 Fahrgästen am Tag sollen mobiles Internet mit 100 Mbit/s bekommen.
  • Die Anbieter verpflichten sich, 500 neue "Basisstationen" zu bauen, um "weiße Flecken" auf der Karte mit Internet in 4G-Geschwindigkeit zu versorgen.
  • Die Anbieter verpflichten sich, mit Wettbewerbern über sogenanntes "nationales Roaming" zu verhandeln. Nationales Roaming heißt, dass in einem dünn besiedeltem Gebiet zum Beispiel die Telekom ihr Netz auch O2-Kunden zur Verfügung stellt, wenn O2 dort selbst kein Netz anbieten kann. Damit soll verhindert werden, dass jeder Anbieter überall Funkmasten hinstellen muss und Anbieter auch dort Masten aufstellen müssen, wo es sich für sie finanziell nicht lohnt.
  • Aber: Eine Pflicht zu "nationalem Roaming" gibt es nicht. Die Anbieter verpflichten sich lediglich, darüber zu verhandeln.

Fazit: Wird alles besser?

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Das Ziel der Bundesregierung lautet: Deutschland soll "Weltspitze bei der digitalen Infrastruktur" und "Leitmarkt für 5G in Europa" werden. Bild © Pexels.com

Natürlich ist 5G noch Zukunftsmusik. Wir würden uns aber dazu hinreißen lassen, zu sagen: Es wird besser – gerade für bisher schlecht versorgte Regionen.

Die Frage ist aber: Wird es besser genug? Die Auflagen verpflichten Mobilfunkanbieter erst mal nur zum 4G-Ausbau. Für "weiße Flecken", die bisher weitestgehend ohne Netz auskommen mussten, ist das zwar eine gute Nachricht. Eine Pflicht zur Komplettabdeckung gibt es allerdings nicht. Eine weitere Frage ist, wie viel eine Netzabdeckung mit 4G in ein paar Jahren wert ist.

Von der Bundesforschungsministerin stammt der inzwischen berühmte Satz: "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig."

Zitat
„5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig.“ Zitat von Anja Karliczek (CDU), Bundesforschungsministerin
Zitat Ende

Das mag im Moment noch stimmen. Aber das Ziel der Bundesregierung lautet: Deutschland soll "Weltspitze bei der digitalen Infrastruktur" und "Leitmarkt für 5G in Europa" werden.

Zitat
„An die Weltspitze im Bereich der digitalen Infrastruktur“ Zitat von Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
Zitat Ende

Ob dazu die Auflagen und die Versteigerung beitragen können, ist zumindest fraglich. Im schlechtesten Fall wird Deutschland durch sein schlechtes Netz irgendwann wirtschaftlich abgehängt – einfach, weil wir nicht mehr die Infrastruktur für die Technologien der Zukunft bereitstellen können.

Schon jetzt ist Deutschland in Sachen Abdeckung mit schnellem Mobilfunknetz ein Entwicklungsland. Im europäischen 4G-Vergleich sind nur Griechenland und Irland schlechter. Deutschland rangiert hinter Bulgarien, Zypern oder Rumänien. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens P3 im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Sendung: hr3, "hr3 Morningshow", 19.03.2019, 9:45 Uhr

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