Kinder zocken
Ferienzeit, Videospiel-Zeit: Wenn Kinder mal mehr spielen als sonst, ist das noch lange kein Grund, sich Sorgen zu machen. Bild © rawpixel.com/Pexels

Gerade in den Ferien hängen die Kinder gerne mal länger vor der Spielekonsole oder dem PC. Aber ist das nicht gefährlich? Und wie verhalte ich mich als Eltern, wenn mein Kind nur noch zockt? Jugendpsychotherapeut Dr. Christian Lüdke gibt Auskunft.

Dr. Christian Lüdke ist Jugendpsychotherapeut und findet: Zocken ist gut und wichtig. "Das ist eine Form des Spielens, und Spiele sind für Kinder extrem wichtig. Das was für Erwachsene Geld ist, das sind Spiele für die Jugendlichen. Das ist quasi ihre Währung und Teil der Jugendkultur", erklärt er im Interview mit Kate Menzyk.

Kinder zocken
Erst wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr am realen Leben teilnehmen, besteht Suchtgefahr. Bild © Jessica Lewis/Pexels

Auch die pauschale Kritik an Shooter-Spielen wie Fortnite hält er für überzogen. Bei Videospielen wie Fortnite oder Counterstrike würden Kinder nicht automatisch abstumpfen oder aggressiver werden. "Über die Inhalte kann man natürlich streiten. Man muss aber keine Sorge haben, dass Jugendliche durch das Spielen selbst gewalttätig werden. Diese Spiele holen aus einem Jugendlichen nur das raus, was vorher schon in ihm drin gewesen ist."

Er vergleicht die Videogames dabei mit dem Konsum von Alkohol – sie seien quasi ein Gefühlsverstärker. Nur in wenigen Ausnahmen könnten diese Spiele Aggressionen in Jugendlichen verstärken.

Wie lange dürfen Kinder zocken?

Es gibt unterschiedliche Vorgaben für die unterschiedlichen Altersgruppen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind zwei Stunden pro Tag für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren unbedenklich. Dass sich diese Zeitspannen besonders in den Ferien gerne mal verlängern, findet Dr. Lüdke nicht problematisch. "Gerade in den Ferien können die Kinder ruhig mal zocken. In den geringsten Fällen hat das Spielen negative Auswirkungen."

Vielmehr würde es positive Aspekte mit sich bringen, so der Jugendpsychotherapeut. "Verschiedene Studien haben gezeigt, dass diese Spiele die grauen Zellen herausfordern. Jugendliche, die zocken, können tatsächlich besser lesen und rechnen", erklärt er. Zum Teil hätten Gamer eine bis zu einem Milimeter vergrößerte Großhirnrinde. Das bedeutet, dass sie ein verbessertes Belohnungssystem und Gedächtnis haben und ihre Umwelt oft besser wahrnehmen können.

Lüdke rät entnervten Eltern deshalb: nicht schimpfen, sondern Geduld walten lassen. Wenn die Ferien vorbei sind, reguliert sich die Zockerei ohnehin wieder.

Weitere Informationen

Suchtgefahr...

...besteht erst dann, wenn das Zocken das reale Leben verdrängt. Die Jugendlichen ziehen sich zurück, nehmen nicht mehr am normalen Leben teil, zeigen körperliche Symptome oder erleben Kontrollverluste. Auch die Zeiten, in denen gespielt wird, sind deutlich länger: Abhängige Spieler zocken im Durchschnitt 7 Stunden pro Tag.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 08.01.2018, 13:30 Uhr

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