Mit der App könnt Ihr überprüfen wie gesund euer Lebensstil ist.
Mit der App könnt Ihr überprüfen wie gesund euer Lebensstil ist. Bild © picture-alliance/dpa

Rund 13,5 Millionen Versicherte können ab sofort die Gesundheitsassistentin "Vivy" nutzen. Sie erinnert Euch an die nächste Impfauffrischung und besorgt Eure Patientendaten vom Arzt. Wir sagen Euch, was sie kann und worauf Ihr achten solltet.

Spätestens ab 2021 sollen gesetzlich Krankenversicherte ihre Patientendaten auf dem Handy einsehen können. Das fordert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Mit Vivy versuchen sich 14 gesetzliche und zwei private Krankenkassen jetzt an einer Antwort.

Wer ist alles dabei?

Die Privaten: Allianz und Barmenia (die Gothaer soll im Februar 2019 dazu kommen)

Die Gesetzlichen: DAK, IKK Classic, IKK Südwest, IKK Nord, mhplus, pronova BKK Gildemeister Seidensticker, Heimat Krankenkasse, BKK Stadt Augsburg, BKK Melitta Plus, Bertelsmann BKK, BKK Diakonie, BKK Dürkopp Adler, BKK HMR

Mit einer Mitgliedschaft in einer dieser Krankenkassen könnt Ihr Euch kostenlos bei Vivy anmelden. Vivy arbeitet daran, weitere Versicherer als Partner für die App zu finden.

Hier findet Ihr die App für Android und iOs.

Was kann Vivy?

Vivy wäre gerne Eure Patientenakte, die Ihr immer dabei habt. Damit das auch wirklich so funktioniert, müsst Ihr erst mal ein bisschen was eintragen.

Übersicht über die Aktivitäten in der App: Arztunterlagen, Medikamente und Impfpass.
Damit die digitale Patientenakte funktioniert, müsst ihr erst einmal einige Daten eingeben. Bild © Screenshot Vivy

Zum Beispiel Eure Impfungen in euren digitalen Impfpass. Einmal eingetragen könnt Ihr leicht den Überblick über Eure Impfungen behalten und seht auch, wann ihr eine Auffrischung benötigt – an diese könnt Ihr Euch von der App erinnern lassen. Das ist sicherlich eines der praktischsten Features. Nach einer Forsa-Umfrage (im Auftrag der an Vivy beteiligten Versicherer) wissen  69 Prozent der Deutschen nicht, wann ihr nächster Impftermin ist. Das könnte sich mit einem digitalen Impfpass ändern. Die Impfungen Eurer Kinder könnt Ihr Eurer Akte aktuell noch nicht hinzufügen. Langfristig ist dieses Feature laut Vivy aber geplant.

Ähnlich funktioniert Vivy mit Medikamenten. Hier könnt Ihr euch an die Einnahme erinnern lassen. Wenn Ihr den Packungscode einscannt, werdet Ihr außerdem über die Wechselwirkungen der Medikamente informiert. Gerade wenn Ihr regelmäßig ein Medikament einnehmen müsst, dürfte diese Funktion nützlich sein.

Laborwerte vom Arzt direkt aufs Handy

Über die App könnt Ihr zum Beispiel Röntgenaufnahmen, Krankschreibungen oder ein Blutbild bei Eurem Arzt anfragen.
Über die App könnt Ihr zum Beispiel Röntgenaufnahmen, Krankschreibungen oder ein Blutbild bei Eurem Arzt anfragen. Bild © Screenshot Vivy

Kern der App ist der Datenaustausch zwischen Patienten und Ärzten bzw. Kliniken. Sobald Ihr eine Einverständniserklärung unterschrieben habt, könnt Ihr über Vivy Dokumente bei eurem Arzt anfragen. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein – von Röntgenaufnahmen über Krankschreibungen bis hin zum Blutbild. Diese habt Ihr dann immer auf dem Handy dabei. So sollen unter anderem auch Mehrfachuntersuchungen vermieden werden.

Wie sicher ist das?

Laut Vivy: sehr sicher. Und tatsächlich ist die Datensicherheit der App von verschiedenen Stellen zertifiziert worden (z. B. TÜV Rheinland). Es beginnt bei der Anmeldung: Bevor Ihr mit Vivy Dokumente von Ärzten anfordern könnt, müsst Ihr euch über ein zweistufiges System verifizieren lassen: Ihr müsst ein Video von euch hochladen, dieses wird dem Foto auf eurem Ausweis abgeglichen. Anmelden könnt Ihr Euch auch nur über eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das heißt: Neben Eurer E-Mail und dem Passwort müsst Ihr zusätzlich eine Handynummer angeben.

Wer kontrolliert meine Daten?

Zum Schutz des Kontos müsst Ihr neben Eurer Mailadresse eine Handynummer angeben.
Zum Schutz des Kontos müsst Ihr neben Eurer Mailadresse eine Handynummer angeben. Bild © Screenshot Vivy

Ihr. Alle Daten sind in Rechenzentren in Deutschland gespeichert, die nach aktuellen Sicherheitsstandards zertifiziert sind. Über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird sichergestellt, dass niemand Eure Daten zu Gesicht bekommt, dem Ihr nicht die ausdrückliche Erlaubnis erteilt. Das gilt auch für Eure Versicherung. Die Versicherung kann Euch aber individuelle Angebote zukommen lassen, wenn Ihr dem zustimmt. Die Daten, die Ihr mit der Versicherung teilt, werden zwar anonymisiert – wenn Ihr aber keine individuelle Werbung von der Versicherung wollt, solltet Ihr das nicht erlauben.

Die Macher und Mitarbeiter von Vivy haben ebenfalls keinen Zugriff auf Eure Daten. Trotzdem gilt: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Wenn Ihr irgendwo Daten teilt, besteht immer die Gefahr, dass sie aus welchen Gründen auch immer in fremde Hände gelangen. Das sollte euch klar sein, bevor Ihr Euch bei Vivy anmeldet.

Was, wenn meine Versicherung nicht bei Vivy mitmacht?

Andere Versicherungen sind bereits mit eigenen elektronischen  Gesundheitsakten an den Start gegangen. Kunden der Techniker Krankenkasse können aktuell in einer Testphase TK Safe verwenden. Eine Gesundheitsakte, die von IBM entwickelt wurde. Auch hier werden die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt und auf deutschem – tatsächlich sogar hessischem – Boden auf Servern in Frankfurt gespeichert.

Die AOK hat Pilotprojekte in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin unternommen. In ihrem "digitalen Gesundheitsnetzwerk" können Patienten, Kliniken und niedergelassene Ärzte untereinander Daten austauschen. Wann die AOK damit in Hessen an den Start geht, ist noch nicht ganz klar, es soll aber definitiv kommen.

Die Zukunft der Patientenakten scheint in jedem Fall auf dem Handy zu liegen. Vielleicht setzt sich die Technik sogar schon vor 2021 durch – also bevor Jens Spahn das Angebot für alle Versicherer zur Pflicht machen will.

Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 18.09.2018, 14:30 Uhr

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