Organspende
Ein Organspendeausweis kann Leben retten. Bild © picture-alliance/dpa

Eine Organspende macht immer noch vielen Leuten Angst. Das zeigt sich auch in der Debatte um die Widerspruchslösung. Wir erklären, warum diese Sorge unbegründet ist.

Die aktuelle Situation in Deutschland

Auf der Warteliste für eine Transplantation stehen hierzulande knapp 10.000 Menschen. 2018 haben laut Deutsche Stiftung Organspende aber nur 955 Menschen in Deutschland ein Organ gespendet.

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Julia Tzschätzsch

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Helena braucht ein Herz: Der Organspende-Talk mit Julia Tzschätzsch

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Nur knapp ein Drittel der Deutschen hat derzeit einen Organspendeausweis – obwohl 81 Prozent der Organspende positiv gegenüberstehen, wie eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im vergangenen Jahr ergab. Die Folgen: Es dauert oftmals Jahre, bis Patienten ein neues Organ bekommen. Wenn alle, die für die Organspende sind, auch einen Ausweis hätten, würden hierzulande jedes Jahr 1.000 Menschen weniger sterben.

Die Debatte

Um die Zahl der Organspender zu steigern, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gemeinsam mit dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach einen Gesetzentwurf erarbeitet. Danach soll die sogenannte Widerspruchslösung eingeführt werden und jeder als Organspender gelten, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Im Zweifel sollen auch Angehörige über eine Organspende entscheiden können – wenn sie belegen können, dass der Betroffene nicht spenden wollte. Wer widersprochen hat, soll in einem Register vermerkt werden.

Kritiker sagen: Organspende ist wichtig, muss aber auf freiwilliger Basis und von jedem selbst getroffen werden. Wenn sie durch die Widerspruchslösung vom Staat erzwungen würde, werde Vertrauen beschädigt, sagte zum Beispiel der Ethikrat-Vorsitzende Peter Dabrock im Deutschlandfunk.

Deshalb gibt es auch einen Gegenentwurf zu Spahns Konzept. Dieser setzt auf Freiwilligkeit und sieht vor, dass die Bürger regelmäßig befragt werden, zum Beispiel wenn man einen Personalausweis beantragt. Im Herbst soll über beide Vorschläge abgestimmt werden.

Wer kann Organspender werden?

Laut Transplantationsgesetz kann jeder ab 16 Jahren Organspender werden. Nach oben hin gibt es keine Grenze. Wichtig ist ohnehin nur das biologische Alter der Organe – es geht um Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Im Durchschnitt spendet jede Person drei Organe. Auch die Niere eines 75-Jährigen kann Leben retten.

Eine Frau hält in der Universitätsklinik Göttingen eine Broschüre des "Netzwerk Organspende in Niedersachsen" in der Hand
So sieht der Organspendeausweis aus. Bild © picture-alliance/dpa

Wer Organspender werden möchte, dokumentiert seine Entscheidung bisher im Organspendeausweis. Den könnt Ihr Euch ruckzuck auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erstellen. Außerdem gibt es ihn bei vielen Ärzten, Apotheken und Krankenkassen.

Wann werden die Organe entnommen?

Die Organtransplantation wird erst dann in die Wege geleitet, wenn auf der Intensivstation der Hirntod einer Person festgestellt wird, es also keine Chance zurück ins Leben gibt. Lebendspenden werden nur in zwei Fällen – und äußerst selten – durchgeführt: Wenn ein Verwandter, der Partner oder ein enger Freund eine Niere oder Teile einer Leber benötigen.

Bin ich bei einer Organentnahme wirklich tot?

Ja. Das wird durch ein strenges Verfahren der Bundesärztekammer sichergestellt. Dabei müssen zwei erfahrene Fachärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Für die Untersuchung sind mindestens zwölf und maximal 72 Stunden angesetzt. Wenn es auch nur das kleinste Anzeichen dafür gibt, dass der Patient noch zurück ins Leben kommen könnte, kann der Hirntod nicht festgestellt werden und der Patient kommt nicht als Organspender in Frage.

Weitere Informationen

Ganz wichtig:

Die Ärzte, die den Hirntod feststellen, haben mit der möglichen Organspende überhaupt nichts zu tun. Ihr oberstes Ziel ist es, das Leben des Patienten zu retten.

Ende der weiteren Informationen

Wird mein Körper bei einer Organspende "ausgeschlachtet"?

Das ist eine Vorstellung, die vielen Menschen Angst macht. Sie ist aber unbegründet: Die Organentnahme läuft ab wie eine ganz normale OP. Der Patient ist dabei unter Narkose gesetzt, die Einschnitte werden anschließend wieder verschlossen. Nach der Organentnahme können sich die Angehörigen auch verabschieden. Dem Körper sieht man die Organspende dabei nicht an.

Wer bekommt meine Organe?

Organspende
Die Organspenden werden in Styropor-Behältern transportiert. Bild © hr

Die Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden verwaltet die zentrale Warteliste für potenzielle Empfänger von Spenderorganen. Sie ist für acht europäische Länder zuständig: Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien.

Der Empfänger der Organspende sollte dieselbe Blutgruppe haben wie der Spender. Auch ein ähnliches Alter, Gewicht oder Gewebemerkmale sind wichtig für eine Transplantation. Die Wartepatienten werden anhand verschiedener Untersuchungen nach der Dringlichkeit einer Spende gerankt. Wer ein Organ bekommt, wird in Deutschland außerdem von der Bundesärztekammer kontrolliert.

Was passiert, wenn ich meine Meinung ändere?

Es gibt bislang keine offizielle Registrierung. Wer seine Meinung ändert, kann einen neuen Spendeausweis ausfüllen und den alten entsorgen. Die Familie ist übrigens an die Entscheidung gebunden, die man selbst in seinem Organspendeausweis festgehalten hat. Sie sind – genauso wie der Arzt – rechtlich an die persönliche Entscheidung des Spenders gebunden.

Sendung: hr3, "hr3 am Nachmittag", 02.04.2019, 13:30 Uhr

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