Bens erstes Fußballspiel

Ben aus dem Wetteraukreis ist mit nur einem halben Herzen auf die Welt gekommen. Kurz nach der Geburt mussten seine nichtsahnenden Eltern entscheiden, ob sie ihren Sohn leben oder sterben lassen. Jetzt ist Ben neun Jahre alt und darf endlich Fußball spielen.

Ben hat nur ein halbes Herz

Die gesamte Schwangeschaft lang habe man weder etwas gewusst, gemerkt oder gespürt, erzählt Mama Claudia im Interview mit hr3. Erst nach der Geburt sei ihr aufgefallen, dass ihr Kind irgendwie komisch atme. Mehrere Untersuchungen später kamen sie endlich zu einem Herzspezialisten.

Ein Zuhause in der Herzklinik

"Der Kardiologe hat dann auf dem Gang gesagt: 'Das ist der schwerste Herzfehler, den es gibt. Wollen Sie ihn sterben lassen?'", erzählt uns Claudia. Wie sollten Eltern auf eine solche Frage reagieren? Bens Eltern brachen erst einmal in Tränen aus und verstanden die Welt nicht mehr. Bei hr3 versucht sie sich zu erinnern: Sie hätten vermutlich zwei Wochen lang geweint, bevor sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnten.

Dann trafen sie eine Entscheidung – für ihren Sohn. Was folgte, war ein wahrer Krankenhaus-Marathon: Die ersten neun Monate seines Lebens musste Ben in der Herzklinik verbringen und drei Operationen am Herzen aushalten. Beim ersten Eingriff war er erst ein paar Tage alt, die zweite Operation folgte im Alter von fünf Monaten und die letzte mit zweieinhalb Jahren.

Während sich der Junge in der Herzklinik schon fast Zuhause fühlte, waren die ständigen Krankenhausbesuche für seine Eltern Teil eines zermürbenden Überlebenskampfes. Erst als er das Schulalter erreichte, merkte auch Ben, dass er irgendwie anders ist. Wie wahrscheinlich die meisten Jungs, träumte er vom Fußballspielen – am besten in einem Club. Aber kein Verein wollte ihn mitmachen lassen.

"Warum habt ihr mich nicht sterben lassen?"

Bens halbes Herz war den Leuten zu heikel. "Das waren ja nicht nur die Fußballvereine – egal ob man beim Schwimmen, Handball oder beim stinknormalen Kinderturnen nachgefragt hat – wo die Mamas immer dabei wären", sagt Claudia. Sie kassierten überall eine Absage. Vier Jahre lang suchten sie nach einem Sportverein.

Bens erstes Fußballspiel

Ben bekam das natürlich mit. Die ständigen Absagen stimmten den Jungen so traurig, dass er sogar die Lust am Leben verlor: "Warum habt ihr mich nicht sterben lassen?", warf er seinen Eltern vor. Teilweise sei das auch noch heute so, berichtet Claudia im hr3 Interview: "Er kann nicht so wie andere – das ist nicht nur im Sport so, sondern auch in der Schule und in vielen anderen Dingen".

Die psychische Belastung sei für den Jungen manchmal nur schwer auszuhalten. In solchen Situation könne man Ben nur in den Arm nehmen und ihm sagen "wie schön es ist, dass er da ist und dass es sich lohnt zu leben", erklärt seine Mutter. "Aber ein Neunjähriger versteht das ja so gar nicht. Er kriegt halt nur mit: 'Ich bin anders und mich hänseln andere'", so Claudia weiter.

Neben seinen Eltern helfen Ben regelmäßige Therapiesitzungen dabei, den enormen Ballast zu schultern – und zwei Kuscheltiere, die ihn bereits seit seiner Geburt begleiten.

Bens Traum geht endlich in Erfüllung

Nach vier Jahren der Suche kam endlich die gute Nachricht: Ein Fußballverein lud Ben zum Training ein. "Er ist vor Freude explodiert und im Wohnzimmer herumgehüpft. Es war Wahnsinn!", freut sich Claudia. In dem Verein kann ihr Junge so mitmachen, wie es sein Herz erlaubt – ohne dass ihn die anderen hänseln.

Bens erstes Fußballspiel

Am Dienstag war es endlich soweit: Ben bestritt sein erstes Fußball-Match. Für den Neunjährigen hat es sich gelohnt, an seinem Traum festzuhalten. "Es kommen immer mal wieder kritische Tage, aber er schafft es immer wieder" , sagt Mama Claudia stolz. "Ich bin glücklich, mal wieder eine Hürde genommen zu haben und natürlich auch stolz, weil er sich freut und wir wieder etwas erreicht haben, an dem er auch Spaß hat."

Bens erstes Spiel war übrigens ein Unentschieden – zumindest wird das vermutet. Bei einem Freundschaftsspiel unter Kindern wird nicht so richtig mitgezählt, da sind andere Dinge wichtiger. Zum Beispiel, dass die Nachwuchs-Kicker sich als Teil einer Mannschaft fühlen. So wie Ben. Und auch wenn er vermutlich niemals ein komplettes Match durchspielen kann – "für ihn ist einfach nur wichtig, dabei sein zu dürfen – auch wenn es am Ende nur zehn Minuten sind", weiß Mama Claudia.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Ben hat nur ein halbes Herz

mt
Ende des Videobeitrags

Sendung: hr3, "hr3 am Nachmittag", 08.04.2019, 14:45 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit