Im Supermarkt
Im Supermarkt lauern viele Lebensmittel-Lügen! Bild © Model Foto: Colourbox.de

Im Supermarkt lauern mehr Fallen, als uns bewusst ist: Die Lebensmittelhersteller tricksen nämlich, wo es nur geht. Wir verraten Euch, wie sich Zucker tarnt und warum Ananas und Erdbeer oftmals gar nicht echt sind.

Umfruchtung

Klingt irgendwie unheimlich, oder? Umfruchtung bedeutet, dass billige Früchte so behandelt werden, dass sie wie anderes Obst schmecken. Ein Müsliriegel mit Erdbeeren zum Beispiel kann dann nach Erdbeeren schmecken, obwohl gar keine drin sind. Das funktioniert so: Äpfel werden so lange eingeweicht, dass sie ihren Geschmack verlieren. Sie sind später nur das Trägermaterial für den Fruchtgeschmack.

Der ist nämlich nicht natürlich, sondern kommt von einem entsprechenden Sirup - in unserem Beispiel Erdbeersirup. Damit die eingeweichten Äpfel auch wie Erdbeeren aussehen, werden sie noch mit Rote-Bete-Konzentrat eingefärbt. Auf diese Art und Weise können aus Äpfeln zum Beispiel auch Himbeeren, Cranberries oder Kirschen werden.

Wie erkennt man, ob umgefruchtet wurde? Ganz einfach: Einen Blick auf die Zutatenliste werfen und gucken, was drin ist. Wenn im Beispiel unseres Müsliriegels gar keine Erdbeeren enthalten sind oder sie nur ganz hinten in der Auflistung stehen, ist das für Euch der Hinweis.

Zucker

Würfelzucker
30 Würfelzucker nimmt der Deutsche im Schnitt täglich zu sich - viele davon unwissentlich. Bild © Imago

Dass Zucker nicht nur in Schokolade und Pudding enthalten ist, sondern beispielsweise auch in Ketchup dürfte den meisten bekannt sein. In einem Glas Rotkraut etwa sind umgerechnet 16 Stück Würfelzucker drin. Und das ist echt viel: Die Weltgesundheitsorganisation sagt, mehr als acht Stück täglich sind schon gesundheitsschädlich.

Also auch hier einfach einen Blick auf die Zutaten werfen und schon ist man sicher? Jein. Es gibt nämlich 70 Bezeichnungen für Zucker. Glykose und Fructose erkennt man vielleicht noch. Schwieriger wird es bei Magermilchpulver, Molkenerzeugnis und Gerstenmalzextrakt - aber auch das ist Zucker. So kann die Zuckerangabe in der Auflistung beispielsweise auch über mehrere Begriffe verteilt angegeben sein. Die Industrie lügt hier zwar nicht, nutzt aber unsere Unkenntis aus.

Saft

Die Bilder auf dem Saft sehen ja erstmal toll aus mit den vielen aufgedruckten Früchten. Wenn nur abgebildet wäre, was eigentlich drin ist, wäre die Verpackung aber ganz schön karg: In einem von Foodwatch getesteten "Guave Maracuja Saft" zum Beispiel ist nur ein Prozent Maracuja drin! Das ist zwar extrem irreführend, aber legal.

Orangensaft
Wie viel Prozent Frucht steckt eigentlich im Orangensaft? Genau lesen lohnt sich! Bild © Imago

Hier steckt der Teufel im Detail. Was genau steht auf der Verpackung? "Fruchtsaft" oder "Fruchtsaftgetränk"? Ersterer ist direkt ausgepresster und ungestreckter Saft. Quasi "der echte" Saft. In einem Fruchtsaftgetränk dagegen sind nur maximal sechs Prozent Fruchtsaft drin. Das ist eher Zuckerwasser mit Farbe und ein bisschen Geschmack. Auch beim "Nektar" handelt es sich nicht um puren Fruchtgenuss: Hier sind nur 25 Prozent Fruchtsaft drin.

Aroma

80 Prozent der Geschmackseindrücke laufen über den Geruchssinn. Damit uns etwas gut schmeckt, muss es also auch gut riechen. Dank Aromen und Zusatzstoffen tut das auch qualitativ minderwertiges Essen. Wenn wir uns beispielsweise ein Instant-Ananas-Curry warm machen, mag das zwar lecker nach Ananas riechen - der Geruch kommt wahrscheinlich aber gar nicht von der Frucht selbst. Das bisschen echte Ananas da drin würde unseren Geruchssinn nämlich gar nicht reizen.

Stattdessen wird dafür gerne Weißkohl verwendet. Aus dem kann man nämlich Ananas-Geruch und -Geschmack gewinnen. Noch dazu wächst er im Gegensatz zur Ananas auch in unseren Gefilden und ist dadurch günstiger einzukaufen. Auch der Aufdruck "Ohne künstliches Aroma" ist dann nicht falsch. Also eine Win-Win-Situation für die Hersteller. Das ist nicht verboten. Unseren Nasen wird durch den guten Geruch aber vorgegaukelt, wir hätten gute Qualität auf dem Teller, obwohl das nicht der Fall ist.

Regional

Das Siegel "Regionalfenster"
Das "Regionalfenster" unten links gibt Auskunft darüber, wo ein Produkt herkommt. Bild © picture-alliance/dpa

Bei den allermeisten Lebensmitteln erfahren wir auf der Verpackung nichts über die Herkunft der Zutaten. Die Hersteller sind nämlich nur bei bestimmten Produktgruppen verpflichtet, Angaben dazu zu machen. Darunter fallen unverarbeitetes Fleisch, Geflügel und Eier, außerdem unverarbeitete Obst- und Gemüsesorten.

Begriffe wie „Heimat“ oder „regional" sind zudem gesetzlich nicht geschützt. Hersteller können sie daher als Marketinginstrument einsetzen – ohne, dass die tatsächliche Herkunft der Zutaten damit übereinstimmen muss. Hier lohnt es sich, auf konkrete Regionsangaben oder auf das blau-weiße "Regionalfenster"-Siegel zu achten. Bei Eiern verrät außerdem der aufgedruckte Code, aus welchem Bundesland das Produkt stammt. Für Hessen steht die Ziffer "06" hinter dem "DE".

Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 20.11.2017, 09:30 Uhr

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