44 Stunden mussten Fluggäste von Condor vor kurzem auf ihren Flug nach Teneriffa warten. In so einem Fall stehen den Passagieren Entschädigungszahlungen zu.

Der Ferienflieger startet mit Verspätung, die Piloten streiken, das Gepäck ist unterwegs verloren gegangen – wir werfen einen Blick auf die Rechte, die Passagiere in einer solchen Situation haben.

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Auf einen Blick

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Seit dem Jahr 2004 spricht die EU-Verordnung 261/2004 europäischen Fluggästen besonderen Schutz zu. Die Verordnung hält fest, dass beispielsweise eine Flugannullierung oder eine große Verspätung von Flügen ein Ärgernis für Fluggäste sind und ab wann ihnen Ausgleichsleistungen zustehen.

Den Fluggesellschaften wurden damit einige Pflichten auferlegt. Sie müssen ihre Passagiere zum Beispiel über ihre Rechte informieren, etwa auf der Website oder durch einen schriftlichen Hinweis bei einer Verspätung.  

Was bekomme ich bei einer Flugverspätung?

Ab zwei Stunden Verspätung muss die Airline für Verpflegung sorgen und Euch ermöglichen, zwei Telefonate zu führen oder E-Mails oder Fax zu verschicken.

Warten am Flughafen

Hat Euer Flieger über drei Stunden Verspätung, habt Ihr einen Anspruch auf Entschädigung durch die Fluggesellschaft in Höhe von 250 bis 600 Euro pro Person. Wenn Ihr mit Eurer Familie in den Urlaub fliegen wolltet, kann diese Entschädigungssumme für jede Person eingefordert werden.

Die Summe hängt von der Flugdistanz ab: Unter 1.500 Kilometer Flugdistanz muss die Airline 250 Euro an den Fluggast zahlen, bei 1.500 bis 3.500 Kilometer sind es 400 Euro und bei über 3.500 Kilometer sind wir schon bei 600 Euro.

Müsst Ihr fünf Stunden und länger warten, könnt Ihr sogar vom Beförderungsvertrag zurücktreten und Euch den Flugpreis zurückerstatten lassen. Wenn der Abflug auf den nächsten Tag verschoben wird, muss die Fluggesellschaft Euch eine Unterkunft und einen Transfer organisieren.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Fluggesellschaft selbst für die Verspätung verantwortlich ist und Euer "Problemflug" nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Gut zu wissen: Ihr müsst den Flug nicht angetreten haben, um eine Entschädigung zu erhalten.

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Entschädigung per App

Die "Flugärger-App" überprüft, ob Ihr überhaupt Anspruch auf Geld von der Airline habt. Wenn ja, rechnet sie direkt aus, wie viel Ihr bekommt. Dann erzeugt die App automatisch eine E-Mail-Vorlage, die man an die Airline schicken kann. Die App kommt von der Verbraucherzentrale NRW und hat einen entscheidenden Vorteil: Bei anderen App-Anbietern muss man einen Teil der Entschädigung abgeben – bei der "Flugärger-App" nicht.

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Was bekomme ich bei einer Annullierung des Flugs?

Wenn Euer Flug weniger als 14 Tage vor dem Abflug annulliert wird oder Ihr gegen Euren Willen nicht befördert werdet, zum Beispiel durch eine Überbuchung des Flugzeugs, steht Euch eine Entschädigung zu. Ihr könnt Euch den Ticketpreis erstatten lassen oder einen kostenlosen Rückflug antreten. Hier lohnt es sich aber, die von der Fluggesellschaft gemachten Angebote zu prüfen.

Anzeigetafel am Flughafen annuliert

Zusätzlich zur Erstattung des Tickets oder einer alternativen Beförderung könnt Ihr außerdem bis zu 600 Euro als Ausgleichszahlung bekommen. Die Summe ergibt sich aus mehreren Faktoren: Wann habt Ihr erfahren, dass Euer Flug gestrichen ist? Wie viel später startet ein möglicher Alternativflug? Wie lange ist die Flugstrecke?

Es gibt aber "außergewöhnliche Umstände", für die die Airline nichts kann – und dann muss sie auch keine Ausgleichszahlung leisten. Extrem schlechtes Wetter, ein Streik der Piloten oder der Crew fallen darunter.

Es ist gesetzlich aber nicht festgelegt, was alles ein außergewöhnlicher Umstand ist. Im Zweifel muss ein Gericht diese Entscheidung treffen. Der Bundesgerichtshof hat die Passagierrechte im Streikfall im vergangenen Jahr noch einmal gestärkt.

Und wenn mein Gepäck verloren geht?

Keine Panik: Rund 95 Prozent der verlorenen Gepäckstücke tauchen früher oder später wieder auf.

Meldet Euch bei den Mitarbeitern des Lost-and-Found-Schalters am Flughafen – und habt unbedingt Eure Bordkarte mit der Gepäckregistrierungsnummer parat. Die ist das wichtigste "Beweisstück".

Die Nachforschung bleibt ohne Erfolg?

Dann wird eine Verlustmeldung gemacht. Die enthält Eure Personen- und Flugdaten und Angaben zum Gepäckstück. Wichtig ist auch, dass Ihr den Verlust der Airline meldet. Sonst verliert Ihr möglicherweise den Schadensersatzanspruch.

Koffer auf Gepäckband am Flughafen

Je nach Fluganbieter wird das Vorgehen unterschiedlich gehandhabt: Mal gibt es ein von der Airline gestelltes Paket mit Unterwäsche und Toilettenartikeln, mal dürft Ihr Euch auf ihre Kosten eine Ersatzausstattung kaufen. Aber auch hier variiert, wie viel Ihr dabei ausgeben dürft.

Wichtig: Belege aufheben!

Wenn Ihr das Geld für die Ersatzausstattung vorstrecken müsst, solltet Ihr die Belege dafür aufheben. Sonst wird es schwierig mit der Erstattung.

Sollte Euer Koffer verschollen bleiben, erhaltet Ihr Schadensersatz. Wie viel Geld Ihr erhaltet, hängt von Inhalt und Wert des Koffers ab. Die Höchstgrenze liegt bei rund 1.200 Euro.

Wenn Ihr ein besonders teures Stück im Gepäck habt, solltet Ihr also darüber nachdenken, ob Ihr dafür nicht eine extra Versicherung abschließt.

Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 16.07.2019, 09:30 Uhr

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