Ein Mann fotografiert Besucher auf einem Weihnachtsmarkt

Auf der Weihnachtsfeier im Kindergarten sagt ein Vater: "Meine Tochter soll aber nicht auf's Bild!" Alle knipsen aber trotzdem wie wild. Ist das prinzipiell erlaubt? Wir erklären Euch, wann und wo Ihr andere Kinder fotografieren dürft und wann nicht.

Medien-Rechtsanwalt Christian Solmecke

Die rechtliche Lage hat sich durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die dieses Jahr in Kraft getreten ist, verändert. Früher war das Filmen und Fotografieren nur in Ausnahmefällen nicht okay, wenn man wirklich den intimsten, persönlichen Raum verletzt hat. Zum Beispiel bei Gafferfotos bei einem Unfall.

Es ist aber so, dass beim Fotografieren automatisch personenbezogene Daten erfasst und verarbeitet werden. "Diese Sachverhalte erfasst die DSGVO, weil beim Fotografieren automatisiert personenbezogene Daten verarbeitet werden. Zumindest dann, wenn man sich nicht ausnahmsweise auf die sogenannte 'Haushaltsausnahme' für rein private Sachverhalte berufen kann. Bei einer Weihnachtsfeier ist aber meist nicht von einer ausschließlich persönlichen oder familiären Tätigkeit auszugehen, sodass tatsächlich die DSGVO Anwendung finden dürfte", erklärt uns Medien-Rechtsanwalt Christian Solmecke. Heißt: Laut DSGVO braucht Ihr eine Erlaubnis, um Personen auf der Weihnachtsfeier zu fotografieren.

Kinder sind besonders geschützt

Zitat
„Während man bei den Kollegen rechtlich noch darüber diskutieren könnte, ob man sich hier auf überwiegende 'berechtigte Interessen' stützen kann, kommt dies bei Kindern nicht in Betracht. Bei Kindern überwiegen im Zweifel die Interessen daran, dass ihre Daten nicht verarbeitet werden.“ Zitat von Medien-Rechtsanwalt Christian Solmecke.
Zitat Ende

Aber auch der Fotograf hat sogenannte "berechtigte Interessen". Hier muss ein Gericht im Ernstfall nach Interessenabwägung im Einzelfall entscheiden. Bei Aufnahmen unter Kollegen ist das zum Beispiel ein Streitfall. Anders ist die Lage bei Kindern, denn sie werden durch die DSGVO besonders geschützt.

Deshalb solltet Ihr, wenn Ihr andere Kinder mit fotografiert, vor dem Fotografieren auf jeden Fall die Eltern fragen. Sie können jederzeit eine Löschung der Aufnahmen verlangen. Ganz sicher könnt Ihr Euch sogar nur mit einem schriftlichen Einverständnis sein. Viele Kindergärten holen sich dieses Einverständnis von vorneherein von allen Eltern ein.

Welche Folgen hat Fotografieren ohne Zustimmung?

Natürlich gilt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber es kann eben sein, dass Ihr von der abgelichteten Person oder den Eltern abgemahnt und verklagt werdet und dass Ihr die Aufnahmen löschen müsst. Es kann auch ein Bußgeld gegen Euch verhängt werden. Solmecke hält das aber für eher unwahrscheinlich.

Fotos veröffentlichen

Fotos einer geschlossenen Gesellschaft dürft Ihr nie einfach so online stellen. Vor der Veröffentlichung müsst Ihr immer die abgelichteten Personen fragen und Ihr Einverständnis einholen, so der Medien-Rechtsanwalt.

Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 13.12.2018, 10:15 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit