E-Roller
In vielen europäischen Ländern gehören E-Tretroller bereits zum Alltag dazu. Bild © picture-alliance/dpa

Elektrisch betriebene Tretroller sind in Ländern wie Belgien, Österreich oder Finnland schon Normalität. Ab Sommer fahren diese E-Scooter auch auf deutschen Straßen. Welche Regeln dabei gelten – und wie die hessischen Kommunen zur Einführung stehen, erfahrt Ihr hier:

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Julia Tzschätzsch

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Warum sich E-Scooter wirklich lohnen könnten

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Das Bundeskabinett hat im April den Weg für E-Tretroller auf deutschen Straßen frei gemacht, als es der sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) zugestimmt hat. Dadurch sollen nun auch "elektrisch betriebene Fahrzeuge ohne Sitz und selbstbalancierende Fahrzeuge" am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen – gemeint sind die elektrischen Tretroller, auch E-Scooter genannt. Am Freitag hat der Bundesrat der Verordnung zugestimmt.

Diese Regeln gelten für E-Tretroller

Die E-Scooter dürfen künftig mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde auf Fahrradwegen fahren. Gibt es keinen Radweg, müssen sie auf die Straße ausweichen. Auf Gehwegen und in Fußgängerzonen sind die Roller nicht erlaubt, außer es wird durch ein Zusatzschild ausdrücklich erlaubt.

Ein Führerschein ist laut der eKFV-Verordnung nicht notwendig. Die kleinen Roller brauchen aber eine Versicherungsplakette, ähnlich wie Mofas und kleine Motorroller. Die Haftpflichtversicherung kostet rund 40 Euro für ein Jahr. Das Nummernschild ist ein kleiner Aufkleber am Heck, den der Fahrer selbst anbringt. Es gibt keine Helmpflicht. Der Fahrer muss mindestens 14 Jahre alt sein.

E-Roller
E-Roller könnt auch in Hessen bald das Stadtbild prägen. Bild © picture-alliance/dpa

Ob Ihr den Roller mit in Bus und Straßenbahn nehmen dürft, ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Wie es sich bei Euch verhält, erfragt Ihr am besten bei der Stadt. Laut tagesschau.de dürfen Fahrgäste der Deutschen Bahn die E-Tretroller kostenlos mitnehmen.

Bei der Stadt Frankfurt zum Beispiel gilt folgende Regel: E-Tretroller dürfen im Schienenverkehr des RMV (ohne U- und Straßenbahn) im Mehrzweckabteil transportiert werden, wenn ihr Gewicht die Tragfähigkeit der Einstiegshilfe nicht übersteigt. In den Zügen der Vias liegt diese Grenze bei 250 Kilo, bei anderen Zügen zwischen 300 und 350 Kilo. Die meisten Geräte wiegen aber deutlich weniger.

Der Blick ins Ausland

In vielen europäischen Städten wie Brüssel und Paris gibt es bereits E-Tretroller-Leihstationen, an denen man sich – ähnlich wie bei Leihrädern – für ein paar Cent pro Minute einen solchen elektrisch betriebenen Roller ausleihen kann. Ob für den Weg zur Arbeit, zum Supermarkt oder zur U-Bahn-Station: Es könnte das Gerät für den letzten Meter werden.

Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox plant aktuell jeder vierte Deutsche, sich einen E-Scooter anzuschaffen. Ab Sommer wollen die ersten Unternehmen auch in Hessen starten. Reservieren und bezahlen läuft wie beim Car-Sharing über Smartphone-Apps. Die Firmen laden die Akkus der Roller wieder auf.

Das sagen die Städte in Hessen und Umgebung dazu

Kassel

Könnte solch ein Leihsystem auch nach Kassel kommen? Die Stadt bewertet die E-Tretroller-Entwicklung eher zurückhaltend. Man bezweifelt, dass die E-Scooter "einen sinnvollen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung stadtverträglicher Mobilität" leisten können. Michael Schwab, Pressesprecher der Stadt Kassel, sagt dazu: "Diese Art der Fortbewegung wird die verkehrsbedingten Probleme in Ballungszentren in absehbarer Zeit nicht lösen."

Frankfurt

In Frankfurt bereitet man sich dagegen schon auf die E-Scooter vor: "Wir sind in Gesprächen mit sieben Herstellern und wünschen uns, dass es ein Verleihsystem für die Scooter gibt", sagt Hans Preißl, Referent des Verkehrsdezernenten Klaus Österling. Bis zu 10.000 der elektrisch motorisierten Roller könnten in Frankfurt verteilt werden.

Gießen

Während der Bürgermeister der Stadt Gießen Peter Neidel (CDU) noch abwarten möchte, bis der Bund entschieden hat, spricht sich die SPD-Stadtverordnetenfraktion klar für Elektro-Tretroller im Stadtverkehr aus. Der Fraktionsvorsitzende Christopher Nübel schreibt in einer Pressemitteilung: "E-Roller könnten eine sinnvolle Ergänzung für die Verkehrswende sein. Da sie kleiner und handlicher als Fahrräder sind, lassen sie sich gut im ÖPNV mitnehmen und sind so auch insbesondere für Pendler attraktiv. Wir unterstützen die Zulassung dieser Roller im Straßenverkehr deshalb ausdrücklich".

Darmstadt

Auch in Darmstadt sieht man Potenzial. "E-Roller können leichter im ÖPNV mitgenommen werden als Räder, sodass hier insbesondere für Pendler eine attraktive neue Lösung für die 'letzte Meile' entstehen könnte", sagt Stadtsprecher Klaus Honold. Mehrere Anbieter von Leihsystemen hätten Interesse bekundet, mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Bevor darüber konkret verhandelt werden kann, soll allerdings ein Regelkatalog entwickelt werden, um einen ungeregelten Start von Leih-Anbietern zu vermeiden.

Fulda

Laut Johannes Heller von der Pressestelle der Stadt Fulda spielt das Thema E-Roller in der Praxis in Fulda bisher noch gar keine Rolle.

Aschaffenburg

Die Stadt Aschaffenburg zeigt sich offen für nachhaltigen Verkehr. Die Stadtwerke sind auch schon in Gesprächen mit verschiedenen E-Tretroller-Anbietern. Dr. Susanne Vielhauer, Pressesprecherin der Stadt Aschaffenburg, schränkt aber ein: "Die Stadt Aschaffenburg sieht es in Einvernehmen mit dem Deutschen Städtetag als problematisch an, wenn langsame E-Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten bis zu 12 Kilometern pro Stunde auf Gehwegen und in Fußgängerzonen fahren dürfen."

Heidelberg

In Heidelberg sieht man in E-Scootern eine Chance für den umweltfreundlichen und emissionsfreien Verkehr in der Stadt. Tim Herre vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit sagt: "Sie können eine Ergänzung zum innerstädtischen ÖPNV-Angebot darstellen, um die 'letzte Meile' von der Haltestelle gut und schnell zurückzulegen." Grundsätzlich müssten die Kommunen aber prüfen, ob durch E-Scooter Nutzungskonflikte auf Geh- und Radwegen oder der Fahrbahn entstehen. Das werde man auch in Heidelberg im Blick behalten.

Mannheim

In Mannheim hält man die Einführung von E-Tretrollern ebenfalls für denkbar. Alexander Hofen-Stein, Referent des Ersten Bürgermeisters, sagt: "Die Stadt Mannheim steht der Erprobung neuer innovativer Mobilitätsformen grundsätzlich offen gegenüber. Im Bereich E-Roller – insbesondere im Bereich von Sharingsystemen für E-Roller – sind dabei jedoch Fragen der Verkehrssicherheit und des Ordnungsrechts zu klären, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und die verschiedenen Interessen im öffentlichen Raum in Einklang zu bringen." Der Verkehrsbund Rhein-Neckar (VRN) tausche sich derzeit mit den größeren Kommunen im Verbundsgebiet über mögliche Sharingsysteme für E-Roller aus. Bevor die Stadt Mannheim über mögliche Leih-Anbieter entscheide, warte man aber darauf, dass der Bund offene Fragen zum Beispiel im Hinblick auf die Wartung und Abstellung kläre.

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Wie es in anderen hessischen Kommunen aussieht...

...erfahrt Ihr bei Eurem Bürgeramt.

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Was Ihr beim Kauf beachten müsst

Ihr wollt nicht warten, bis in Eurer Stadt ein Leihsystem eingeführt wird und lieber Euren eigenen E-Scooter fahren? Ein halbwegs ordentliches Gefährt bekommt Ihr schon für rund 200 Euro. Die Reichweite der Akkus beträgt in dieser Preisklasse allerdings oft nur bis zu 20 Kilometer. Bei kaltem Wetter, schwerer Fracht und bergauf verlieren die Akkus außerdem noch eher ihre Power. Wenn Ihr wirklich täglich von der Bahn ein paar Kilometer zur Arbeit und zurück fahren möchtet, solltet Ihr in ein teureres Gerät für rund 500 Euro investieren. 

Die Akkus für die Stromversorgung werden per Ladebuchse und Ladegerät an die Steckdose angeschlossen. Es gibt auch abnehmbare Akkus, zum Beispiel zum Laden im Büro, allerdings müsst Ihr für entsprechende Scooter deutlich mehr als 200 Euro ausgeben. Ein Ladevorgang dauert zwischen drei und vier Stunden, dann könnt Ihr wieder ungefähr 20 Kilometer damit fahren.

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Achtung bei Regen:

Die günstigen E-Tretroller sind nicht regenfest. Bei manchen Modellen heißt es sogar: sofort stehenbleiben, wenn es regnet, ansonsten verfällt die Garantie.

Einige Geräte sind zumindest spritzwasserfest. Die solltet Ihr bei absolutem Schüttwetter zwar auch besser stehen lassen, aber mal eine Pfütze tut denen nicht weh.

Die Roller, die äußerlich schon eher einem richtigen Motorroller gleichen, sind dann auch regenfest. Da macht es dann auch nichts aus, wenn Ihr zwei, drei Stunden im Regen unterwegs sein solltet.

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Sendung: hr3, "hr3 Morningshow", 15.05.2019, 05:00 Uhr

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