Eine Frau kratzt die vereiste Frontscheibe ihres Pkw.
Die vereiste Frontscheibe bloß nicht mit heißem Wasser vom Eis befreien. Bild © Patrick Pleul dpa/lbn

Draußen ist es gerade so richtig kalt. Eine Kaltfront zieht über Hessen hinweg. Die Autoscheiben sind vereist und der Motor springt nicht an. Wir sagen euch, was Ihr bei der Kälte bei Eurem Auto beachten müsst:

Wieso springen Autos bei Kälte so schlecht an?

Ein Grund ist oftmals die Batterie – die ist bei Minusgraden einfach schwächer als im Sommer. Bei -10 Grad hat sie teilweise nur noch rund 65% ihrer Kapazität. Das liegt daran, dass sie während der Fahrt schlechter aufgeladen wird als im Sommer. Weil die Lichtmaschine, die ja die Batterie lädt, bei kalten Temperaturen zusätzlich so viele andere Dinge im Auto mit Strom versorgen muss. Neben Licht und Radio kommen zum Beispiel Sitzheizung, Heckscheibenheizung oder sogar Außenspiegelbeheizung dazu. Deshalb beim Motorstart so viele Stromfresser wie möglich ausschalten: Lüftung, Heckscheiben-, Außenspiegel- und Sitzheizung, Radio und Licht – also zumindest, wenn es draußen schon hell ist. Dann sollte es auch wieder mit dem Anspringen klappen.

Muss ich die Scheibe ganz von Eis befreien?

Ja! Wer die Scheibe nur zum Teil befreit und dabei erwischt werden, muss laut Straßenverkehrsordnung (StVO) 10 Euro Bußgeld zahlen. Kommt es aufgrund der eingeschränkten Sicht zu einem Unfall, kann es richtig teuer werden. Achtet aber darauf, dass Eure Scheiben sauber sind, bevor Ihr kratzt. Wenn sich nämlich Sandpartikel unter der Eisschicht befinden, könnten beim Entfernen Kratzer entstehen.

Verwendet zum Eiskratzen nur dazu vorgesehene Kratzer. Mit der Sägezahnkante wird das Eis entfernt, mit der glatten Seite komplett von Eis befreit. Mit der Gummilippe wird danach die Restfeuchtigkeit beseitigt.

Wenn Ihr es mit CD-Hüllen versucht, dann könntet Ihr Euch die Autoscheibe zerkratzen oder sogar selbst verletzen. Und EC- oder Scheckkarten sind viel zu instabil und weich, um das gefrorene Eis zu entfernen. Die Scheibenwischer bringen auch nichts: Wenn die Wischerblätter angefroren sind, kann die Gummilippe reißen, die Sicherung durchbrennen oder die Mechanik beschädigt werden.

Kann ich heißes Wasser auf die vereiste Windschutzscheibe schütten?

Bloß nicht! Die Scheibe könnte springen. Wenn es unbedingt die Wasser-Methode sein muss, dann kaltes Wasser nehmen und sofort mit dem Abzieher nachwischen, damit sich keine neue Eisschicht bildet. Oder eben einfach doch kratzen und/oder Scheibenenteiser benutzen.

Mein Wischwasser ist eingefroren. Wie bekomme ich es schnellstmöglich wieder aufgetaut?

Auf einer vereisten Autoscheibe steht "Frost" geschrieben.
Bei Frost heißt es kratzen am Auto. Bild © Imago

Da halten sich ja so einige Gerüchte hartnäckig. Zum Beispiel, dass man den Tank mit einem Föhn wieder auftauen sollte. Die Experten meinen aber: Besser nicht! Denn wenn es schlecht läuft, könnten dabei Kunststoffteile an der Waschanlage und am Motor schmelzen. Tipp: Das Auto irgendwo in einem Raum parken, der über null Grad hat, also in einer Garage oder – wer keine hat – in einem Parkhaus. Nach einer Stunde ist das Wischwasser dann oft schon wieder aufgetaut.

Wichtig ist dann: Die Scheibenwaschanlage leer machen und anschließend Wischwasser mit hoch dosiertem Frostschutz nachfüllen. Damit sich das Gemisch dann gleich auch in die Leitungen und Düsen verteilt, am besten gleich zwei- bis dreimal die Wischanlage anschalten. Übrigens: Einfach nur Frostschutz ins Wasser nachgießen reicht nicht aus, weil sich die Flüssigkeit eventuell nicht mit dem schon vorhandenen Wasser vermischt – und damit dann auch nicht wirken kann.

Selbstgemachtes Scheibenwischwasser mit Spülmittel, Spiritus oder Ähnlichem funktioniert ebenfalls nicht: Damit reicht die Reinigungsleistung meistens nicht aus und außerdem können dadurch Dichtungen Schaden nehmen. Besser: Auf namhafte Produkte zurückgreifen.

Bringt es was, das Auto "warmlaufen" zu lassen, bevor man losfährt?

Der ADAC sagt: Nein! Das Auto wird dadurch nicht schneller warm, heißt also auch: die Heizung kommt nicht schneller in Fahrt und die Scheiben tauen auch nicht schneller ab. Und außerdem ist es verboten! Wenn Euer Nachbar Euch anzeigt, weil er durch das "Warmlaufen" gestört wurde, dann kann das auch ein Verwarnungsgeld von immerhin zehn Euro kosten.

Weitere Informationen

Wissenswertes zum Thema Kälte

Wieso gibt es einen Unterschied zwischen "tatsächlicher" und "gefühlter" Temperatur?
Grundsätzlich gibt unser Körper Wärmeenergie an die Umgebung ab, sobald die Lufttemperatur niedriger ist als unsere eigene Körpertemperatur. Je höher die Windgeschwindigkeit ist, desto stärker ist diese Wärmeabgabe. Das liegt daran, dass dann mehr kalte Luftmoleküle auf die Haut treffen als bei schwachem Wind. Und diese kalten Luftmoleküle entziehen der Haut mehr Wärme.

Frieren Frauen tatsächlich schneller als Männer?
Im Schnitt ist den Männern meist wärmer, weil sie mehr Muskelmasse als Frauen haben. Und Muskulatur produziert Wärme. Außerdem ist die Durchblutung bei Männern und Frauen unterschiedlich. Wenn es kälter wird, bleibt die Wärme bei den Frauen in der Körpermitte und das bedeutet: kalte Hände und Füße. Das sind Durchschnittswerte, das Frieren ist immer individuell und es kommt auch durchaus vor, dass kleine, dünne Männer vielleicht eher frieren als zum Beispiel große, muskulöse Frauen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr3, "hr3 am Nachmittag", 11.01.2019, 13:30 Uhr

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