Therapiehund Emma
Von klein auf ist Labrador Emma als Therapiehund im Einsatz. Bild © Ivana Seger

Seit 10 Jahren hilft Ivana Seger mit ihrem Therapiehund Emma Sterbenden und Schwerkranken dabei, sich zu entspannen. Für die Patienten ist eine Stunde an der Seite der Hunde oft wirksamer als Medizin.

Mit ihren großen braunen Augen und ihrer ruhigen, freundlichen Art gewinnt Emma sofort alle Herzen: Die 10-jährige Labradorhündin ist von klein auf als Therapiehündin im Einsatz. Seit 2010 besucht sie mit ihrem Frauchen Ivana Seger regelmäßig das Kinderhospiz "Bärenherz" in Wiesbaden. Seit dem vergangenen Jahr haben Ivana und Emma dabei Unterstützung von Hündin Sissi.

Bei ihren Besuchen im Kinderhospiz geht es vor allem um eins: Entspannung. "Viele denken, wenn wir mit den Hunden ins Kinderhospiz gehen, dass die Kinder mit den Hunden spielen, aber das ist nicht der Fall", erklärt Ivana. Die Hunde legen den Patienten den Kopf auf den Schoß oder legen sich sogar zu ihnen ins Bett. Dadurch entsteht eine tiefe Entspannung bei den Kranken, die sonst nicht möglich wäre.

"Hunde akzeptieren jeden, wie er ist"

Wenn Patienten im Krankenhaus an Messgeräten hängen, sei auf dem Monitor sichtbar, dass bei engem Kontakt mit den Hunden nach etwa einer Minute der Puls runtergehe und die Sauerstoffsättigung steige, beschreibt Ivana. Wenn ein Mensch sich daneben lege, gebe es nicht den gleichen Effekt. "Ich würde so gern erklären, was da passiert, aber ich kann es nicht." Sie vermutet, dass das warme Fell der Hunde und die Ruhe, die sie ausstrahlen, zu dieser Entspannung beitragen. Und: Hunde sind wertfrei. "Sie stecken niemanden in Schubladen. Davor braucht man also keine Angst haben. Die Hunde akzeptieren jeden, wie er ist."

Therapiehund Emma
Emma ist sehr freundlich und menschenbezogen. Mit ihrer Ruhe sorgt sie dafür, dass Schwerkranke sich entspannen. Bild © Ivana Seger

Auch Stefanie Marques setzt auf die Ruhe, die von den Therapiehunden ausgeht. Ihre zwei Söhne Alessandro, 9 Jahre, und Marcos, 11 Jahre, sind schwer behindert. Sie haben seit ihrer Geburt Mitochondriopathie. Diese Krankheit entsteht durch eine Fehlfunktion oder Schädigung der Zellorganellen im Körper. Der Stoffwechsel funktioniert deshalb nicht gut, auch das Gehirn und die Muskulatur sind davon stark betroffen. In der Regel sterben Kinder mit einer solchen Krankheit in der Pubertät.

Zwei Tage ohne Schmerzen

Alessandro und Marcos können sich nicht bewegen, nicht sprechen, sie haben oft Schmerzen und weinen dann leise. Sie leben zu Hause. Mit dem Rollstuhl kommen sie tagsüber in eine besondere Schule, in der sie betreut werden. Wenn es einem der Jungen sehr schlecht geht, kann die Familie ins Kinderhospiz Bärenherz gehen. Mutter Stefanie beschreibt: "Die Krankheit meiner Kinder ist sehr stark geprägt von Krisen. Bei Marcos drückt es sich dadurch aus, dass er sehr verschleimt ist und stark würgt, nichts bei sich behalten kann, nicht schlafen kann, sehr viel jammert und schreit. Und Emma sorgt dafür, dass er über zwei Tage hinweg keine Schmerzen mehr hat und für sich zur Ruhe kommt. Dadurch ist die Krise schneller vorbei."

Therapiehund Emma und Alessandro
Wenn es dem 11-jährigen Alessandro schlecht geht, kommt ihn Therapiehund Emma besuchen. Sie legt sich zu ihm ins Bett, wodurch er schnell ruhiger wird. Bild © Andrea Bonhagen (hr3)

Emma kommt seit über fünf Jahren zu Alessandro und Marcos. Normalerweise würden die Jungs so eine große Nähe gar nicht zulassen. Für ihre Mutter ist es umso berührender, wenn sie sieht, welche Wirkung der Labrador auf ihre Söhne hat: "Ich bin wirklich niemand, der nah am Wasser gebaut ist, aber da habe ich dann durchaus auch mal Tränchen in den Augen. Emma schafft Dinge, die Medikamente nicht schaffen." Für sie ist klar: Die Hundetherapie sollte von Ärzten verschrieben werden können wie Arzneimittel. Für Ivana wünscht sie sich außerdem mehr Anerkennung: "Es wäre schon echt schön, sie müsste es nicht ehrenamtlich machen. Ihre Arbeit hilft vielen Kindern, nicht nur meinen."

Weitere Informationen

Über "Emma hilft"

"Emma hilft" ist eine Einrichtung in Flörsheim, die mit Hundebesuchen Sterbenden und Schwerkranken hilft, sich zu entspannen. Gründerin Ivana Seger hat zwei Labrador-Hunde trainiert, Emma und Sissi. Sie sind am Tag nicht länger als zwei Stunden im Dienst. Dann machen sie unaufgefordert keine einzige Bewegung. Auf Kommando legen sie Patienten den Kopf auf das Bein, legen sich zu ihnen ins Krankenbett oder nehmen vorsichtig gekochte Karotten aus der Hand der Patienten als Leckerli. Manche Menschen blühen dann regelrecht auf. Endlich können sie auch wieder etwas geben, endlich geht es nicht immer nur um die eigene Krankheit.

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Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 12.12.2018, 05:00 Uhr

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