EU-Mythen: Was ist wirklich dran an der Gurkenverordnung

Im Verbieten ist die EU scheinbar Weltmeister: krumme Gurken und Bananen, steinerne Bierkrüge und sogar das Dekolleté im Dirndl sind vor der Kommission nicht sicher. Dabei haben sich allerlei Fake-News in die Berichterstattung eingeschlichen. Wir trennen für Euch die Mythen von der Wahrheit.

"Die EU schreibt die Gurkenkrümmung vor"

EU-Mythen

Mit diesem Vorwurf wird die EU-Kommission wahrscheinlich noch sehr lange leben müssen.

Richtig ist: Für eine Salatgurke der höchsten Güteklasse durfte die maximale Krümmung nur 10 Millimeter auf einer Länge von 10 Zentimetern betragen.

Noch richtiger ist: Die Kommission brachte die Verordnung auf Verlangen des Handels auf den Weg. Denn so konnten die Händler mehr Gurken in einem Karton transportieren und gleichzeitig besser berechnen, wie viele Gurken in einen Karton passen. Das spart Kosten. Aufgrund der vielen negativen Schlagzeilen schaffte die Kommsiision die Verordnung bereits 2009 wieder ab. Der Handel hält sich trotzdem dran.

"Die EU verbietet krumme Bananen"

EU-Mythen: Bananen

Brüssel hat dem Handel angeblich auch verboten, Obst mit abnormer Krümmung zu verkaufen – passend zur Gurkenverordnung.

Richtig ist: Die Kommission definierte EU-weite Qualitätskriterien für Bananen. Zuvor hatten die Mitgliedsstaaten sehr unterschiedliche Bestimmungen zur Einfuhr von Bananen. Die EU-Verordnung klassifizierte die Bananen, zum Beispiel anhand ihrer Größe, in europäische Güteklassen. Eine Banane bester Qualität (Klasse Extra) ist demnach mindesten 14 Zentimeter lang, 27 Millimeter dick und weist praktisch keine äußerlichen Schäden oder ungewöhnlichen Wuchs auf.

"Die EU verbietet Bierkrüge aus Steingut"

EU-Mythen: Bierkrüge aus Stein

Das ist nun wirklich ein Aufreger aus dem Bilderbuch: keine Bierkrüge mehr auf dem Oktoberfest? Angeblich wollte die Kommission nur noch Gläser mit Eichstrich erlauben. So konnten Kunden sicher sein, dass ihnen der Wirt nicht zu wenig einschenkt.

Richtig ist: Brüssel verabschiedete eine Richtlinie, die auf neu hergestellte Trinkgläser für Gaststätten abzielte. Bierkrüge aus Stein waren laut der EU-Kommission niemals gemeint, da sie sich sowieso nicht als Messgerät eignen. Aber vor allem war jedem Mitgliedsstaat selbst überlassen, ob er der Richtlinie folgt oder nicht.

"Die EU verbietet Buntstifte und Wasserfarben"

EU-Mythen

Die Regulierungswut der EU-Beamten drohte 2017 Europas Kinderzimmer und Kitas leer zu fegen – zumindest, wenn man einigen Berichten der Presse Glauben schenkte.

Richtig ist: Neue Forschungen hatten ergeben, dass Blei gerade für Kinder viel schädlicher ist, als bis dahin angenommen. Bereits geringe Spuren können demnach neurologische Schäden verursachen. Von den Mitgliedstaaten wurden daher strengere Grenzwerte beschlossen.

Richtig ist auch: Etwa 20 bis 30 Prozent der Fingerfarben, Bunstifte und Wasserfarben hielten die neuen Grenzwerte 2017 nicht ein. Die verschärften Grenzwerte traten am 01. Januar 2018 in Kraft. Seitdem wurden keine Beschwerden mehr über die schärferen Grenzwerte laut.

"Die EU verbietet das Dirndl-Dekolleté"

EU-Mythen

Die EU-Kommission hat es offenbar besonders auf die Bayern abgesehen: Das Dirndl-Dekolleté sollte 2010 angeblich der EU-Richtlinie zum Schutz vor optischer Strahlung zum Opfer fallen.

Richtig ist: Die Richtlinie soll Arbeitnehmer vor potentiell gefährlicher Strahlung wie zum Beispiel UV-Licht schützen. Arbeitgeber können die Arbeitsschutzvorschrift aber auch erfüllen, indem sie die Benutzung von Sonnencreme empfehlen oder gleich welche bereitstellen.

Sendung: hr3, "hr3 am Samstagnachmittag", 25.05.2019, 10:20 Uhr

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