DKMS
Dieses Plakat der DKMS zeigt, wie einfach eine Typisierung ist – gemäß dem Slogan "Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein". Bild © picture-alliance/dpa

Während der hr3 Morningshow meldeten sich zahlreiche Hörer und wollten mehr wissen zur Stammzellspende. Wie alt dürfen Spender sein? Ist die Spende gefährlich? Und wie kann man noch helfen? Professor Christian Seidl von der Deutschen Stammzellspenderdatei beantwortet Eure Fragen.

  1. Was ist der Unterschied zwischen Knochenmark- und Stammzellenspende?
  2. Muss ich mich mehrfach registrieren?
  3. Was ist wenn ich umziehe? Muss ich meine Adressänderung angeben?
  4. Warum darf ich ab 60 jahren keine Stammzellen mehr spenden?
  5. Was ist, wenn ich mal Krebs hatte?
  6. Ich habe Diabetes, darf ich spenden?
  7. Was, wenn ich mal eine Tropenkrankheit hatte?
  8. Warum werde ich abgelehnt, wenn ich Tabletten nehme?
  9. Dürfen Kinder auch spenden?
  10. Ist die Stammzellspende gefährlich?
  11. Was passiert nach der Registrierung?
  12. Muss ich mir zum Spenden Urlaub nehmen?
  13. Muss man zum Spenden in ein besonderes Krankenhaus?  
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So werdet Ihr Spender

Auf der Webseite der DKMS könnt Ihr Euch als Stammzellenspender registrieren. Ihr erhaltet im Anschluss daran das Registrierungs-Set per Post. Mit den beigelegten Wattestäbchen macht Ihr einen Abstrich Eurer Wangenschleimhaut und schickt das Set wieder an die DKMS zurück. Dort werden Eure Merkmale überprüft und in einer Datenbank abgespeichert. Ihr steht dann sofort als Spender zur Verfügung.

Leider können wir das Thema nicht in seiner gesamten Bandbreite behandeln. Aber mit einem Anruf bei der kostenlosen Hotline der Deutschen Stamzellspenderdatei könnt Ihr Euch Klarheit verschaffen: 0800 100 40 66

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Was ist der Unterschied zwischen einer Knochenmarkspende und einer Stammzellenspende?

"Das ist tatsächlich gehupft wie gesprungen. Das muss man so verstehen: Unser blutbildendes System wird durch die Stammzellen gesteuert. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Daher ist es nur eine begriffliche Variation, wenn man sagt, man ist in einer Stammzellenspenderdatei oder in einer Knochmarkspenderdatei registriert."

Wenn ich mich bei einer anderen Spenderdatei habe registrieren lassen, muss ich mich bei allen anderen auch registrieren?

"Nein. Die Daten aller Dateien in Deutschland – das sind etwa 30 verschiedene – sind im Zentralen Knochenmarkspende-Register in Ulm gespeichert."

Was ist, wenn ich umziehe? Muss ich meine Adressänderung angeben? Oder passiert das automtatisch?

"Das ist eine sehr wichtige Frage. Zwar sind die primären Daten gesichert. Aber wir müssen uns bei einem Umzug des Spenders auf dessen Zuruf verlassen. Für die Ummeldung haben wir extra Möglichkeiten auf unseren Internetseiten geschaffen. Wir schreiben unsere Spender auch regelmäßig an, um Kontakt zu halten. Dabei verschicken wir auch eine Karte, über die man sich ummelden kann."

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Spendernummer gut aufheben!

Übrigens: Falls Ihr mal vergesst, in welcher Spenderdatei Ihr Euch registriert habt, lässt sich das recht einfach über Eure Spendernummer herausfinden – die gilt ein Leben lang. Also hebt sie Euch gut auf!  

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Warum darf ich ab 60 Jahren keine Stammzellen mehr spenden?

"Der Hauptgrund hierfür ist, dass sich die Stammzelle immer wieder teilt, um unser Blutsystem zu bilden. Auch die Stammzelle unterliegt wie unser gesamter Körper einem Alterungsprozess. Das heißt, wenn ein 60-Jähriger einem Kind Stammzellen spendet und das Kind wird 80 Jahre alt, dann sind die Stammzellen des Spenders ungefähr 120 Jahre alt. Das ist wahrscheinlich die maximale Lebenslänge einer Stammzelle."

Was ist, wenn ich mal Krebs hatte, jetzt aber geheilt bin – darf ich spenden?

"Wenn man an Krebs erkrankt ist, ist man leider von der Stammzellspende ausgeschlossen. Wir wollen die Spender maximal schützen. Die Spender, die in Betracht kommen, sollen hundertprozentig gesund sein. Das umfasst dann aber auch selbst die Patienten, die eine ausgeheilte Krebserkrankung haben. Die können helfen, indem sie zum Beispiel eine Geldspende leisten. Mit einer Spende von 20 oder 40 Euro kann man genauso gut wie mit einer Registrierung helfen."

Wie ist es mit Diabetes Typ 1?

"Das geht leider auch nicht, wieder aus dem Grund des Spenderschutzes. Auch hier haben wir letztlich eine Erkrankung vorliegen. Wir schließen aus Sicherheitsgründen verschiedene Gruppen von Erkrankungen aus: Autoimmunerkrankungen, Diabetes-/ Zuckererkrankungen, Rheuma, Herz- und auch manche manche Darmerkrankungen. Aber hier gilt das Gleiche: Wenn man Interesse hat, dann eine Patenschaft übernehmen, 20 bis 40 Euro spenden. Das hilft auch."

Was, wenn ich mal eine Tropenkrankheit hatte?

"Wenn man eine Tropenkrankheit hatte, sollte man sich untersuchen lassen. Hoffentlich wissen diejenigen, welche Erkrankung das ist. Vom Grundsatz her muss man leider auch sagen, dass Menschen, die eine Tropenkrankheit durchgemacht haben, nicht als Stammzellspender in Frage kommen."

Warum werde ich abgelehnt, wenn ich Tabletten nehme?

"Man muss immer berücksichtigen, welche Art von Tabletten das sind. Wenn das zum Beispiel Tabletten sind, um Herzkreislauf-Schwächen zu behandeln oder Infektionskrankheiten, dann ist die Grunderkrankung der Ausschlussgrund nicht die Tablette alleine. Die Tablette kann man ja eventuell zum Zeitpunkt der Spende nicht einnehmen. Es geht darum: Ist der Spender gesund oder ist er nicht gesund." 

Was ist mit meinen Kindern? Können die auch Spender sein?

"Das Registrierungsalter beginnt mit 18 Jahren. Man kann seine Kinder also nicht registrieren lassen. Aber es ist denkbar, dass ein Kind seine Stammzellen einem anderen Kind spenden kann – aber zunächst nur innerhalb der Familie. Eine Regel besagt, dass 25 Prozent der Kinder genetische Zwillinge sind und sich daher auch gegenseitig Stammzellen spenden könnten."

Ist die Stammzellspende gefährlich und wie läuft das ab?

"Gefährlich ist es nicht. Das wissen wir aus vielen Beobachtungen und Daten, die wir erhoben haben. Es ist noch kein Spender zu Schaden gekommen. Wir legen einen sehr hohen Wert darauf, dass der Spender topfit ist. Jeder Spender wird deswegen auch nochmal vor der konkreten Spende untersucht.

Die Spende läuft unterschiedlich ab. Wenn ich Knochenmark spende, was seltener der Fall ist, wird dies unter Narkose durchgeführt. Der Beckenkammknochen wird mit einer Nadel punktiert und dort das Knochenmark entsprechend herausgezogen. Danach kann der Spender sich ausruhen. In der Regel wird er schon am selben Tag entlassen. Er wird aber sicherlich ein paar Schmerzen spüren, vielleicht einen blauen Fleck. So als ob er beim Schlittschuhfahren mal ordentlich hingefallen ist.

Bei der peripheren Blutstammzellspende ist der Vorgang anders. Da müssen wir die Stammzellen dazu bewegen, aus dem Knochenmark heraus in das periphere Blut zu treten. Zu dieser Stimulation gibt man ein Hormon, das sich GCSF nennt. Die darauffolgenden Symptome sind mit einer Grippeinfektion vergleichbar, also: Gliederschmerzen, vielleicht ein bisschen Fiebrigkeit. Das Medikament wird einige Tage im Vorfeld gegeben. Danach wird der Spender in der Einrichtung an ein Gerät angeschlossen, das sehr an Geräte bei der Blutspende erinnert. Meistens bekommt man an beiden Armen eine Punktion, damit das Blut durch eine Art Filter läuft, der die Stammzellen abfangen soll. Der Vorgang dauert etwa drei Stunden, danach ist die Stammzellspende beendet.

Grundsätzlich fühlen sich die Spender bei diesem Vorgang nicht unwohl. Natürlich liegen sie drei Stunden lang im Bett. Die Grippesymptome ebben ab, man sagt sie verlieren sich. Von der Blutmenge her ist es durchaus vergleichbar mit einer Blutspende."    

Was passiert nach der Registrierung?

"Wenn ein Spender die Stäbchen zu uns schickt, bestimmen wir zunächst die sogenannten Gewebemerkmale. Das sind die entscheidenden Merkmale, um seinen genetischen Zwilling überhaupt finden zu können. Die werden dem Spender aber nicht direkt mitgeteilt, sondern umgehend in das Zentrale Knochenmarkspender-Register in anonymisierter Form über die Spendernummer gemeldet. Die Daten stehen dann über ein sehr komplexes elektronisches System allen Patienten zur Verfügung, die nach einem Spender suchen.

Die Datei meldet sich in regelmäßigen Abständen bei dem Spender und fragt eventuell nach der aktuellen Adresse. Wenn jemand erkrankt ist, den er oder sie retten könnten, nehmen wir auf jeden Fall sofort Kontakt auf."     

Wenn ich zum Spenden aufgerufen werde, muss ich mir Urlaub nehmen oder werde ich krankgeschrieben?

"Es gibt eine Bescheinigung, die wir für den Arbeitgeber ausfertigen. Der Arbeitgeber stellt den Spender frei. Von uns bekommt der Spender eine Unfallversicherung und auch einen Verdienstkostenausfall."

Muss man zum Spenden in ein besonderes Krankenhaus?  

"Im Regelfall muss man schon in ein besonderes Krankenhaus gehen, aber dazu zählen alle großen Universitätskliniken. Auch alle großen Krankenhäuser bieten in der Regel die Möglichkeit, insbesondere periphere Stammzellen zu spenden."  

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Mehr zum Thema:

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Sendung: hr3, "hr3 Morningshow", 12.02.2019, 05:00 Uhr

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