Kind im Auto, Kindersitz
In Kassel wurde ein Zweijähriger über 20 Minuten in einem heißen Fahrzeug gelassen. Bild © picture-alliance/dpa

In Lohfelden haben Polizisten einen weinenden Zweijährigen aus einem Auto gerettet, das in der prallen Sonne stand. Sein Vater ließ ihn dort für mindestens 20 Minuten alleine. Was zu tun ist, wenn Ihr Zeuge einer solchen Situation werdet:

Wie die HNA berichtet, hatte eine Zeugin am Montagvormittag die Polizei in Kassel verständigt, nachdem sie einen schreienden, zweijährigen Jungen in einem Auto entdeckt hatte. Laut Polizeisprecher Matthias Mänz habe der Junge laut geschrien, das Fenster sei nur einen schmalen Spalt offen gewesen.

Die Polizei habe die Scheibe des Autos heruntergedrückt, um so die Tür öffnen und den Jungen befreien zu können. Der Junge wurde umgehend in den Schatten gebracht und mit Wasser versorgt. Sein Rücken sei zwar stark geschwitzten, eine ärztliche Behandlung aber glücklichweise nicht notwendig gewesen.

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Ein ähnlicher Fall hat sich am Mittwoch in Hofheim (Main-Taunus) zugetragen: Ein Mann hat seine beiden Hunde über mehrere Stunden im verschlossenen Auto zurückgelassen. Als er zurückkam, war einer der beiden bereits gestorben, der andere wurde in einer Tierklinik notfallmedizinisch behandelt. Die Tierärzte haben ihm damit möglicherweise das Leben gerettet.

Ende der weiteren Informationen

Der Vater kam etwa 10 Minuten später zum Auto zurück. Er behauptete, seinen Sohn nur kurze Zeit alleine gelassen zu haben - laut Polizei müsste es sich jedoch um mindestens 20 Minuten gehandelt haben. Dem 33-Jährigen wurde nun von der Kasseler Polizei eine Strafanzeige wegen Aussetzung und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassung vorgelegt. Auch das Jugendamt wurde über den Vorfall informiert.

Hitze im Auto hr3 Grafik
Unsere Grafik zeigt die Hitze-Entwicklung im Auto. Bild © hr3

Wenn Ihr selbst Zeuge eines solchen Falls werdet

Wenn Ihr ein Kind - oder vielleicht auch einen älteren Menschen oder ein Haustier -alleine in einem aufgeheizten Auto seht, seid Ihr zur Hilfeleistung verpflichtet. Das bedeutet: Sofort den Rettungsdienst unter 112 anrufen!

Je nachdem, wie es dem Kind geht, müsst Ihr gegebenenfalls selbst handeln und das Auto öffnen. Vergewissert Euch vorher aber unbedingt, dass das auch notwendig ist. Allgemein gilt nämlich: Das Öffnen eines fremden Autos oder Einschlagen der Scheibe ist Sache der Polizei - und wenn Ihr selbst tätig werdet, ist das Sachbeschädigung.

Wenn das Kind allerdings in einer lebensbedrohlichen Situation und beispielsweise bewusstlos ist, gilt das als Notstandslage und Ihr dürftet das Auto aufbrechen. Wer den Schaden schließlich zu bezahlen hat, ist eine zivilrechtliche Angelegenheit. Im Zweifel steht die Absicht ein Leben zu retten aber über der Beschädigung von Eigentum.

Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 18.07.2018, 10:00 Uhr

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