Rainer Erlinger
Rainer Erlinger kennt sich aus in Gewissensfragen. Bild © Peter Langer

Ungleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau. Sollte man diesen Missstand ansprechen oder doch eher nicht? Moralkolumnist Reiner Erlinger findet:

"Sie fragen sich, ob Sie Ihre Stillschweingensvereinbarung brechen dürfen – zumindest bis in das dann wohl weniger bange als vielmehr verärgerte Ohr Ihrer Kollegin. Gerechtfertigt wäre das, wenn Sie damit einen Missstand abstellen können, besonders dann, wenn das Stillschweigen in erster Linie dazu dient, den Missstand zu ermöglichen.

Trifft das hier zu? Ein Personalverantwortlicher eines großen Unternehmens sagte mir, das ungeschriebene Gesetz, die Höhe seines Gehaltes für sich zu behalten – wenn sie sich nicht ohnehin aus Tarifverträgen ergibt -, diene in erster Linie dem Betriebsfrieden. Die Veröffentlichung der außertariflichen Gehaltslisten könnte vermutlich ganze Firmen zur Explosion bringen. Jedoch würden tatsächlich nach wie vor Frauen bei der Bezahlung benachteiligt, was leichter fällt, wenn es nicht publik wird. Daneben gebe es aber auch eine Reihe von sachlichen Gründen für vermeintlich unerklärliche Gehaltsunterschiede: vom simplen Verhandlungsgeschick bis hin zur unterschiedlichen Einschätzung des Entwicklungspotenzials des oder der Angestellten.

Woran es in diesem Fall liegt, kann man von außen letztendlich nicht beurteilen. Aber Ihr Anliegen, Diskriminierung zu verhindern, hat hohes moralisches Gewicht. Deshalb halte ich es für vertretbar, das Lied der Lerche in der Morgendämmerung der Gleichberechtigung zu singen."

Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 12.11.2018, 05:00 Uhr

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