Das Getreide lässt in der heißen Mittagssonne die Ähren hängen
Hitzewelle in Hessen: Das Getreide lässt in der heißen Mittagssonne die Ähren hängen Bild © Imago

Deutschland erlebt aktuell eine ungewöhnliche Hitzewelle. Doch nicht nur wir sind am Schwitzen. Auch in Amerika, Russland und ganz im Norden - wo es normalerweise kalt ist – ist es sehr warm. Wir haben mit hr3-Wetterexperte Tim Staeger über das aktuelle Wetterphänomen gesprochen.

Seit Wochen ist es bei uns fast unerträglich heiß und trocken. Lange Zeit war keine Änderung in Sicht, zum Ende der Woche soll zum Glück die langersehnte Abkühlung kommen. Doch warum dauert die Hitzewelle schon so lange an? Das liegt an dem sogenannten Jetstream, erklärt uns hr3-Wetterexperte Tim Staeger: "Das ist eine Art Starkwindband in etwa zehn Kilometer Höhe rund um den Globus in der Nordhalbkugel. Aktuell befindet er sich in einem stationären Zustand und bewegt sich nicht von der Stelle. Das heißt, die Hoch- und Tiefdruckgebiete bleiben relativ ortsfest und wir haben das Hochdruckgebiet mit dieser Trockenheit und viel Sonne direkt über uns."

Klimaforscher warnen vor Heißzeit

Zitat
„Es wird häufiger diese Hitzesommer geben. Darauf müssen wir uns in den nächsten Jahren und Jahrzenten einstellen.“ Zitat von Wetterexperte Tim Staeger
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So einen heißen und trockenen Sommer könnte es in Zukunft öfters geben. Klimaforscher warnen sogar vor einer Heißzeit, also dass sich die Erderwärmung nicht mehr aufhalten lässt. Aber was heißt das genau? "Das ist ein Prozess, der sich selbst verstärkt und uns in einen Zustand bringt, an dem es keine Rückkehr mehr gibt. Und dieser Zustand könnte dann einen weiteren Domino-Stein umstoßen", erzählt der Wetterexperte im Gespräch mit hr3. Ein mögliches Szenario ist: Die Arktis erwärmt sich weiter und das führt dazu, dass Permafrostböden schneller auftauen. Dadurch wird Methan freigesetzt - ein Treibhausgas - und es wird noch wärmer. Eine Erwärmung könne dann nicht mehr so schnell rückgängig gemacht werden, so Staeger.

Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen

Und in der Tat, die Temperaturen sind seit 1985 weltweit stark angestiegen. Wissenschaftler befürchten, der laufende Prozess lasse sich nicht mehr so leicht umkehren. Es gibt aber noch Hoffnung: Nach aktuellem Erkenntnisstand geht man davon aus, dass sich das Klima in einen neuen Gleichgewichtszustand einpendeln kann, wenn wir es schaffen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Schaffen wir das nicht, dann drohe über viele Jahrhunderte ein galoppierender Treibhauseffekt und dessen Risiken seien nur schwer abzuschätzen, sagt der Wetterexperte.

Wenn die Heißzeit kommt, was dann?

Dann würde sich das Klima in Deutschland extrem ändern und die Temperaturen wären vergleichbar mit Südeuropa oder sogar Nordafrika, meint Tim Staeger. Auch die Wetterextreme würden zunehmen: Dürre, Starkregen, schwere Gewitter, Stürme. Es gibt Klimamodelle, die die Erderwärmung zwischen zwei bis fünf Grad bis Ende des Jahrhunderts einschätzen. Wenn man bedenkt, dass es bei der letzten Eiszeit "nur" fünf Grad kälter war und die Gletscher dort bis vor die Tore des heutigen Berlins reichten, dann weiß man: Das Leben in Deutschland wäre ein ganz anderes, so Wetterexperte Tim Staeger.

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Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 09.08.2018, 05:00 Uhr

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