Juicer Burak begutachten ihre Beute.

Burak arbeitet als sogenannter "Juicer". Er sammelt nachts die E-Scooter mit aufgebrauchten Akkus ein, hängt sie an die Ladestation und liefert sie anschließend wieder aus. Christian Kaempfert hat ihn eine Nacht begleitet und festgestellt: Das ist ein verdammt harter Job.

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zum Video Mit "Juicer" Burak unterwegs auf Frankfurts Straßen

Eine Nacht mit "Juicer" Burat
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Burak hat ungewöhnliche Arbeitszeiten. Dann, wenn es dunkel wird und sich in Frankfurt die Straßen langsam leeren, beginnt seine Schicht. Als sogenannter Juicer ist er nachts unterwegs, um E-Scooter mit niedriger Akkuladung einzusammeln.

In dieser Nacht hat er Unterstützung: Christian Kaempfert aus der Kate Menzyk Show begleitet ihn auf seiner Tour durch die Stadt.

Ohne Handy geht gar nichts

Buraks wichtigstes Arbeitsgerät ist sein Handy. Eine spezielle App zeigt ihm an, wo E-Scooter stehen und welchen Akkustand sie haben. So kann er seine Route planen. Damit sein Smartphone ihn nicht im Stich lässt, hat er immer eine Powerbank dabei, mit der er es im Notfall bis zu achtmal aufladen kann.

Der Juicer darf nur E-Roller einladen, die zu 50 Prozent oder weniger geladen sind. Durch das Scannen eines QR-Codes entsperrt er die Roller, sodass er sie in seinen langen, weißen Lieferwagen laden kann. Ein ungewöhnliches Bild, stellt Christian Kaempfert fest: "Das sieht ja so aus, als würdest du die klauen!"

Jeder E-Tretroller bringt Geld

Und tatsächlich wird Burak öfter angesprochen, was er denn da tue – auch schon von der Polizei. "Ich mache dann immer einen Gag draus und sage: 'Einer muss sie doch klauen'", lacht er.

Tatsächlich bekommt er aber Geld dafür, dass er die E-Roller einsammelt und zur Ladestation in einer Lagerhalle bringt. Pro eingesammeltem E-Scooter sind das etwa 2,50 Euro bis 3 Euro. "So ab 60 bis 80 Rollern bleibt finanziell was hängen", erklärt er. 60 Roller pro Nacht seien dabei "locker machbar".

"Man muss schnell sein"

Allerdings herrscht unter den Juicern ein richtiger Wettkampf, berichtet Burak Christian Kaempfert. "Das ist jetzt kein Kampf mit Beil, aber man muss schnell sein und die Roller immer vorher in der App reservieren, sonst schnappt einer die weg."

Manchmal sind die Roller aber auch so gut versteckt, dass sie gar nicht auf den ersten Blick zu entdecken sind. "Das ist wie eine Art Schnitzeljagd", sagt Burak. Er hat schon Roller in Hinterhöfen, Skateparks, im Gebüsch und sogar auf einem Blitzerkasten gefunden.

Manche E-Scooter sind richtig versteckt

Teilweise werden sie auch im Aufzug in Häuser mitgenommen, obwohl das gar nicht erlaubt ist. "Ich glaube, manche würden sie am liebsten mit ins Wohnzimmer nehmen", so Burak. Aber so lassen sie sich für den nächsten Tag "reservieren".

Wenn er einen E-Scooter mal gar nicht findet, kann er ihn über die App "anklingeln". Dann wird ein akustisches und sogar ein Lichtsignal ausgesendet. Wenn sein Lieferwagen voll ist, fährt er zur Lagerhalle und schließt die E-Tretroller an die Ladestation an.

Feierabend um 7 Uhr morgens

"Genauso wie wir unsere Handys aufladen", stellt Christian Kaempfert fest. In den zwei bis zweieinhalb Stunden, in denen die Roller laden, legt sich auch Burak kurz hin – die eigenen Akkus aufladen.

Am Morgen lädt Burak die frisch geladenen E-Scooter wieder in seinen Lieferwagen und stellt sie zurück auf die Straße. Zwischen 07:00 Uhr und 07:30 Uhr kommt er zuhause an. "Ich schlafe dann auch immer direkt ein und habe nicht mal Zeit zum Essen. Ich leg' mich ins Bett und fünf Minuten später träume ich schon", lacht er.

Krafttraining braucht Burak keins mehr

Juicer-Halle

Kein Wunder: Ein E-Scooter wiegt 25 Kilo. Christian Kaempfert schnauft schon nach wenigen E-Tretrollern. "Das geht richtig auf die Muskeln, wenn du dir vorstellst, du lädst so 60, 70 Stück am Tag in den Transporter, zum Aufladen wieder raus, dann wieder in den Transporter und wieder raus, wenn du sie in die Stadt fährst. Das sind schon 6, 7 Tonnen, die du am Tag bewegst", rechnet Burak aus.

In seiner ersten Woche als Juicer hatte Burak ganz schön damit zu kämpfen. "Da hab ich sogar manchmal noch im Auto geschlafen, weil ich so kaputt war." Mittlerweile habe er sich aber daran gewöhnt. Christian Kaempfert bräuchte wohl noch ein paar solcher Nächte, um das von sich sagen zu können...

Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 21.10.2019, 05:00 Uhr

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