Strafzettel auf Windschutzscheibe
Bild © picture-alliance/dpa

Es gibt Urlaubs-Souvenirs, über die freut man sich noch lange. Strafzettel gehören sicherlich nicht dazu. In den Mülleimer werfen solltet Ihr sie trotzdem nicht. Wir erklären Euch, was im Fall der Fälle zu tun ist!

Es gibt sichere schönere Urlaubsfotos als das aus dem Blitzer. Was aber tun, wenn es trotzdem passiert - und plötzlich ein Bußgeldbescheid aus dem Ausland im Briefkasten liegt? Wir haben uns das einmal genauer angeschaut.

Muss ich überhaupt zahlen?

Ja! Seit 2010 können Strafen aus dem EU-Ausland auch in Deutschland noch nachträglich vollstreckt werden – und viele Verkehrsverstöße werden außerhalb von Deutschland deutlich härter geahndet. Wer zum Beispiel in Italien 20km/h zu schnell unterwegs ist, muss mindestens 170 Euro blechen, in Norwegen sind es sogar mindestens 420 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland werden „nur“ 35 Euro fällig.

Allerdings sind die einzelnen EU-Staaten bei der Vollstreckung der Bußgelder unterschiedlich konsequent. Vollstrecken bedeutet hierbei: Wenn der Betroffene nicht freiwillig zahlt, kann das Geld eingetrieben werden. Griechenland zum  Beispiel hat den entsprechenden EU-Beschluss noch gar nicht umgesetzt – und griechische Bußgelder werden hierzulande gar nicht vollstreckt. Gleiches gilt für Strafzettel aus der Schweiz.

Ab wann muss ich zahlen?

Strafen aus dem EU-Ausland werden erst ab 70 Euro vollstreckt. Das bedeutet aber nicht, dass das Knöllchen alleine so hoch ausfallen muss. Auf das Bußgeld werden nämlich die Verwaltungskosten aufaddiert – und dann können auch Strafen geahndet werden, die deutlich unter 70 Euro liegen.

Die Österreicher bitten sogar noch früher zur Kasse: Wer sich bei den Nachbarn ein Bußgeld einhandelt, muss schon ab 25 Euro zahlen.

Wächst so auch mein Punktekonto in Flensburg?

Nein, es werden nur Geldbeträge eingetrieben. Euer Punktekonto in Flensburg könnt ihr demnach auch nur in Deutschland „aufstocken“. Punkte, die ihr anderswo sammelt, wandern auf das jeweilige Landeskonto. Auch ein im Ausland fälliges Fahrverbot ist nur in dem Land umsetzbar, in dem es zum Verstoß kam.

Und wenn ich nicht zahle?

Laut ADAC ist es ratsam, das Knöllchen freiwillig zu zahlen. Wer zügig überweist, bekommt teilweise sogar Rabatte von bis zu 50 Prozent gewährt. Besonders großzügig sind zum Beispiel Frankreich, Italien und Spanien.

Reisende, die einen offenen Bußgeldbescheid im Ausland haben, können außerdem bei der nächsten Einreise eingefordert werden. Das kann dann schon bei der Passkontrolle am Flughafen oder bei einer Verkehrskontrolle der Fall sein. Bis so ein Bußgeldbescheid im Ausland verjährt, dauert es nämlich seine Zeit. In Italien etwa kann er bis zu fünf Jahre nach dem Vergehen eingefordert werden.

Wer sich unsicher ist, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht, sollte gemeinsam mit einem Anwalt auf das Schreiben schauen. Das gilt besonders, wenn die Bußgeldforderung von einem privaten Inkassobüro kommen. Die beziehen sich zwar häufig auf den EU-Rahmenbeschluss – der gilt aber nur für Behörden. Also im Zweifel nochmal mit einem Experten draufschauen!

Sendung: hr3, "hr3 Vormittag", 13.07.2018, 09:30 Uhr

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