Szene aus dem Tatort "Das verschwundene Kind"

Im Tatort mit Charlotte Lindholm "Das verschwundene Kind" behauptet die 15-jährige Julia, sie habe während der ganzen neun Monate nicht gemerkt, dass sie schwanger ist. Geht das wirklich?

Darum geht's

Ein junges Mädchen bekommt in einer völlig runtergekommenen alten Schulumkleide ein Kind. Alleine und natürlich unter furchtbaren Schmerzen. Bis zuletzt kann sie sich nicht erklären, woher die Schmerzen – die ja eigentlich Wehen sind – kommen. Das sehen zwar wir Zuschauer, Ermittlerin Charlotte Lindholm tappt allerdings erst mal im Dunkeln. Bis sie eine Plazenta aus der Schultoilette fischt. Und so geht sie los: Die Suche nach dem Kind und seiner Mutter.

Kann es also wirklich sein, dass eine Frau die eigene Schwangerschaft so lange nicht mitbekommt? Wir haben uns schlau gemacht und Dr. Florian Schumacher gefragt.

Unbemerkte Schwangerschaften sind möglich

Schwangere Frau hält die Hände auf ihrem Bauch

"Das gibt es auf jeden Fall. In der Medizin heißt der Fachausdruck dafür: 'Gravitas suppressalis', verdrängte Schwangerschaft", erklärt Dr. Florian Schumacher im Gespräch mit hr3. Betroffen sind oft Risikogruppen, also Menschen, die Depressionen haben, drogenabhängig sind oder an psychotischen Erkrankung leiden. Aber auch Frauen, die keine Vorerkrankungen haben, kann das passieren.

Der Mechanismus ist folgender, beschreibt Schumacher: "Die Lebensumstände passen gerade überhaupt nicht. Die Frauen sind zum Beispiel sehr jung schwanger geworden oder haben Angst vor der Familie und dann verdrängen sie das Ganze und leugnen es schlichtweg." Die Schwangerschaftssymptome werden dann auf andere Beschwerden geschoben: Wenn sich das Kind bewegt, heißt es, "der Magen grummelt" oder wenn der Bauch größer wird, "ich hab ein bisschen Gewicht zugenommen". Die betroffenen Frauen verdrängen den Konflikt in ihr Unterbewusstsein. "Das ist einfach ein Schutzmechanismus unseres Gehirns, wo wir etwas, das wir nicht ertragen können oder nicht wollen, in unser Unterbewusstsein hinschieben", sagt der Experte.

Weitere Informationen

Notfallnummern

  • Hilfetelefon "Schwangere in Not" des Familienministeriums: 0800/ 40 40 020
  • Medizinisches Beratungstelefon von Profamilia Frankfurt: 069 90 744 731
  • Beratungstelefon für Frauen im Schwangerschaftskonflikt von Pro Femina: 0 8000 60 67 67
Ende der weiteren Informationen

Verdrängte Schwangerschaften kommen auch gar nicht so selten vor, selbst wenn die Geburt direkt bevorsteht, weiß Dr. Florian Schumacher: "Patientinnen realisieren ihre Schwangerschaft bis zur Geburt nicht und die Wehen werden dann sogar als Nierenkoliken falsch verstanden. Meistens kommen diese Frauen dann in die Geburtsklinik und dann geht es ratzfatz, weil im Prinzip die Geburt schon voll am Laufen ist."

Auch dem Umfeld fällt die Schwangerschaft nicht immer auf

Dem Umfeld fällt es auch nicht immer auf, wenn eine werdende Mutter ihre Schwangerschaft verdrängt: "Wenn man etwas ins Unterbewusstsein schiebt, dann ist man unbewusst auch Meister der Täuschung. Dann kann es tatsächlich passieren, dass das der Familie oder dem Partner lange Zeit nicht auffällt. Einige Frauen nehmen in der Schwangerschaft auch gar nicht so großartig zu", erklärt Florian Schumacher.

Weitere Informationen

Den Tatort "Das verschwundene Kind" könnt Ihr ab Ausstrahlung in der ARD-Mediathek anschauen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr3, "hr3 am Sonntagmorgen", 03.02.2019, 05:00 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit