Kind lernt

Schulen und Kindergärten sind geschlossen, obwohl gar keine Ferien sind, viele Eltern arbeiten von zuhause. Wie erklärt man diese ungewöhnliche Situation seinen Kindern? Und wie gibt man ihrem Tag trotzdem Struktur? Kinder- und Jugendpsychotherapeut Dr. Christian Lüdke hat praktische Tipps. Seinen Tagesplan zum Download findet Ihr hier.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Julia Tzschätzsch erfährt, wie in Zeiten von Corona ein geregelter Tagesablauf für Kinder aussehen sollte

Julia Tzschätzsch
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Einerseits im Home Office produktiv arbeiten, andererseits die Kinder beschäftigen und dafür sorgen, dass sie nicht nur vor dem Fernseher sitzen – Eltern sind zurzeit ganz schön gefordert.

Kinder- und Jugendpsychotherapeut Dr. Christian Lüdke weiß: "Es ist für alle eine außergewöhnliche und schwierige Situation." Dennoch sei es wichtig, sich als Eltern an die Vorgaben der Behörden zu halten – zum Schutz der eigenen Kinder.

Ein konkreter Tagesplan gibt Sicherheit

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zum Download So könnte Euer Tagesplan aussehen

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"Man muss ihnen sagen, dass keine Ferien sind. Es sollte einen ganz konkreten Tagesplan geben, an den sie sich halten können", erklärt der Psychotherapeut. Der Tag sollte danach aus Lernstunden, Ausruhzeiten und Bewegungs- und Spielphasen bestehen. Lüdkes Vorschlag für einen solchen Tagesplan könnt Ihr Euch hier [JPG - 2mb] herunterladen.

Der strukturierte Tagesablauf vermittelt den Kindern ein Gefühl von Sicherheit und trägt dazu bei, dass sie nicht unterfordert sind. In der ersten Woche sei es bisweilen noch anstrengend, dem Plan zu folgen. "Aber ab der zweiten Woche wird es leichter", so Lüdke.

Eltern müssen sich selbst disziplinieren

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Dabei kommt es laut dem Experten besonders auf unsere Disziplin und Konsequenz als Eltern an. "Kinder brauchen ganz klare Regeln, eine strenge Struktur. Sie müssen wissen, dass Mama und Papa nicht gestört werden dürfen, wenn sie arbeiten."

Unsere Disziplin ist auch dann gefordert, wenn es um soziale Kontakte der Kinder geht: "Man muss ihnen erklären, dass es für alle Kinder gilt, was gerade geschieht und dass sie dadurch auch dazu beitragen, dass dieses Virus gestoppt wird", rät Lüdke.

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Wie erkläre ich meinen Kindern Corona?

"Mit den Kindern sollte man nur dann darüber reden, wenn sie danach fragen", rät Lüdke. Dabei kommt es darauf an, ruhig und sachlich zu bleiben und keine Gefühle zu zeigen. Die würden Kinder nur verunsichern. Der Experte sagt: "Unbedingt die Wahrheit sagen, aber nicht die ganze Wahrheit."

  • Kinder bis 3 Jahre: Nicht darüber sprechen. Sie sollten es nach Möglichkeit nicht mitbekommen.
  • 3-10-Jährige: In diesem Alter ist es besonders wichtig, dass die Eltern gelassen reagieren. "Wenn Mama und Papa ruhig bleiben, überträgt sich das auch auf die Kinder", so Lüdke.
  • Ab 10 Jahren: Mit ihnen kann man laut dem Kinder- und Jugendpsychotherapeuthen reden wie mit Erwachsenen.
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Spielen hilft Groß und Klein

Um Freundschaften dennoch zu pflegen, könne auch mal ein Telefonat – vielleicht sogar mit Video – oder eine WhatsApp-Nachricht herhalten. Wichtig sei dabei vor allem eines: die Kinder dürften die Schutzmaßnahmen niemals als Bestrafung erleben. "Eltern müssen sehr positiv an die Situation herangehen", fordert der Therapeut.

Und wenn einmal alle Stricke reißen? "Wenn Kinder spielen, vergessen sie die Zeit. Man kann sie immer dazu auffordern, zu spielen oder kreativ zu sein. Dann vergeht die Zeit wie im Flug." Daraus könnten auch wir Erwachsene etwas lernen – nämlich wie schön es ist, zu spielen und sich darin zu verlieren.

Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 17.03.2020, 09:30 Uhr

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