Ein umgestürzter Baum auf einem Autodach

Autos, Dächer, Fenster: Bei wechselhaftem Wetter und heftigen Stürmen kann einiges zu Bruch gehen. Da stellt sich die Frage: Wer haftet und wer zahlt das denn jetzt alles? Wir klären auf, welche Versicherung bei welchem Schaden greift.

Abhängig davon, welche Dinge durch das Unwetter beschädigt wurden, greifen unterschiedliche Versicherungen. So hilft die Gebäudeversicherung, wenn zum Beispiel Fensterscheiben zerstört wurden oder Teile des Dachs vom Wind abgedeckt wurden. Bei Schäden an der Einrichtung ist die Hausratversicherung zuständig.

Schwierig wird es, wenn Eure Gartenmöbel vom Gewitter oder Sturm beschädigt wurden. Denn da greifen die klassischen Versicherungen erst einmal nicht. Ausnahme: Eine Markise oder Antennen, die direkt zu Wohnung oder dem Haus gehören, sind mitversichert.

Autoschäden durch Baum und Ast

Bei starkem Sturm fallen nicht selten Äste oder sogar ganze Bäume auf die Straße und treffen dabei ein Auto. In so einem Fall ist es schwierig, den Besitzer des Baumes haftbar zu machen. Nach einem Urteil des Amtsgerichts München (Az. 233 C 16357/14) haften die Eigentümer der Bäume nur, wenn sie ihre Bäume nicht ausreichend kontrolliert haben. Eine Sichtkontrolle einmal im Sommer und einmal im Winter reicht dabei aus. Fahrlässiges Verhalten werdet Ihr dem Baum-Eigentümer also nur schwer nachweisen können.

Kam Euer Auto aber bei einem Sturm mit Windstärke 8 (62 bis 75 km/h) oder höher zu Schaden, dürft Ihr auf die Teilkasko-Versicherung hoffen. Bei niedrigeren Windstärken oder wenn Ihr gegen einen Baum fahrt, der bereits auf der Straße liegt, greift nur die Vollkasko-Versicherung.

Autoschäden durch mobile Verkehrsschilder

Grundsätzlich gilt: Wer mobile Schilder aufstellt, der haftet auch. Das heißt, die Baufirma der Stadt, das Ordnungsamt oder die Umzugsfirma müssen die Schilder so aufstellen, dass sie auch bei starkem Wind nicht umfallen. Je nach Ort gilt diese Regelung für eine Windstärke von acht oder neun. Der Aufsteller hat Verkehrssicherungspflicht und muss das Wetter und seine Schilder im Blick haben.

Ein umgefallenes Verkehrsschild liegt zwischen zwei parkenden Autos

Ab Windstärke zehn wird es allerdings kniffelig, das ist höhere Gewalt. Entscheidend ist: War das Schild vorher richtig aufgestellt? Dann muss der Aufsteller nicht für Schäden aufkommen. Falls nicht, haftet er. Rechtlich gesehen gibt es dafür aber auf Nachfrage beim ADAC Hessen kein allgemeingültiges Urteil. Deshalb macht am besten Fotos, denn es könnte auch ein Dritter schuld sein: Ein Randalierer oder jemand, der ein Schild gut gemeint, aber falsch wieder aufgestellt hat.

Sind umgefallene mobile Schilder noch gültig?

Kann der Fahrer Verkehrsregelungen wegen äußeren Einflüssen nicht erkennen, zum Beispiel wegen Schnee auf dem Schild, dann verlieren sie ihre Wirkung. Allerdings wird von ihm erwartet, dass er sein Umfeld im Blick hat. Wenn Ihr also an einer Stelle parkt, bei der ein Schild auf dem Boden liegt, dann habt Ihr auch eine gewisse Verantwortung zu schauen, was darauf steht.

Schäden durch umgefallene Mülltonnen

Anders als bei Verkehrsschildern, die auf ihre Standsicherheit geprüft werden können, kann man bei Mülltonnen schwer nachweisen, wie die Tonne vorher stand und wem sie gehört. Bei gelben Säcken wird es noch komplizierter, da müsste man den Müll nach Informationen durchsuchen. Da haftet also niemand. Der Rat vom ADAC auf Nachfrage: Bei Sturm noch achtsamer fahren. Extrem-Situationen bringen eben auch Extrem-Fälle mit sich.

Fenster offen und der Versicherungsschutz entfällt

Habt Ihr vergessen, das Fenster zu schließen und jetzt steht Euer Wohnzimmer unter Wasser, weil es dort hinein geregnet hat? In diesem Fall springt die Versicherung nicht ein.

Bei Blitzeinschlägen dagegen ist klar: Den Schaden übernimmt die Versicherung. Ob aber zum Beispiel der Fernseher oder andere elektrische Geräte, die vom Blitz zerstört wurden, abgedeckt sind, ist abhängig von den jeweiligen Vertragsbedingungen. Ihr solltet diesen Punkt in Euren Versicherungsunterlagen unter dem Stichwort "Überspannungsschäden" finden.

Elementarversicherung bei Starkregen

Hochwasser in Hann.Münden

Wenn Euer Keller durch Starkregen voll gelaufen ist, helfen Hausrat- oder Gebäudeversicherung nicht mehr weiter. Denn diese Versicherungen greifen nur bei Schäden durch Leitungswasser. Grundwasser- oder Hochwasserschäden fallen unter die Elementarschadenversicherung. Sie wird zusätzlich zur Gebäudeversicherung angeboten.

Frank Strom von der Firma FinanzAktiv in Bad Nauheim erklärt: "Elementarschäden mitzuversichern kostet im Schnitt noch einmal ein Viertel der Versicherungssumme zusätzlich. Kostet meine Wohngebäudeversicherung 400 Euro, dann kommen also noch einmal 100 Euro dazu." Die Selbstbeteiligung liegt hier meistens bei mindestens 500 Euro oder 10 Prozent des Schadens. Oft ist sie aber auf 5.000 Euro gedeckelt.

Übrigens: Wer einmal durch Hochwasser Schäden zu beklagen hatte und bis dahin keine Elementarversicherung hatte, bekommt diese unter Umständen nur zu sehr teuren Konditionen oder kann sogar zurückgewiesen werden. Hier lohnt sich ein Nachverhandeln mit der Versicherung.

Dachziegel auf dem Auto

Bei Hagelschäden am Auto greift die Teilkasko-Versicherung. Hat der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto geschleudert, muss dafür die Teilkasko des Autohalters aufkommen. Allerdings ist in den meisten Fällen nicht der Neupreis des Fahrzeugs versichert, sondern der sogenannte Zeitwert - der Wert, den das Auto zum Zeitpunkt des Schadens noch besitzt. Man zahlt im Schadensfall die vereinbarte Selbstbeteiligung, wird aber nicht hochgestuft. 

Was tun im Schadensfall?

Meldet Eurer Versicherung den Schaden so schnell es geht - spätestens innerhalb einer Woche. Dabei solltet Ihr natürlich nur wahrheitsgetreue Angaben machen. Dokumentiert die Schäden am besten bevor Ihr aufräumt mit Fotos und macht eine Liste der Dinge, die zerstört oder beschädigt wurden. Wenn Ihr zur Miete wohnt, sagt Eurem Vermieter schnellstmöglich Bescheid. Die Unwetterschäden sind in der Regel Sache des Vermieters und seiner Versicherung.

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Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 12.03.2019, 14:30 Uhr

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