In Mädchen steht an einem Waschbecken in einer Schultoilette. An der Wand zu lesen die "Kloordnung"
Nicht immer ein Ort zum Wohlfühlen: Die Schultoilette Bild © picture-alliance/dpa

Wahrscheinlich kennen wir alle das Problem: Viele Schultoiletten sind dreckig und stinken. Einige Schulen in Hessen wollen das nicht länger hinnehmen und haben Lösungen gefunden. Wie diese aussehen, erfahrt Ihr hier bei uns.

Schultoiletten sind meistens kein Ort, an dem man sich länger aufhalten möchte. Die Wände sind beschmiert, die Toiletten verstopft und auf dem Boden liegt verteilt das Klopapier. Da kommt es schon mal vor, dass die Kinder extra nichts trinken, um ja nicht das Schulklo aufsuchen zu müssen. „Sie trinken teilwiese nichts und dann müssen sie stundenlang auf die Toiletten und konzentrieren sich nicht mehr auf den Unterricht“, beklagt ein Vater aus Frankfurt im Gespräch mit hr3.

Zugang nur mit der Chipkarte

Schultoilette der Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau
Die Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau hat ihre Toilette mit einem Chip-System ausgestattet Bild © Carolin Mann (hr3)

Um den verdreckten Schulklos Herr zu werden, statten einige Schulen ihre Toiletten mit einer elektronischen Zugangskontrolle aus. Die Schüler bekommen einen Chip, mit dem sie die Toilettentür öffnen können. Das System protokolliert, welche Schüler die Toiletten wann genutzt haben. So lassen sich Verschmutzung und Vandalismus auf einen bestimmten Personenkreis einschränken. Das soll für Abschreckung sorgen.

Die Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau hat mit dem Chip-System sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler können sich gegen eine kleine Kaution einen Toiletten-Chip ausleihen. „Die Toiletten werden täglich gesäubert und auch kontrolliert. Und seitdem haben wir wesentlich weniger Probleme“, erzählt Schulleiterin Petra Leutloff im Gespräch mit hr3.

Zehn Cent für den Toilettengang

Ein Schüler hält auf einer Toilette vor einer Reihe von Pissoirs ein 10-Cent-Stück in der Hand.
Die Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain hat mit dem Bezahlsystem für den Toilettengang gute Erfahrungen gemacht. (Symbolbild) Bild © picture-alliance/dpa

Die Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sich für ein anderes Modell entschieden. Sie haben eine Klofrau engagiert, die für Sauberkeit sorgt und Aufsicht führt. Der Toilettengang kostet hier zehn Cent. Daneben gibt es noch kostenfreie Toiletten, die nicht betreut werden. Das Angebot der Bezahltoilette wird nach Angaben der Schulleitung gut angenommen. Die Kosten für die Klofrau werden aus den Einnahmen und einem Zuschuss des Landkreises bezahlt. „Da muss man ehrlicherweise sagen, es ist nicht viel Geld. Es ist eher eine kleine Gebühr, die man abgibt und es macht keinen wirklich arm, zehn Cent abzuliefern. Es hat auch noch keinen Schüler gegeben, der nicht reingelassen wurde. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Betreuerin das ein oder andere Auge hier und da zudrückt. Wegen zehn Cent wird keiner abgewiesen und sie lässt auch anschreiben“, erklärt Schulleiter Matthias Bosse.

Doch nicht alle sind von diesem Konzept überzeugt. In Nordrhein-Westfalen wurde ein ähnliches Projekt gestoppt, weil man das Zweiklassensystem für den Toilettengang nicht dulden wollte. Einige Kritiker sind auch der Meinung, dass sich der Schulträger dadurch aus der Verantwortung zieht und die Kosten auf die Eltern abgewälzt werden.

Verleihung der Goldenen Klobürste

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Wer ist für die Schultoiletten zuständig?

Die Kommunen und Landkreise sind als Schulträger für die Instandhaltung von Schulgebäuden und somit auch den Toiletten zuständig. Vielerorts fehlt dafür aber Geld oder es wird anders eingesetzt. Das Kultusministerium ist sich der Problematik bewusst und stellt den Schulträgern zusätzliches Geld zur Verfügung: Sie sollen 530 Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln zum Erhalt, aber auch für den Umbau von Schulgebäuden erhalten. Es ist den Schulträgern überlassen, wie sie das Geld einsetzen. An vielen Schulen wird es für bauliche Veränderungen aufgrund der erweiterten Ganztagsbetreuung benötigt, Schultoiletten haben da häufig keine hohe Priorität.

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Auch den Schülern im Main-Taunus-Kreis stinkt’s, viele ekeln sich auf die Schultoilette zu gehen. Das soll sich ändern. Deswegen will der Kreisschülerrat jetzt die schlimmste Schultoilette mit der „Goldenen Klobürste“ auszeichnen: „Der Gedanke dahinter ist, dass wir die Öffentlichkeit und auch den Schulträger darauf hinweisen: Es gibt ein Problem an Schulen. Es ist ein Problem, was nicht neu ist. Es ist wahrscheinlich ein Problem an Schulen, seitdem es Schulen gibt. Trotzdem muss man sich damit befassen und darf nicht darüber hinwegsehen. Und darauf wollen wir hinweisen“, erläutert Schülersprecher Finn Kretschmer im Gespräch mit hr3.

Vor ein paar Jahren hat das schon mal ganz gut geklappt. Damals hat die Albert-Einstein-Schule in Schwalbach den Negativpreis von den Schülern erhalten. Wenig später wurden die Toiletten in der Schule saniert und noch heute seien die Toiletten in gutem Zustand, sagt die Schulleitung.

Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 01.02.2018, 05:00 Uhr

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