Fahrzeuge auf einer Autobahn bilden eine Rettungsgasse
Fahrzeuge auf einer Autobahn bilden eine Rettungsgasse Bild © picture-alliance/dpa

In 80 Prozent aller Rettungseinsätze wird die Rettungsgasse durch Fahrzeuge blockiert – das zeigt eine Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes. Im Durchschnitt verlieren die Rettungsteams dadurch fünf Minuten. Dabei ist es so einfach, eine Rettungsgasse zu bilden! Wir erklären noch einmal, wie es funktioniert.

4 Regeln: So einfach bildet Ihr eine Rettungsgasse

Grafik: So bildet Ihr eine Rettungsgasse
Grafik: So bildet Ihr eine Rettungsgasse Bild © hr
  1. Wenn’s langsamer wird auf der Straße und der Verkehr zum Stocken kommt, schon mal darauf einstellen, dass gleich eine Rettungsgasse gebildet werden muss. Besonders wichtig ist das auf der Autobahn, aber auch auf Bundes- oder Landstraßen. Heißt: Nicht unnötig die Spur wechseln oder überholen.
  2. Kommt es dann tatsächlich zum Stau, muss eine Rettungsgasse gebildet werden – so steht’s in der StVO (§ 11, Abs. 2). Der Standstreifen ist keine Rettungsgasse – oft gibt es den gar nicht oder er wird durch stehengebliebene Autos blockiert. Dabei ist die Rettungsgasse immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden. Fahrt Ihr also auf dem linken Fahrstreifen, so weicht Ihr nach links aus. Seid Ihr auf einem der übrigen Fahrstreifen unterwegs, so fahrt Ihr nach rechts.
  3. Nachdem ein Feuerwehrauto, die Polizei oder der Rettungswagen durch die Rettungsgasse gefahren sind, nicht die Spur gleich wieder dicht machen – in aller Regel folgen weitere Fahrzeuge.
  4. Wenn aus einer Autobahn zwei werden, wie zum Beispiel am Hattenbacher Dreieck die A5 von der A7 abzweigt, muss darauf geachtet werden, ob beide Autobahnen bereits durch eine durchgezogene Linie getrennt sind und Ihr nicht mehr wechseln dürft. Ist das der Fall, müssen beide Autobahnen jeweils ihre eigene Rettungsgasse bilden. Wenn nicht, gilt die Straße noch als eine Autobahn und es muss eine gemeinsame Rettungsgasse gebildet werden.

Warum bereitet uns die Rettungsgasse solche Schwierigkeiten?

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Kate Menzyk

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kate Menzyk erklärt, wie die Rettungsgasse funktioniert

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Claus-Christian Carbon von der Uni Bamberg beschäftigt sich mit dem Verhalten von Menschen in Gruppensituationen. Er sieht zwei große Probleme, die es uns erschweren, eine Rettungsgasse richtig zu bilden: "Die eine Sache ist, dass wir prinzipiell heute nicht mehr so richtig gehorchen wollen", weiß er. Das sei eigentlich eine positive Sache, Autoritäten in Frage zu stellen.

Das Problem ist aber: Wenn es darum geht, eine Rettungsgasse zu bilden oder den Rettungsdienst oder Feuerwehr vorbeizulassen, muss man sich einfach daran halten. "Das haben wir nicht mehr so gut drauf, weil wir die ganze Zeit in so einem Modus sind, dass wir alles hinterfragen oder nicht das machen wollen, was uns gesagt wird. Hier macht es aber keinen Sinn, es nicht so zu machen. Es ist wichtig, es genau so zu befolgen", sagt der Psychologe.

Wir haben keine "Übung"

Dazu kommt, dass eine Rettungsgasse für uns eine Ausnahmesituation darstellt – glücklicherweise. "Wir haben davon häufig gehört und das Gefühl, wir können das eigentlich. Aber wirklich konkret in der Situation sind wir nicht so häufig, das heißt, es ist nicht richtig eingeübt und geht nicht in unser Reizreaktionsmuster über", erklärt Carbon.

Feuerwehrauto in der Rettungsgasse
Vorbildliche Rettuzngsgasse. Scheren jetzt Autofahrer aus, wird es für nachfolgende Einsatzfahrzeuge wieder schwer. Bild © picture-alliance/dpa

Wir müssten daher jedes Mal aufs Neue darüber nachdenken. "Und dann ist es so, dass die Leute sich schlichtweg unsicher sind, wie sie sich verhalten müssen. Das ist nicht eingeübt und wenn überhaupt, dann ist es eine theoretische Sache und keine praktische", begründet er.

Die Rettungsgasse muss von klein auf bekannt sein

Laut Claus-Christian Carbon sollte hier angesetzt werden. Eine ganz einfache Übung sei zum Beispiel, die Rettungsgasse immer und immer wieder nachzustellen. "Im Prinzip muss man solche Dinge schon in der Kindheit oder Jugend anfangen, bevor man den Führerschein lernt." Das könne man auch schon mit Spielzeugautos üben. So könnten auch Kinder und Jugendliche ihre Eltern darauf hinweisen, wenn sie falsch eingefädelt sind.

Von einer Erhöhung des aktuellen Bußgeldes von nur 20 Euro hält der Psychologe dagegen nicht viel: "Die haben nur eine kurzfristige Symbolwirkung", sagt er.

Sendung: hr3, "Die Kate Menzyk Show", 15.08.2019, 13:30 Uhr

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