Tatort Saabrücken "Der Pakt"
In seinem letzten Tatort ermittelt Kommissar Stellbrink (Devid Striesow) im Fall einer ermordeten Schwesternschülerin. Bild © picture alliance/Manuela Meyer/SR/dpa

In seinem letzten Tatort bekommt es Kommissar Stellbrink mit einer "falschen" Ärztin zu tun: Sie hat ihren Doktorgrad nie gemacht, praktiziert aber trotzdem. Wie kommt man dann überhaupt an einen solchen Titel – und warum fällt so etwas nicht auf?

Darum geht's

Die Schwesternschülerinnen Anika und Vanessa sehen sich verblüffend ähnlich. Was ihren Charakter angeht, könnten sie aber nicht unterschiedlicher sein: Während Vanessa gerne Party mit den Assistenzärzten macht, engagiert sich Anika in der Initiative "Mediziner für Illegale". Eines Morgens ist Vanessa tot, sie wurde mit einem Bademantelgürtel erdrosselt. Kommissar Stellbrink ermittelt – in seinem letzten Fall – in alle Richtungen und stößt dabei auch auf eine Ärztin, deren Doktortitel sich als gefälscht herausstellt.

Wie einfach ist es, einen falschen Doktortitel zu bekommen?

Dr. Christian Birnbaum ist Rechtsanwalt und Experte in Sachen Hochschulrecht. Er weiß: Sich einen falschen Doktorgrad zu besorgen, kann sehr leicht sein. "Der einfachste Weg: Ich habe keinen Doktorgrad und klebe ihn an meine Haustür oder schreibe ihn auf meinen Briefkopf. Das ist keine besondere Leistung", so Birnbaum.

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Warum fälscht man einen Doktorgrad?

Dr. Birnbaum weiß: "Die Leute schmücken sich gerne: Sie haben gerne schöne Kleidung, sie gehen gerne zum Frisör und haben gerne einen Doktorgrad– weil es etwas hermacht." Ein Doktorgrad werde oftmals auch als Merkmal für die Intelligenz einer Person genommen. In vielen Berufen bringt der Doktorgrad außerdem zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. "Für Chemiker ist der Doktorgrad die eigentliche Berufsqualifikation, ein Chemiker ohne Doktorgrad wird schon gar nicht ernst genommen", so der Rechtsanwalt.

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Über das Internet gibt es zudem zahlreiche Möglichkeiten, um an gefälschte Urkunden zu kommen. In den USA zum Beispiel würden auch sogenannte Schmuckurkunden verkauft, etwa an Religionsgemeinschaften. Rechtsanwalt Birnbaum erklärt: "Da gibt es dann beispielsweise einen Doctor of Immortality, also einen Doktor für Unsterblichkeit." In Deutschland sind solche Schmuckurkunden allerdings verboten.

Warum fallen Leute auf solche gefälschten Urkunden rein?

Ihr kennt es vielleicht selbst: In einem Bewerbungsgespräch wird selten eine Urkunde verlangt, um einen akademischen Grad zu beweisen. "Es kann in einem komplexen System wie dem deutschen Arbeitswesen nicht jede Bewerbung auf Richtigkeit und Vollständigkeit überprüft werden. Die Leute werden nach der Papierform beurteilt. Ich schreibe einfach Doktor auf mein Bewerbungsschreiben und das wird so hingenommen", so Birnbaum. Nachgefragt würde oftmals erst, wenn es einen Anhaltspunkt auf Fälschung gebe.

Auch wer seinen Doktorgrad beim Einwohnermeldeamt in den Personalausweis eintragen lassen möchte, kann auf kritische Mitarbeiter treffen oder auf solche, die eher gutgläubig und unreflektiert sind. Man kann zwar bei der Ärztekammer nachfragen, ob eien Person dort eingetragen ist. "Je nachdem, wie gut diese Fälschung ist, kann ich mich ja auch bei der Ärztekammer eintragen lassen", schränkt Birnbaum ein.

Was passiert denn, wenn das rauskommt?

Nach Strafgesetzbuch ist es nicht erlaubt, eine gefälschte akademische Bezeichnung zu tragen. Die Konsequenzen sind laut Dr. Birnbaum aber überschaubar: Am Ende eines Verfahrens stehe oftmals nur ein Strafbefehl.

Wenn eine Doktorarbeit einer Uni sich im Nachhinein als Plagiat herausstellt, dann gibt es ein förmliches Verfahren der Uni. So eine Entscheidung kann sich aber über Jahre hinziehen – und muss oftmals wegen Verfahrensfehlern beendet werden. Den Doktorgrad darf der Absolvent dann behalten.

Ein gefälschter Arzt wie im Tatort muss mit schlimmeren Konsequenzen rechnen: Je nachdem, welche Eingriffe oder Anwendungen ohne Approbation vorgenommen wurden, ist von Urkundenfälschung über Abrechnungsbetrug bis zu gefährlicher Körperverletzung alles denkbar.

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Den Tatort "Der Pakt" könnt Ihr Euch hier in der Mediathek anschauen.

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Sendung: hr3, "hr3 am Vormittag", 28.01.2019, 09:30 Uhr

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