Ein Paar berät über seine Finanzen
Bisher wurden von mein-grundeinkommen.de 234 Grundeinkommen finanziert. Bild © Pexels/rawpixel.com

Stellt Euch vor, Ihr bekommt jeden Monat 1.000 Euro vom Staat geschenkt – würdet Ihr noch arbeiten gehen? Meera, die Mitgründerin der Webseite mein-grundeinkommen.de, ist sich sicher: Das würde sogar noch mehr Anreiz schaffen.

Immer wieder wird über das Bedingungslose Grundeinkommen diskutiert: Was wäre, wenn jeder Deutsche monatlich Geld vom Staat geschenkt bekommen würde? Würde keiner von uns mehr arbeiten gehen wollen? Oder wären wir vielleicht sogar motivierter, einem Job nachzugehen?

Meera glaubt an letzteres. Sie ist Mitgründerin des gemeinnützigen Vereins mein-grundeinkommen.de. Der Verein ist ein Crowdfunding-Projekt: Man kann sich anmelden und Geld spenden. Aus diesen Spenden wird regelmäßig ein bedingungsloses Grundeinkommen im Wert von 12.000 Euro verlost – unter allen, die dort eingezahlt haben.

"Es hat damit angefangen, dass wir ein allererstes Grundeinkommen gecrowdfundet haben: 12.000 Euro – ein Jahr lang 1.000 Euro im Monat –bedingungslos für eine zufällig ausgewählte Person. Das hat für so viel Begeisterung gesorgt und so einen Nerv getroffen, dass das ganze viel größer geworden ist als wir gedacht haben", erzählt Meera im hr3 Interview.

Unterstützung für jede Lebenslage

Meera Leilani Zaremba, Vereinsvorstand von Mein Grundeinkommen e.V.
Meera Leilani Zaremba ist Vereinsvorstand von Mein Grundeinkommen e.V. Bild © MeinGrundeinkommen

Mittlerweile haben sich über 100.000 Menschen auf der Plattform registriert, die die Verlosungen finanzieren und daran teilnehmen. So sind schon über 200 solcher Grundeinkommen verlost worden. Meera ist überzeugt: "Wir brauchen das bedingungslose Grundeinkommen nicht nur in absoluten Notsituation, sondern in jeder Phase der Veränderung: Wenn wir Kinder bekommen, wenn wir den Job wechseln, wenn wir uns weiterbilden wollen, wenn das Studium anfängt oder endet. Überall da würde den Menschen existenzielle Sicherheit total weiterhelfen." Dann könne man auch mal ein Risiko eingehen und etwas auszuprobieren, ohne dass die eigene Existenz oder die der ganzen Familie davon abhängt, findet sie.

Wird das nicht ausgenutzt?

Die Sorge, dass "Sozialschmarotzer" ein bedingungsloses Grundeinkommen ausnutzen würden, sieht sie nicht. Im Gegenteil: "Von dem Wort halte ich gar nichts. Wenn die Leute nicht das tun, was die Mehrheitsgesellschaft von ihnen erwartet, dann hat das meistens einen Grund. Zum Beispiel, dass es ihnen einfach nicht gut geht oder das Angebot an Arbeit nicht zu ihnen passt. Die Frage ist nicht, ob sie sozial schmarotzen, sondern ob sie die richtige Unterstützung für ihre Lebenssituation erhalten", so Meera.

Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens sehen aber nicht nur die Gefahr, dass einige dann nicht mehr arbeiten wollen würden. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwege versteht das Grundeinkommen einfach nur als andere Form staatlicher Unterstützung. Die Ungerechtigkeiten zwischen Arm und Reich würden sich nur verschieben und nicht auflösen. Weil ein Hungernder damit zwar vielleicht nicht mehr hungern müsse, aber ein reicher Mensch das zusätzliche Geld eben gar nicht braucht.

"Man muss nicht das ganze System umwälzen"

Probleme wie steigende Mieten oder den Pflegenotstand kann ein bedingungsloses Grundeinkommen zwar nicht lösen – aber das Existenzminimum und den Sozialstaat sichern. "Es muss geschaut werden, was die Leute von Ämtern und Behörden eigentlich brauchen an existenzieller Grundsicherung", stellt Meera fest. Sie fordert: Sanktionen in den Arbeitslosenversicherungen sollten abgeschafft und die Versicherungsleistung ausgeweitet werden. Das Kindergeld sollte erhöht werden, genauso wie das Bafög. "Gegebenenfalls könnte man es bedingungslos machen für alle, die studieren. Das könnte schon helfen, ohne dass das ganze System umgewälzt werden muss", ist sie sich sicher.

Den momentan ausgezahlten Betrag von 1.000 Euro pro Monat würde Meera gerne noch um 200 Euro erhöhen. "Das ist ein bisschen über dem, was wir als Existenzminimum für ein Leben in Deutschland berechnet haben. Das reicht für ein bescheidenes Leben, macht einen unabhängig und sichert existenziell ab. Es schafft aber auch einen Anreiz, weiterhin arbeiten zu gehen und sich etwas dazuzuverdienen."

Erik aus Butzbach kann das bestätigen: Er ist einer der Gewinner des bedinungslosen Grundeinkommens. Was er mit dem geschenkten Geld macht, lest Ihr hier.

Weitere Informationen

Die nächste Verlosung ist Ende November – diesmal sollen 22 Grundeinkommen verschenkt werden. Auf der Seite www.mein-grundeinkommen.de könnt Ihr in den Topf einzahlen und Euch anmelden. Danach erhaltet Ihr eine Losnummer holen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr3, "Die hr3 Morningshow", 15.11.2018, 05:00 Uhr

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